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Vorschau GP Kanada 2013

Mercedes kann nur verlieren

Mercedes Formel 1 GP Kanada 2012 Foto: xpb 63 Bilder

Mit dem Kanada Grand Prix verlässt die Formel 1 europäisches Festland. Der Circuit Gilles Villeneuve ist immer ein Garant für Action und Spannung. Wir sagen Ihnen, warum auch die 2013er Ausgabe ein Kracher wird, warum Mercedes eigentlich nur verlieren kann und wer die besten Chancen besitzt.

05.06.2013 Tobias Grüner

Für Runde 7 der Formel 1-Saison schickt Bernie Ecclestone seinen Zirkus nach Kanada. Auf dem ehemaligen Expo-Gelände auf der Ile Notre Dame, mitten im Sankt Lorenz Strom, kämpfen Vettel, Alonso und Co. um wichtige Punkte in der WM-Wertung. Die ersten sechs Läufe des Jahres haben gezeigt: Prognosen haben eine geringe Halbwertszeit. Vier verschiedene Teams konnten bereits Rennen gewinnen. Der Favoritenkreis ist dementsprechend hoch. Oft dreht sich das Bild mehrmals an einem Wochenende.

Pirelli Video Screenshot GP Kanada 2012
GP Kanada 2013: Montreal aus Sicht der Reifen 1:39 Min.

Der wichtigste Grund für die aktuelle Unberechenbarkeit der Königsklasse liegt in den Reifen. Mercedes fuhr zuletzt vier Mal von der Pole Position los. Dabei sprang allerdings nur ein Sieg heraus. Montreal wird zeigen, ob die Silberpfeile die Reifenprobleme in den Griff bekommen haben oder ob Monaco ein positiver Ausrutscher war. Eigentlich kann das Team von Ross Brawn gar nicht gewinnen. Halten die Gummis plötzlich durch, wird der Druck auf die FIA wegen des umstrittenen Barcelona-Reifentests steigen und eine Strafe für das Silberpfeil-Team wahrscheinlicher.

Vielleicht kommt ja auch alles ganz anders. Die Wetterprognosen für das Wochenende sind durchwachsen. Mit Niederschlägen muss immer gerechnet werden. Noch gut dürfte den Fans die Regenschlacht von 2011 in Erinnerung sein. Nach einer mehr als vierstündigen Achterbahnfahrt wurde Jenson Button damals zum Sieger erklärt.

Die Strecke - Circuit Gilles Villeneuve:

Nach dem Klassiker in Monaco steht in Montreal der nächste Stadtkurs auf dem Programm. Vom Layout ist der Circuit Gilles Villeneuve auf der Ile Notre Dame mitten im Sankt Lorenz-Strom aber nicht mit dem engen Gewurschtel im Fürstentum zu vergleichen. Sechs Mal beschleunigen die Autos auf der 4,361 Kilometer-Runde auf mehr als 250 km/h. Und ebenso oft müssen die Piloten knallhart in die Eisen steigen.

Um schnelle Rundenzeiten zu produzieren, müssen die Autos in den Schikanen aggressiv über die Kerbs. Damit die Piloten nicht zu viel abkürzen, hat die FIA in diesem Jahr in Kurve 9 die Randsteine auf 50 Millimeter erhöht. Weitere Gefahr droht den filigranen Boliden durch die engen Mauern am Kurvenausgang. Vor allem die Bande in der Zielschikane ist schon vielen großen Namen zum Verhängnis geworden, was ihr den Spitznamen "Wall of Champions" einbrachte.

Eine Veränderung gibt es in Sachen DRS. Der Heckflügel darf im Gegensatz zum Vorjahr wieder auf der langen Geraden nach der Haarnadel und der Zielgeraden flachgestellt werden. Das gab es zuletzt 2011. Allerdings wurde die DRS-Zone vor der Zielschikane massiv gekürzt, um das Überholen nicht ganz so leicht zu machen.

Fast Facts:

Streckenlänge: 4,361 Kilometer
Durchschnittsgeschwindigkeit: 199 km/h
Top-Speed: 317 km
Spritverbrauch: 2,0 Kilo/Runde / 66 Liter/100km
Zeitverlust pro 10 Kilo Zusatzgewicht: 0,32 Sekunden
Höchste Querbeschleunigung: 3g (für 1,3 Sekunden in Kurve 5)
Längste Vollgaspassage: 950 Meter
Anteil der Bremsphasen an der Rundenzeit: 15 Prozent
Anteil der Geraden an einer Runde: 56 Prozent
Anzahl der Gangwechsel pro Runde: 53
Vollgasanteil auf einer Runde: 57 Prozent
Geringste Geschwindigkeit: 60 km/h (Kurve 8)
Höchste Kurvengeschwindigkeit: 300 km/h (Kurve 12)
Distanz von der Startlinie bis zur ersten Kurve: 150 Meter

Das Setup für den GP Kanada:

Zum ersten Mal geht es für die Piloten in diesem Jahr auf eine Strecke, auf der die Flügel spürbar flacher gestellt werden müssen. Die langen Geraden verlangen nach einem guten Top-Speed, sonst verliert man Rundenzeit und wird für die Konkurrenz im Zweikampf zur leichten Beute. Die Ingenieure müssen in Sachen Abtrieb einen guten Kompromiss finden, um in den kurvigen Abschnitten nicht zu viel Zeit zu verlieren.

