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Vorschau GP England 2013

Letzte Chance für Red Bull-Gegner

Bestnoten GP-Saison 2012 Foto: AMS 69 Bilder

Beim GP England wollen die Red Bull-Gegner zum großen Gegenschlag ausholen. Auf dem Papier sollte dem Vettel-Team die Strecke in Silverstone nicht so gut liegen. In der Vorschau sagen wir Ihnen warum. Dazu gibt es alle Infos rund um das Rennen im "Home of British Motorsports."

26.06.2013 Michael Schmidt

Sebastian Vettel reist mit einem beruhigenden Vorsprung von 36 Punkten auf Fernando Alonso nach Silverstone. Doch zu sicher sollte sich der dreifache Weltmeister aus Heppenheim noch nicht sein. Auf Strecken mit schnellen Kurven und hohem Reifenverschleiß zeigte der Red Bull in dieser Saison ungewohnte Schwächen. Auf vergleichbarem Terrain in Barcelona sah Vettel kein Land gegen Alonso und Räikkönen.
 
Auf der Traditionsstrecke in Northamptonshire wird es auch auf das Wetter ankommen. Je heißer desto besser für Ferrari und Lotus, die bekanntermaßen im Qualifying regelmäßig mit Problemen beim Reifenaufwärmen kämpfen. Red Bull und auch Mercedes hätten es dagegen vor allem im Rennen gerne etwas kühler, um den hohen Verschleiß in der Griff zu bekommen.

GP England 2013 - Pirelli Video Screenshot
Formel-1 2013 Silverstone Virtuelle Rundfahrt 1:52 Min.

Wetter könnte Ferrari in die Hände spielen

Nach ersten Prognosen sieht es so aus, als würde der Wettergott eher ein Ferrari-Fan sein. Zwar sind am Freitag mögliche Schauer bei 19 Grad angekündigt, doch dann soll am Samstag der englische Sommer beginnen. Die Wetterfrösche versprechen 22 Grad bei Sonnenschein. Für Ferrari und Lotus genug, die Reifen für eine Runde auf Betriebstemperatur zu bringen. Wir erinnern daran, dass im Abschlusstraining zum GP Spanien 20 Grad Umgebungstemperatur für Alonso und Räikkönen ausgereicht haben, sich direkt hinter Vettel zu qualifizieren. Am Renntag soll das Thermometer zwar wieder auf 19 Grad fallen, was aber für Ferrari und Lotus keine Rolle spielt. Im Dauerbetrieb heizen sich auch bei ihnen die Reifen gut auf.

Die Strecke: 

In Silverstone fand 1950 der erste Formel 1-Lauf überhaupt statt. Mit dem alten Layout hat der mehrfach umgebaute Kurs auf dem ehemaligen Militär-Flugplatz aber nicht mehr viel gemeinsam. Obwohl über die Jahre immer mehr Kurven eingefügt wurden, gehört Silverstone nach wie vor zu den schnellsten Rennstrecken des Formel 1-Kalenders. Im Rundenschnitt sind die Piloten mit 217 km/h unterwegs.
 
Vor allem die vielen fließenden Kurvenkombinationen machen Silverstone zu einem Highlight für Fans und Fahrer. Die Abfolge Copse, Maggotts und Becketts, die mit deutlich über 250 km/h absolviert wird, verlangt von den Piloten Mut und ein gut abgestimmtes Auto. Auch für die Reifen sind die hohen Kurvengeschwindigkeiten gepaart mit dem sehr rauen Asphalt eine Herausforderung. Pirelli bringt deshalb mit den Mischungen "medium" und "hart" die widerstandsfähigste Kombination.

Fast Facts:

Streckenlänge: 5,891
Durchschnittstempo: 217 km/h
Top-Speed: 309 km/h
Höchste Querbeschleunigung: 3,5 g
Längste Vollgaspassage: 13 Sekunden
Anteil der Bremsphasen an der Rundenzeit: 11 Prozent
Anteil der Geraden an einer Runde: 46 Prozent
Anzahl der Gangwechsel pro Runde: 46
Vollgasanteil auf einer Runde: 61 Prozent
Geringste Geschwindigkeit: 85 km/h (Kurve 4)
Höchste Kurvengeschwindigkeit: 300 km/h (Kurve 10)
Distanz von der Startlinie bis zur ersten Kurve: 420 Meter
Spritverbrauch: 2,55 Liter/Runde/ 62 Liter/100km
Zeitverlust pro 10 Kilo Zusatzgewicht: 0,39 Sekunden
Reifenverschleiß: 4/5
Bremsbelastung: 1/5

Das Setup:

Nach dem schnellen Rennen in Kanada müssen die Ingenieure in England das Abtriebslevel wieder erhöhen. Wegen der vielen schnellen und mittelschnellen Kurven brauchen die Autos Anpressdruck. Die Geraden sind zu kurz, als dass der zusätzliche Luftwiderstand dort Schaden anrichten würde. Ein stabiles Auto bringt in den schnellen Kurven Rundenzeit. Vor allem die Vorderachse muss auf dem Asphalt kleben. Untersteuern können die Piloten beim Richtungswechsel in den Highspeed-Passagen überhaupt nicht gebrauchen.
 
