Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Vorschau GP Italien 2013

Formel 1-Party im Vollgas-Tempel

Vergne GP Italien F1 Crashs 2012 Foto: xpb 46 Bilder

Am Wochenende steht mit dem GP Italien das große Finale der Formel 1-Europa-Saison auf dem Programm. In unserer Vorschau haben wir alle Infos zur Strecke, zur Technik und zu den Favoriten beim Vollgas-Fest in Monza. Bitte anschnallen.

04.09.2013 Tobias Grüner

Monza ist nicht einfach nur eine Rennstrecke. Monza ist ein Gefühl. Monza ist Leidenschaft. Monza ist Tradition. Monza, das sind begeisterte Tifosi, die für Ferrari ihr letztes Hemd geben. Und Monza ist vor allem eins: schnell. Verdammt schnell. Nirgendwo sonst im F1-Kalender werden so hohe Top-Speeds erreicht, wie im Königlichen Park. Nirgends sonst, ist eine so kompromisslose Aerodynamik im Einsatz.

Die Formel 1-Fans wissen: Wenn die schnellste Strecke des Jahres auf dem Programm steht, biegt die Saison bereits auf die Zielgerade ein. Wer in dieser entscheidenden Phase zu viele Punkte liegen lässt, dem gehen im Übersee-Schlussspurt schnell die Rennen aus. In der WM-Wertung scheint der Drops bereits gelutscht. Sebastian Vettel führt die Tabelle mit 46 Zählern Vorsprung souverän an. Der Weltmeister kann sich nur noch selber schlagen.

Formel 1 GP Italien
Vorschau Formel 1 GP Italien 2013 2:12 Min.

Doch wegen des verrückten Layouts kann in Monza bekanntlich alles passieren. Das Material wird an seine Grenzen gebracht. Technische Defekte, wie Vettels Ausfall im Vorjahr sind hier häufiger anzutreffen als auf anderen Strecken. Aber auch positive Überraschungen, wie der Vettel-Premierensieg 2008 im Toro Rosso, sind möglich. Damals spielte auch das feuchte Wetter in der Lombardei eine Hauptrolle. Das kann dieses Wochenende wieder passieren. Die Meteorologen warnen vor Schauern.

Die Strecke: Autodromo Nazionale di Monza

5,793 Kilometer lang, 75 Prozent Vollgasanteil und Durchschnittsgeschwindigkeiten von 250 km/h - Monza ist vor allem schnell. Auf keiner anderen Strecke werden die Motoren so hart gefordert. Die vorhergesagten Temperaturen von knapp 30°C lassen die Sorgenfalten bei den Ingenieuren zusätzlich anwachsen. Neben den Motoren sind auch die Bremsen stark belastet. Vier Mal geht es pro Runde aus mehr als 300 km/h in die Eisen.

Das ungewöhnliche Layout, das eigentlich nur aus Geraden besteht, die durch drei Kurven und drei Schikanen unterbrochen werden, ist immer wieder Garant für Action. Auf den langen Vollgaspassagen sind enge Windschattenduelle keine Seltenheit. Überholmanöver sind somit auch ohne die Hilfe des Klappflügels möglich. Die beiden DRS-Zonen befinden sich auf der Zielgerade und dem Vollgasstück zwischen Lesmo 2 und der Ascari-Schikane. Pirelli geht bei der Highspeed-Jagd auf Nummer sicher und bringt wie schon in Spa die beiden härtesten Mischungen.

Fast Facts:

Streckenlänge: 5,793 km
Renndistanz: 53 Runden (306,720 km)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 236 km/h
Top-Speed: 331 km/h
Höchste Querbeschleunigung: 3,1g (für 4 Sekunden in Kurve 11)
Längste Vollgaspassage: 1.200 Meter (Zielgerade)
Anteil der Bremsphasen an der Rundenzeit: 10 Prozent
Anteil der Geraden an einer Runde: 65 Prozent
Anzahl der Gangwechsel pro Runde: 40
Vollgasanteil auf einer Runde: 70 Prozent
Geringste Geschwindigkeit: 70 km/h
Höchste Kurvengeschwindigkeit: 300 km/h
Distanz von der Pole Position bis zur ersten Kurve: 800
Spritverbrauch: 2,50 kg/Runde (62 Liter/100 km)
Zeitverlust pro 10 Kilo Zusatzgewicht: 0,38 Sekunden
Reifenverschleiß: 3/5
Bremsenverschleiß: 5/5

Das Setup:

In Sachen Setup scheint die Aufgabe für die Ingenieure auf dem Papier einfach: Der Luftwiderstand muss so weit wie möglich reduziert werden, um auf den langen Geraden hohe Geschwindigkeiten zu erzielen. Wer zu viel Abtrieb für Top-Speed opfert wird allerdings in den Kurven bestraft. Hier gilt es, den schnellsten Kompromiss zu finden.

Gleiches gilt auch für die Lufthutzen der Bremsen. Große Einlässe verbessern zwar die Kühlung, sorgen aber für mehr Luftwiderstand. Bei den Dämpfern muss ebenfalls ein Kompromiss her: ein weich gefedertes und höher gelegtes Auto verbessert zwar die Traktion beim Beschleunigen und hilft in den Schikanen beim Rumpeln über die Kerbs, sorgt aber auch dafür, dass das Auto aerodynamisch nicht so effizient arbeitet.