Aus den engen Ecken heraus zählt vor allem Traktion. Auf der Hinterachse sollten deshalb etwas weichere Federn verbaut werden. Bei der Bodenfreiheit muss auf die Kerbs und einige Wellen im Asphalt geachtet werden. Außerdem sollten die Ingenieure bei der Wahl des Setups einkalkulieren, dass der Griplevel auf der nicht permanenten Rennstrecke über das Wochenende traditionell stark zulegt. Auch der wechselnde Wind ist ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Technische Updates:

Nach der Update-Magerkost in Monaco erwarten wir in Montreal wieder etwas mehr Action an der Technik-Front. Im Vorjahr haben wir einige spezielle Heckflügel für wenig Luftwiderstand gesehen. Möglich ist auch, dass einige Ingenieure noch einmal passive DRS-Pakete auspacken. Keine andere Strecke ist für dieses System so gut geeignet wie Montreal, weil hier der Unterschied zwischen dem Top-Speed und der schnellsten Kurve besonders hoch ist.

Die wichtigste Neuerung des Wochenendes hat jedoch Pirelli im Gepäck. Am Freitag will der Reifenlieferant neue Gummis testen lassen. Für das Freie Training bekommt jeder Pilot zwei Extra-Sätze Medium-Slicks, in denen Kevlar-Gürtel statt Stahlringe für Stabilität sorgen. Damit will Pirelli das Laminierungsproblem beseitigen.

Die Favoriten:

Prognosen waren zuletzt schwierig. 3 Rennen, 3 Sieger so die Bilanz aus Bahrain, Barcelona und Monaco. Die einzige Konstante war das Qualifying. Hier dominierte zuletzt die Farbe Silber. In Spanien konnte die Konkurrenz noch mit einer reinen ersten Startreihe leben. Zu deutlich waren die Reifenprobleme von Nico Rosberg und Lewis Hamilton bei längeren Runs. Das Training am Freitag wird einen ersten Eindruck geben, ob es nach Monaco auch auf einer überholfreundlicheren Strecke mit dem Sieg klappen kann.

Sollte Mercedes wieder einbrechen, erwarten wir vor allem Red Bull stark. Die gute Traktion ist in diesem Jahr die Trumpfkarte des Weltmeisterautos, wie man schon in Bahrain sehen konnte. Stark in dieser Disziplin ist auch Force India. Mit dem Mercedes-Motor im Heck könnte Adrian Sutil nach Rang 5 in Monaco die nächste Überraschung gelingen. Insgeheim ist die Hoffnung da, nach knapp vier Jahren mal wieder das Podium angreifen zu können.

Expertenmeinung: Mike Coughlan (Williams-Technikchef)

Montreal ist mit seinen langen und schnellen Geraden und den engen, langsamen Kurven immer eine große Herausforderung, die vor allem auf die Bremsen geht. Montreal hat zudem die kürzesten Boxenstopp-Zeiten. Nur 15,9 Sekunden verliert man bei einem Reifenwechsel. Das spricht für eine Strategie mit mehr Boxenstopps. Allerdings ist hier auch immer häufig das Safety-Car im Einsatz.

Die Streckenoberfläche ist die am wenigsten aggressive im ganzen Kalender. Zusammen mit der geringen Reifenbelastung durch das Layout erhöht das die Gefahr körnender Reifen. Das Wetter spielt dabei auch eine Rolle. Niedrige Temperaturen können ebenfalls für Ärger an der Reifenfront sorgen. Und immer wieder droht Regen.

So lief das Rennen im Vorjahr: GP Kanada 2012

Reifen und Strategie spielten auch im Vorjahr die Hauptrollen. In einem spannenden Finale verpassten einige Piloten den richtigen Zeitpunkt zum Boxenstopp und gingen dadurch leer aus. Lewis Hamilton machte alles richtig. Der Brite setzte früh auf eine Zweistopp-Strategie und fuhr damit sicher und schnell als erster über die Linie. Sebastian Vettel und Fernando Alonso pokerten dagegen lange mit einer Einstopp-Taktik und wurden am Ende bestraft.

In den dramatischen Schlussrunden geigten vor allem Romain Grosjean und Sergio Perez groß auf. Sie hatten bei ihrer Einstopp-Strategie besser auf die Reifen geachtet und wurden mit den Plätzen 2 und 3 belohnt. Nur 2,5 Sekunden fehlten Grosjean im Ziel zum ersten Sieg. Bei Hamilton war der Jubel verständlicherweise am Größten. Im siebten Rennen war er der siebte unterschiedliche Sieger des Jahres.

In unserer Bildergalerie haben wir noch einmal die Bilder vom Kanada-Spektakel 2012.

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