Um die aerodynamische Stabilität zu verbessern, wählen die Ingenieure meist ein straffes und tiefes Fahrwerk. Der Faktor Federweg für eine gute Traktion oder das Überfahren von Kerbs ist eher unwichtig. Interessant wird es beim Thema KERS: Mangels harter Bremsmanöver auf dem flüssigen Layout, ist es nicht einfach die Batterien immer auf den optimalen Ladezustand zu bringen. Laut Brembo stehen die Fahrer nur 6,1 Sekunden pro Runde auf der Bremse. Das sind acht Prozent der Rundenzeit. Im Vergleich dazu Montreal: Hier beträgt der Anteil auf der Bremse 13 Prozent. Damit ist Silverstone für die Bremsen die einfachste Rennstrecke im Kalender. Die kühlen Temperaturen machen es für die Piloten zudem schwierig, die Bremsen auf Temperatur zu halten.

Updates für den GP England:

Nach den traktionslastigen Strecken in Monaco und Montreal wird auf der Aero-Strecke Silverstone traditionell eine große Technik-Offensive gezündet. Viele Teams haben hier das letzte große Update vor der Sommerpause angekündigt. Wegen des großen Aufwands für die 2014er Autos werden viele Teams anschließend fast komplett auf die Weiterentwicklung ihrer aktuellen Autos verzichten. Wer um die Weltmeisterschaft kämpft, wird den weiteren Entwicklungsplan von dem Silverstone-Ergebnis abhängig machen. Sogar Marussia bringt ein Aero-Paket. Es betrifft die Seitenkästen, die Motorabdeckung und den Auspuff. "Für uns ein gewaltiger Kraftakt", erzählt Technikchef Pat Symonds. "Mit Ausnahme des Auspuffs können wir alle Modifikationen auch in das 2014er Auto einfließen lassen." Caterham verfährt genauso. An der Spitze haben Red Bull, Ferrari, Mercedes und Lotus größere Upgrades angekündigt. Niki Lauda fordert: "Wir wollen jedes Rennen ein Zehntel finden. Auch in Silverstone." Bei Red Bull geht das Gerücht um, Adrian Newey wolle das komplette Heck umbauen. Force India will ein zweites Mal sein vernetztes Fahrwerk testen. Williams und Sauber werden weiter an der Integration der 2012er Komponenten arbeiten. McLaren muss seine allerletzte Chance nutzen, das Ruder noch herumzureißen. "Wenn wir beim GP England den Anschluss nicht schaffen, dann wird es wohl nichts mehr. Silverstone stellt die Weichen für den Rest der Saison", fürchtet Jenson Button.  

Favoriten:

Die Vorzeichen stehen in dieses Mal umgekehrt zu den Vorjahren. Nach drei Red Bull-Siegen in den letzten vier Rennen muss sich das Weltmeister-Team dieses Jahr wohl deutlich mehr strecken. Wie bereits eingangs erwähnt, gehören schnelle Kurven nicht mehr zum Spezialgebiet. Der Grund liegt in den Reifen. Da die Gummis mehr walken als früher, müssen die Ingenieure das Fahrwerk auf der Vorderachse höher schrauben. Das geht auf die aerodynamische Effizienz.
 
Die Schwäche von Red Bull ist die Chance der Konkurrenz. Vor allem Ferrari erwarten wir im Rennen wieder stark. Der hohe Reifenverschleiß auf der Traditionsstrecke spielt der Scuderia in die Karten. Je heißer das Wetter und somit auch der Gummi, desto besser. Das gleiche gilt auch für Lotus. Nach zwei schwachen Rennen in Monaco und Montreal muss Kimi Räikkönen zeigen, dass er noch ein Wörtchen im WM-Duell mitreden will. Wenn der Iceman zum 25. Mal in Folge in die Punkte fahren kann, würde er übrigens Michael Schumacher einen Rekord klauen.
 
Ein Fragezeichen schwebt auch über Mercedes. Monaco und Montreal waren vom Reifenverschleiß optimal für den Silberpfeil. Fahrer und Ingenieure hoffen, dass man die Gummi-Temperaturen auch in Silverstone in den Griff bekommt. Dazu Lauda: "Wir sind vom Reifenverschleiß her besser geworden, aber noch nicht gut genug." Sollte Mercedes wie schon in Barcelona im Rennen schwächeln, steht Force India bereit, Punkte aufzusammeln. Wenn alles optimal läuft und die Fahrer nicht wieder Fehler machen, könnte vielleicht sogar mal ein Podium herausspringen.

Expertenmeinung:

Paul di Resta: "So wie unser Auto mit den Reifen umgeht sehen wir richtig gut aus. Der aktuelle Force India ist das beste Auto, das wir je hatten. Der Schlüssel für uns ist, dass wir drei perfekte Tage in Folge hinkriegen. So wie in Bahrain. Wenn wir uns im Training eine gute Ausgangsbasis verschaffen, können wir im Rennen groß auftrumpfen."

So lief das Rennen im Vorjahr:

2012 lieferten sich Mark Webber und Fernando Alonso ein spannendes Duell. Erst vier Runden vor der Zielflagge startete der Australier den entscheidenden Angriff und entschied das Duell für sich. Bei sonnigem Wetter an einem ansonsten verregneten Rennwochenende rettete Alonso am Ende noch Rang zwei vor einem heranstürmenden Sebastian Vettel über die Linie.
 
Auf den Plätzen 5 und 6 kamen die beiden Lotus ins Ziel. Romain Grosjean erlebte ein besonders ereignisreiches Rennen. In der Startphase hatte sich der Franzose wieder einmal den Frontflügel beschädigt. Der notwendige Wechsel spülte ihn zunächst ans Ende des Feldes zurück. Mit einer couragierten Aufholjagd betrieb Grosjean immerhin noch erfolgreich Schadensbegrenzung. Nur sechs Sekunden fehlten auf Teamkollegen Räikkönen.
 
In unserer Bildergalerie haben wir noch einmal die besten Szenen des ereignisreichen GP England aus dem Vorjahr zusammengestellt.

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