Updates für Monza:

Monza ist so extrem, dass die Anpassung des Setups alleine nicht reicht. Die Formel 1-Renner werden für den Auftritt im Vollgas-Tempel komplett umgebaut. Die Charakteristik der Strecke zwingt die Ingenieure dazu, spezielle Teile anzufertigen. Einen Teil der Low-Downforce-Pakete haben wir bereits in Spa gesehen. Die Simulationen können allerdings nie genau vorhersagen, wie die Mini-Flügel mit dem Rest des Autos harmonieren. Mercedes hat nach den Erfahrungen von Belgien bereits angekündigt, dass man das Paket für wenig Abtrieb noch einmal überarbeiten musste.

Den größten Umbau erwarten wir bei Lotus. In Italien soll endlich der verlängerte Radstand debütieren, den man ursprünglich schon für Ungarn und Belgien eingeplant hatte. Die Maßnahme soll mehr Stabilität und eine berechenbareres Fahrverhalten bringen. Um die beiden Achsen weiter auseinander zu schieben, wird einfach die Vorderradaufhängung weiter nach vorne gespreizt. 10 Zentimeter soll der Radstand durch den Eingriff wachsen.

Die Favoriten:

Red Bull-Teamchef Christian Horner hat zuletzt tiefgestapelt. "Strecken für wenig Abtrieb sind unsere Achillesferse", erklärte der Brite. Und dann gewann Vettel souverän in Spa. Der Weltmeister ist also auch für Monza der erste Sieganwärter. Die Taktik des Heppenheimers ist einfach: Das Auto für eine Runde so schnell wie möglich machen. Von Pole Position starten. Und sich im Rennen nicht einholen lassen. Das hatte schon 2011 zum Erfolg geführt.

Als größten Konkurrent erwarten wir wie schon in Spa Fernando Alonso. Das Streckenlayout kommt dem Charakter des Ferraris entgegen. Mit wenig Abrieb sind die Chancen auf jeden Fall besser als auf normalen Strecken. Bei Mercedes muss man abwarten, wie das neue Paket einschlägt. Lotus erwarten wir nur als vierte Kraft. Auf schnellen Strecken haben sich die schwarzen Autos dieses Jahr schwergetan. Ob heiße Temperaturen und der längere Radstand in Monza Abhilfe schaffen, bleibt abzuwarten.

Im Mittelfeld dürfte wieder McLaren die besten Chancen auf Punkte besitzen. Auch Force India sollte wegen des starken Mercedes-Motors gute Aussichten auf ein Top Ten-Ergebnis haben. Für Sauber erwarten wir dagegen ein schwieriges Wochenende. Top-Speed und Traktion gehörten bislang nicht zu den Stärken des Autos von Nico Hülkenberg.

Expertenmeinung: Paul Hembery (Pirelli-Sportchef)

"Monza liegt lediglich eine halbe Autostunde vom Sitz der Konzernzentrale in Mailand entfernt und kann daher mit Recht als Pirellis Heimstrecke bezeichnet werden. Es ist leicht zu erkennen, warum der Kurs häufig Hochgeschwindigkeits-Tempel genannt wird. Monza ist der schnellste Circuit der Saison, auf den langen Geraden und in den schnellen Kurven wirken extreme Kräfte auf die Reifen. Wird darauf nicht geachtet, können Überhitzung und Blasenbildung die Folgen sein.

Das richtige Reifenmanagement kann daher die Strategie und den Rennverlauf im hohen Maße beeinflussen. Darauf müssen die Teams während des freien Trainings am Freitag ein besonderes Augenmerk legen. Nicht nur die Performance der Reifen steht hier auf dem Prüfstand, sondern auch deren Haltbarkeit. Zumal sie hier mit überaus hoher Geschwindigkeit über die Kerbs fahren – ein weiterer besonderer Aspekt der Strecke."

So lief das Rennen im Vorjahr (GP Italien 2012):

Was sich in 12 Monaten doch alles ändern kann. 2012 war Lewis Hamilton im McLaren der dominierende Mann in Monza. Der Sieg beim GP Italien war bereits der dritte McLaren-Erfolg in Folge. Hätte bei Jenson Button nicht eine Benzinpumpe versagt, wäre vielleicht sogar der Doppelsieg drin gewesen. Auch Sebastian Vettel sah die Ziellinie nicht. Am Red Bull sorgte eine defekte Lichtmaschine für das vorzeitige Ende.
 
Einen besonders starken Eindruck hinterließ Sergio Perez. Der Sauber-Pilot fuhr mit einer Einstopp-Strategie zwischenzeitlich unfassbar schnelle Runden auf gebrauchten Reifen und konnte dadurch von Startplatz 12 bis auf Rang 2 nach vorne stürmen. Auch Fernando Alonso hatte dem Angriff des Mexikaners nichts entgegenzusetzen. Der Spanier landete auf Platz 3. Für größere Diskussionen nach dem Rennen sorgte Alonsos Duell mit Vettel in der Curva Grande. Wegen rüder Fahrweise gab es vor 12 Monaten eine Durchfahrtsstrafe für den Deutschen.

In unserer Bildergalerie blicken wir noch einmal zurück auf einen spannenden GP Italien.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden