Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Vorschau GP Singapur 2013

Vettel peilt Singapur-Hattrick an

Sebastian Vettel GP Singapur 2012 Foto: Wolfgang Wilhelm 57 Bilder

Das Flutlichtspektakel von Singapur läutet den Endspurt der Formel 1-Saison 2013 ein. Geht der Höhenflug von Sebastian Vettel in die nächste Runde oder kann die Konkurrenz endlich zum Gegenschlag ausholen. Unsere Vorschau gibt die Antworten.

18.09.2013 Tobias Grüner

Der Blick auf die WM-Tabelle ist für die Vettel-Gegner deprimierend. Der Heppenheimer Dauer-Sieger liegt mit 53 Punkten Vorsprung komfortabel vor seinem ersten Verfolger Fernando Alonso. Selbst bei 2 Ausfällen wäre seine Führung nicht in Gefahr. Und ausgerechnet jetzt kommen auch noch die starken Strecken des Weltmeisters. Singapur, Japan, Korea, Indien - da hatte die Konkurrenz schon im Vorjahr keine Antwort parat.

Beim Nachtrennen in Singapur ist der Champion immer besonders gut aufgelegt. 5 Mal ging er hier an den Start. 5 Mal kam er auch in die Punkte. 5 - 4 - 2 - 1 - 1 lauten die Glückszahlen - wobei das "schlechteste" Resultat 2008 in einem nicht siegfähigen Toro Rosso eingefahren wurde. Insgesamt kommt Vettel auf dem künstlich beleuchteten Stadtkurs auf 77 Punkte. Auf keiner anderen Strecke hat der Red Bull-Pilot mehr Zähler eingefahren. 2013 soll der 3. Sieg in Folge her.

Screenshot Pirelli F1 virtuelle Runde Singapur
Virtuelle Runde über den F1-Kurs in Singapur 2:15 Min.

Was gibt der Konkurrenz noch Hoffnung? Zugegeben, es spricht nicht viel gegen Vettel. Für einen gewissen Unsicherheitsfaktor sorgt die Streckencharakteristik. Zuletzt war die Formel 1 im Mai auf einem Stadtkurs unterwegs. Damals hatte Mercedes das schnellste Auto. Keiner weiß, wie die inzwischen weiterentwickelten Rennwagen mit dem rechtwinkligen Kurs zurechtkommen. Und dann ist da noch das Wetter. Bisher kam die Formel 1 in Singapur noch nie in einen Tropensturm. Die Wahrscheinlichkeit sagt allerdings, dass es bei den täglichen Gewittern irgendwann soweit sein muss.

Die Strecke: Marina Bay Street Circuit

Der 5,073 Kilometer lange Kurs im Stadtteil Marina Bay führt die Piloten zu 70 Prozent über öffentliche Straßen. Entsprechend gering ist der Griplevel auf dem Asphalt. Die regelmäßigen Regengüsse verhindern zudem, dass sich eine klebrige Gummischicht auf der Ideallinie bilden kann. Die vielen Bodenwellen machen den Ritt durch den Leitplankendschungel für die Piloten zur Tortur. Als wären Temperaturen von über 30°C und eine Luftfeuchtigkeit auf Sauna-Niveau nicht schon anstrengend genug.

Viele Stellen zum Ausruhen gibt es auf dem winkligen Stadtkurs mit seinen 23 Kurven nicht. Jeder Fehler kann in der Bande enden. Bei einer Rennzeit von fast zwei Stunden sinkt die Konzentration in den letzten Runden. Viele Fahrer bezeichnen den GP Singapur als das körperlich anstrengendste aller Rennen. Immerhin wurde ein Unfallschwerpunkt in diesem Jahr entschärft. Die ungeliebte Micky-Maus-Schikane (Kurve 10) wurde in eine schnelle Kehre umgewandelt. Die Rundenlänge wurde dadurch um 8 Meter gekürzt. Um das Überholen leichter zu machen, gibt es in diesem Jahr 2 DRS-Zonen: auf der Zielgerade und auf der Vollgaspassage zwischen Kurve 5 und 7.

Fast Facts zum GP Singapur

  • Streckenlänge: 5,065 Kilometer
  • Anzahl Runden: 61
  • Renndistanz: 308,828
  • Top-Speed: 303 km/h
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 162 km/h
  • Höchste Querbeschleunigung: 2,5g (für 3 Sekunden in den Kurven 22/23)
  • Längste Vollgaspassage: 650 Meter
  • Anteil der Bremsphasen an der Rundenzeit: 20 Prozent
  • Anteil der Geraden an einer Runde: 40 Prozent
  • Anzahl der Gangwechsel pro Runde: 81
  • Vollgasanteil auf einer Runde: 37 Prozent
  • Geringste Geschwindigkeit: 65 km/h
  • Höchste Kurvengeschwindigkeit: 300 km/h
  • Distanz von der Pole Position bis zur ersten Kurve: 300
  • Spritverbrauch: 2,2 Kilogramm pro Runde (62 Liter/100 km)
  • Zeitverlust pro 10 Kilo Zusatzgewicht: 0,29 Sekunden

Singapur-Setup:

Die Stop-and-Go-Charakteristik führt in Verbindung mit den hohen Außentemperaturen zu einer hohen Bremsbelastung. Entsprechend groß müssen die Belüftungshutzen dimensioniert sein. Auch die Bremsbalance ist wichtig. Ein stabiles Auto in den Bremszonen bringt Vertrauen und Zehntel auf der Uhr. Die Einstellungen des Flügelwerks ist ebenfalls extrem. Die vielen rechtwinkligen Kurven verlangen maximalen Abtrieb. Obwohl es für einen Stadtkurs ungewöhnlich lange Geraden gibt ist Top-Speed zweitrangig.

Das Fahrwerk muss weich und hoch eingestellt werden, um die Bodenwellen und die Kerbs abzufedern und ein Aufsetzen zu verhindern. Wegen des hohen Spritverbrauchs sind die Autos am Start vollgetankt und sehr schwer. Aus den langsamen Kurven ist eine gute Traktion gefordert. Der Abbau ist vor allem auf den Hinterreifen überdurchschnittlich hoch. Zum Glück sinken die Asphalttemperaturen nach Sonnenuntergang und lindern damit den Reifenverschleiß.

Die Updates:

Nach den beiden Highspeed-Strecken in Spa und Monza werden in Singapur viele Autos mit den letzten größeren Update-Paketen der Saison bestückt. Viele Teams aus dem Mittelfeld haben ihre Arbeit an den aktuellen Rennwagen sogar schon ganz eingestellt. Nur die Top-Teams werden wohl noch solange intensiv weiter optimieren, bis die WM endgültig entschieden ist.

Ferrari, Mercedes und Lotus haben für Singapur bereits größere Umbauten angekündigt. Bei Red Bull hat man natürlich auch immer Update-Teile im Gepäck. Singapur ist immer auch ein guter Gradmesser für den Rest der Saison: Wer hier nicht die Trendwende schafft, kann bei dem eng gestaffelten Übersee-Zeitplan der letzten 6 Rennen kaum noch aufholen.

Favoriten in Singapur:

Warum wir in Singapur nicht gegen Sebastian Vettel wetten würden, haben wir Ihnen ja schon eingangs erklärt. Neben der ausgeprägten Singapur-Stärke kommt noch die aktuelle Top-Form. Vettel hat schon lange keinen entscheidenden Fehler mehr gemacht. Die größte Gefahr für den Hessen lauert in Form von Mercedes. Mit den Siegen in Monaco und Budapest hat der Silberpfeil gezeigt, dass ihm langsame Strecken liegen. Und Lewis Hamilton und Nico Rosberg fühlen sich auf dem Stadtkurs außerordentlich wohl.

