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Vorschau GP Monaco 2013

Gummi-Roulette im Zocker-Paradies

Kamui Kobayashi - GP Monaco 2012 Foto: dpa 57 Bilder

Mit dem GP Monaco wartet diese Woche eines der großen Saisonhighlights auf die Fans. Niemand weiß genau, wie sich die neue Reifengeneration auf das Kultrennen im Fürstentum auswirkt. Pirelli bringt "soft" und "supersoft" - weicher geht es nicht. Die Vorschau sagt, worauf Sie sich einstellen müssen.

21.05.2013 Tobias Grüner

Die Formel 1 hat zuletzt große Schlagzeilen produziert. Red Bull fährt diese Saison Achterbahn. Mercedes ist nur Samstags gut, Ferrari und Lotus dafür am Sonntag. Und alles hängt irgendwie mit den 2013er Pirelli-Reifen zusammen. Die Fans haben dieses Jahr schon einige verrückte Rennen gesehen. Aber das wohl Verrückteste kommt erst noch: Am Wochenende steht der GP Monaco auf dem Programm.

Pirelli GP Monaco 2013 Screenshot
GP Monaco 2013: Streckenprofil aus Sicht der Reifen 2:08 Min.

Eigentlich bräuchte der Glamour-Grand Prix gar keine zusätzliche Würze. Wenn Formel 1-Renner mit 250 km/h durch den Leitplanken-Dschungel jagen, ist Spektakel von alleine garantiert. Für zusätzliche Spannung sorgen auch die engen Abstände an der Spitze der WM-Wertung. Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen und Fernando Alonso sind nur durch 17 Punkte getrennt. Jeder Fehler kann im Titelkampf am Ende entscheidend sein.

Die Strecke: Circuit de Monaco

Der GP Monaco ist ein Sonderfall im Grand Prix-Kalender. Das Urgestein unter den Rennen ist gefährlich und eng. Überholen ist fast unmöglich. Jeder Ausrutscher wird hart bestraft. Beim Thema Sicherheit muss die FIA jedes Jahr beide Augen zudrücken. Auslaufzonen sind Mangelware. Bei Kollisionen kommt es regelmäßig zum spektakulären Ping Pong zwischen den Leitplanken.

Das Qualifying ist mangels Überholmöglichkeiten im Fürstentum traditionell besonders wichtig. Weil es auf der schnellen Tunnel-Passage zu gefährlich ist, kommt das DRS nur auf der Zielgeraden zum Einsatz. Allerdings erwies sich die künstliche Überholhilfe in den vergangenen Jahren als ziemlich ineffektiv. Positionswechsel im Rennen sind fast nur durch Stategie möglich. Deshalb ist eine gute Runde im Qualifying hier so wichtig wie nirgends sonst im Kalender.

Fast Facts:

Streckenlänge: 3,340 Kilometer
Anzahl Runden: 78
Anzahl Kurven: 19
Rundenrekord: 1:14.439 Min. (M. Schumacher 2004)
Durchschnittsgeschwindigkeit: 153 km/h
Höchste Querbeschleunigung: 3,5 g (für 3 Sekunden in Kurve 3)
Längste Vollgaspassage (Tunnel): 500 Meter
Anteil der Bremsphasen an der Rundenzeit: 20 Prozent
Anteil der Geraden an einer Runde: 45 Prozent
Anzahl der Gangwechsel pro Runde: 62
Vollgasanteil auf einer Runde: 34 Prozent
Geringste Geschwindigkeit: 50 km/h (Kurve 6)
Höchste Kurvengeschwindigkeit: 269 km/h (Kurve 2)
Distanz von der Startlinie bis zur ersten Kurve: 150 Meter
Top-Speed: 279 km/h
Spritverbrauch: 1,50 Kilo/Runde (64 Liter/100 km)
Zeitverlust pro 10 Kilo Zusatzgewicht: 0,29 Sekunden

Setup:

Monaco ist die Strecke mit den geringsten Durchschnittsgeschwindigkeiten, den engsten Kurven und den meisten Lenkbewegungen. Top-Speed zählt hier wenig. Wer den meisten Abtrieb und die beste Traktion besitzt, kommt am schnellsten über die 3,340 Kilometer lange Runde. Beim Anbremsen zeigen die Autos traditionell die Tendenz zum Untersteuern, was die Ingenieure durch viel Abtrieb an der Front auszugleichen versuchen.

Die vielen Bodenwellen auf den öffentlichen Straßen im Fürstentum verlangen auch dem Fahrwerk alles ab. Mehr Bodenfreiheit und eine weichere Abstimmung helfen nicht nur dabei die Schläge abzufedern, es ist auch nützlich für eine gute Traktion aus den vielen langsamen Ecken. In puncto mechanischer Grip helfen auch die weichen Reifen der Marken soft und supersoft. Im Vorjahr gewann Mark Webber mit nur einem Stopp. Niemand weiß, wie sich die 2013er Gummis auf dem Stadtkurs verhalten.

Technische Updates für den GP Monaco:

Die Ingenieure lassen für das langsame Stadtrennen nicht einfach nur die Flügel steiler stellen. Oft bringen die Teams komplett neue Monaco-Pakete, die speziell für das Rennen im Fürstentum entwickelt wurden. Force India probierte bei einem Aero-Test vergangene Woche im britischen Duxford einen neuen High-Downforce Heckflügel. Auch Lotus hat bereits angekündigt, neue Flügel – nicht nur hinten sondern auch vorne – sowie einen neuen Unterboden mitzubringen.

Gespannt darf man sein, was sich Mercedes überlegt hat, um die Reifenprobleme im Rennen zu lösen. In Barcelona hatte man es mit einer neuen Bremsbelüftung und einer veränderten Achsgeometrie versucht. In Monaco will man weiter nachlegen, um den Verschleiß auf der Hinterachse zu bändigen. Bei McLaren soll endlich der neue Frontflügel zum Einsatz kommen, der in Barcelona nicht rechtzeitig für die technische Abnahme fertig wurde und deshalb wieder in die Kiste wanderte.

Die Favoriten:

In Monaco erwarten wir wieder ein spannendes Lotterie-Spiel im Kampf um den Rennsieg. Auf dem Papier sehen Mercedes und Red Bull besonders stark aus. Beide Autos fahren mit einer großen Anstellung, was nicht nur beim Abtrieb sondern auch in der Traktion hilft. Nach drei Pole Positions in Folge sind die Silberpfeile im Qualifying wieder stark einzuschätzen. Die große Frage lautet: Was passiert im Rennen?

Theoretisch ist Reifenverschleiß auf dem relativ glatten Asphalt von Monaco kein großes Thema. Selbst wenn die Silberpfeile und die Red Bull mit mehr Sprit im Tank etwas an Speed im Vergleich zu Ferrari und Lotus einbüßen, spricht die enge und überholfeindliche Strecke am Mittelmeer gegen große Aufholjagten wie zuletzt in Barcelona. Nico Rosberg kündigte schon an, dass sich ein "D-Zug" an der Spitze bilden könnte, sollten die Verfolger wieder eine bessere Rennpace zeigen.

Im Mittelfeld wird es ebenfalls spannend. Gute Leistungen in Melbourne und Bahrain haben gezeigt, dass Force India in Sachen Traktion besonders stark ist. Arian Sutil ist zudem ein Monaco-Spezialist. Piloten können in den engen Gassen noch mehr einen Unterschied machen als auf anderen Strecken. Mit Pastor Maldonado hat auch Williams einen Stadtkurs-Experten. Ein Fragezeichen gibt es bei Sauber. Enge Kurven mag das Auto von Nico Hülkenberg eigentlich nicht. Mit den weichen Reifen ist der C32 aber immer ordentlich vorangekommen.

Experten-Meinung Paul Hembery (Pirelli-Sportchef):

In Monaco erwarten wir im Schnitt zwei Boxenstopps pro Auto. Im Vergleich zu Barcelona sorgt Monaco nur für einen geringen Verschleiß und Abbau der Reifen. Das hat allerdings nicht zur Folge, dass die Taktik keine Rolle spielt. In der Vergangenheit haben wir gesehen, dass Piloten komplett unterschiedlichen Strategien gewählt haben und am Ende des Rennens doch wieder nah beinander lagen.

Das letzte Rennen in Spanien wurde von weiter hinten in der Startaufstellung gewonnen. Es wird interessant, ob sich dieser Trend auch in Monaco wiederholt – einer Strecke, die für die Überhol-Schwierigkeiten bekannt ist. Deshalb wird die Strategie noch wichtiger als sonst. Teams werden versuchen, mit Hilfe der richtigen Taktik Positionen gutzumachen.

So lief das Rennen im Vorjahr: GP Monaco 2012

2012 sorgte Michael Schumacher mit der schnellsten Runde im Qualifying für einen der letzten großen Paukenschläge seiner Karriere. Eine Strafe wegen einer Kollision im vorangegangenen Rennen warf ihn allerdings von der Pole Position auf Startplatz sechs zurück. Im Rennen war der Altmeister erst in eine Startkollision mit Romain Grosjean verwickelt, später streikte die Benzinpumpe an seinem Mercedes.

Bei Teamkollege Nico Rosberg lief es deutlich besser. Der Wahlmonegasse konnte Pole-Mann Mark Webber 78 Runden lang unter Druck setzen, fand aber bis ins Ziel keinen Weg an ihm vorbei. Sowohl Rosberg als auch Fernando Alonso auf Rang drei fuhren innerhalb einer Sekunde hinter Webbber über die Linie. Sebastian Vettel zeigte, dass man mit einer geschickten Taktik Plätze gutmachen kann. Dank eines langen ersten Stints kämpfte sich der spätere Weltmeister von Startplatz neun bis auf Position vier nach vorne.

In unserer Bildergalerie haben wir noch einmal die Fotos des Rennens aus dem Vorjahr.

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