Ferrari und Lotus müssen erst noch beweisen, dass ihnen das winklige Streckenlayout liegt. Das war in diesem Jahr nicht immer der Fall. Auch die Hitze und der Reifenverschleiß sind kein großer Vorteil mehr. Mit der Einführung der neuen Pirelli-Generation sind Red Bull und Mercedes ihre Probleme an der Gummifront entgültig losgeworden. Das einzig Gute für die 4 Top-Teams ist, dass von hinten aktuell nicht viel Gefahr droht.

In Monza konnte sich zuletzt kein klarer Verfolger herauskristallisieren. Es ist unwahrscheinlich, dass Nico Hülkenberg in Singapur noch einmal solch eine Überraschung gelingt. Unser Favorit für die letzten Punkteplätze heißt deshalb McLaren. Allerdings konnte auch Toro Rosso zuletzt immer wieder in die Top Ten fahren. Force India und Williams haben dagegen den Rückwärtsgang eingelegt.

Expertenmeinung: Xevi Pujolar (Chefingenieur Williams):

Das Nachtrennen in Singapur ist ein einzigartiges Ereignis, auf das wir uns immer ganz besonders freuen - obwohl es für Auto und Fahrer wohl das anspruchsvollste Rennen des ganzen Jahres ist. Sowohl mental als auch körperlich verlangt es viel Energie. Es ist nicht nur eines der längsten Rennen für die Fahrer, sie müssen auch mit der großen Hitze und Luftfeuchtigkeit zurechtkommen. Und das Layout mit den 23 Kurven bietet kaum eine Verschnaufpause. Obwohl unter Flutlicht gefahren wird, liegen die Temperaturen im Schnitt immer noch bei 30°C, die Luftfeuchtigkeit bei 75%.

Die Strecke wurde dieses Jahr etwas verändert. Die Schikane in Kurve 10 wurde entfernt und durch eine fließende Linkskurve ersetzt. In Singapur verliert man in der Boxengasse so viel Zeit wie nirgends sonst im Kalender. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit einer Safety-Car-Phase sehr hoch. Es gab in den letzten Jahren kein Rennen ohne Safety-Car. Zusammen mit der Schwierigkeit zu Überholen, machen diese Faktoren die Strategie-Planung sehr schwierig. In den vergangenen Jahren gab es hier typischerweise 3-Stopp-Rennen. Mit dem Medium-Reifen als zweiter Mischung (neben Supersoft) ist Pirelli in diesem Jahr allerdings eine Stufe härter gegangen.

Das Rennen im Vorjahr - GP Singapur 2012

Sebastian Vettel startete 2012 in Singapur mit seinem zweiten Saisonsieg die große Aufholjagd in Richtung Titel. Allerdings hatte der Deutsche dabei auch etwas Glück. Polesetter Lewis Hamilton musste nach 23 Runden mit einem Getriebe-Problem kampflos aufgeben. Auch Michael Schumacher sah die Zielflagge nicht. Beim Anbremsen in Kurve 14 krachte der Rekordchampion dem Toro Rosso von Jean-Eric Vergne ins Heck und sorgte damit für die zweite Safety-Car-Phase des Tages.

Vettel ließ sich durch die Neutralisitionen nicht aus der Ruhe bringen. Fehlerfrei fuhr er am Ende mit 8,9 Sekunden vor Jenson Button über die Ziellinie. Fernando Alonso konnte mit Rang 3 Schadensbegrenzung betreiben. Der Spanier lieferte sich zwischendurch ein spannendes Duell mit Pastor Maldonado um den letzten Podiumsplatz. Der Williams-Pilot war überraschend neben Hamilton aus der ersten Reihe gestartet, fiel allerdings in der 36. Runde mit Hydraulikproblemen aus. Davon profitierte unter anderem Paul di Resta, der mit Rang 4 sein bestes Karriere-Resultat einfahren konnte.

In unserer Bildergalerie haben wir noch einmal die Highlights des spektakulären GP Singapur 2012.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden