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Vorschau Grand Prix Brasilien

Behält Button die Nerven in Sao Paulo?

Jenson Button Foto: Daniel Reinhard 53 Bilder

Jenson Button hat es am Sonntag (18.10.) in Sao Paulo selbst in der Hand. Ein dritter Platz würde den Brawn-Piloten zum neuen Weltmeister machen. Gelingt dem Briten der große Coup oder können Rubens Barrichello oder Sebastian Vettel noch einmal kontern?

14.10.2009 Tobias Grüner

Wenn man der Statistik glaubt, wird Jenson Button am Sonntag (18.10.) in Sao Paulo Weltmeister. Es wäre bereits die fünfte Titelentscheidung in Folge in Interlagos. Dabei war der GP Brasilien nicht einmal immer das letzte Rennen der Saison. 2005 sicherte sich Fernando Alonso in Sao Paulo bereits drei Rennen vor Schluss die Meisterschaft. In diesem Jahr findet das Finale in Abu Dhabi statt. Ein dritter Platz würde Button bereits reichen, um als neuer Champion zum letzten Rennen reisen zu können.

Die beiden Konkurrenten Rubens Barrichello und Sebastian Vettel wollen das natürlich mit aller Macht verhindern. Dabei müssen sie allerdings auf einen Fehler des Briten hoffen, der nur noch sechs Punkte benötigt und erstmals in dieser Saison aus eigener Kraft zum Titel fahren kann.

Die Chancen stehen allerdings gar nicht so schlecht, die Entscheidung zumindest zu vertagen. Nur einmal konnte Button in den letzten acht Rennen mehr als vier Zähler sammeln. Die Brasilien-Bilanz des Brawn-Piloten ist ebenfalls nicht überragend. Bei zehn Starts sammelte der Mann aus Somerset insgesamt 16 Punkte. 2006 stand er hier das erste und einzige Mal auf dem Podium. Allerdings ist auch die Heimbilanz von Barrichello nicht sehr ermutigend.

Die Strecke:

Das Autodromo Jose Carlos Pace befindet sich zwölf Kilometer außerhalb von Sao Paulo und stellt Mensch und Maschine vor besondere Herausforderungen. Mit 750 Metern über dem Meeresspiegel liegt keine andere Rennstrecke im Kalender höher als Interlagos. Die Ingenieure müssen das Auto speziell an die Höhe anpassen. Die V8-Saugmotoren verlieren knapp zehn Prozent ihrer Leistung, die Motorelektronik muss neu programmiert werden. Dabei könnten die Piloten auf der langen Bergauf-Geraden über Start und Ziel jedes PS gebrauchen.

Bei einem durchschnittlichen Luftdruck von nur 927 Millibar ist aber auch die Aerodynamik beeinflusst. Durch die geringere Dichte der Atmosphäre produzieren die Flügel bei gleicher Anstellung spürbar weniger Anpressdruck als in der Ebene. Auch die Kühlung der Aggregate ist auf dem Hochplateau nahe der Atlantikküste negativ beeinträchtigt. Dabei müssen die Ingenieure auch die hohe Luftfeuchtigkeit einkalkulieren.

Einmal am Tag wird es zu dieser Jahreszeit sogar komplett feucht. Monsunartige Schauer ergießen sich in Interlagos regelmäßig ohne große Vorwarnung über die Strecke. Schon im Vorjahr goss es wie aus Kübeln, als Lewis Hamilton seinen Titel feierte. Der große Regen verfehlte das Rennen nur um wenige Minuten. Auch in diesem Jahr sind Niederschläge vorausgesagt. Allerdings wechselt der Himmel so schnell seine Farbe, dass längere Prognosen kaum möglich sind.

Die Abstimmung:

Die Strecke in Sao Paulo verlangt einen Kompromiss beim Setup. Auf den beiden langen Geraden gilt es so viel Top-Speed wie möglich zu machen, im langsamen Infield ist Abtrieb gefragt. Mit den 2009er Flügelpaketen sind die Teams noch nie auf der Strecke gefahren. Hier müssen die Piloten am Freitag viel ausprobieren, um die Ideale Stellung zu finden. Auch die Bodenfreiheit ist ein wichtiges Thema. Trotz Bemühungen der Organisatoren, die Strecke zu ebnen, glich der Asphalt an vielen Stellen einer Buckelpiste. Vor allem auf der langen Geraden, auf der sich die Boliden bei hoher Geschwindigkeit selbst in die Federn pressen, setzen die Autos gerne auf.

Interessant wird sein, wie die Autos mit Hybrid-Antrieb (KERS) in Brasilien zurechtkommen. Auf dem langen Bergaufstück Richtung Ziellinie sind die 82 zusätzlichen PS ein großer Vorteil. Vor allem im direkten Zweikampf besitzen die beiden KERS-Teams McLaren und Ferrari eine echte Waffe. Die Frage ist nur, wie schnell sich die Batterien auf dem ansonsten eher flüssigen Kurs mit wenigen harten Bremsmanövern aufladen lassen. "Das dürfte kein Problem sein", gab Mercedes-Sportchef Norbert Haug Entwarnung.

Die Favoriten:

Wie schon in Monza ist auf der Strecke in Interlagos Motorpower gefragt. Wer mehr Leistung hat, kann entweder auf der Geraden schneller fahren oder seine Flügel etwas steiler stellen und die Konkurrenz im engen Infield abhängen. Die Erfahrungen aus den letzten Rennen zeigten, dass die Mercedes-Teams motorenseitig im Vorteil waren. McLaren und Brawn sind deshalb auch in Sao Paulo in der Favoritenrolle - mit dem leichten KERS-Vorteil für die Silberpfeile.

Auch Force India ist nach zwei schwächeren Rennen wieder ein Kandidat für WM-Punkte und könnte das Zünglein an der Waage im Titelkampf spielen. Die Fans von Sebastian Vettel müssen schon auf ein Wunder, Regen oder technische Probleme der Konkurrenz hoffen. Trotz des ambitionierten Entwicklungsprogramms auf der Aerodynamik-Seite scheint der Motoren-Nachteil einfach zu groß zu sein. Auch der Ferrari von Kimi Räikkönen dürfte in Sao Paulo wieder deutlich besser aufgestellt sein als zuletzt und den Red Bull Paroli bieten.

Expertenmeinung: Pascal Vasselon (Toyota Technikchef):

"Vor ein paar Jahren konnte man noch sagen, dass es extrem wellig in Interlagos ist und wir das ganze Wochenende an der Dämpfung gearbeitet haben, um die Schläge abzufedern. Nach der Arbeit an der Strecke in den letzten Jahren ist Interlagos aber nicht welliger als die meisten anderen Strecken, weshalb es kein besonderes Merkmal mehr ist. Was noch übrig blieb, ist ein sehr interessantes Layout, das eine echte Herausforderung darstellt - mit langsamen, mittleren und schnellen Kurven sowie der langen Geraden. Man muss einen Kompromiss zwischen Abtrieb und Luftwiderstand finden, um im Infield gut auszusehen, aber auch um Überholmöglichkeiten am Ende der Start-Ziel-Gerade zu besitzen."

Technik-Updates:

Zwei Rennen vor Saisonende bringt kaum noch ein Team neue Teile an die Strecke. Einige Rennställe wie Renault und Ferrari haben die Arbeit am aktuellen Auto komplett eingestellt, andere, wie Red Bull, Brawn GP oder Williams, bringen immer noch kleine Retuschen. Große Verschiebungen im Kräfteverhältnis sind somit nicht zu erwarten.

So lief das Rennen im Vorjahr:

In einem der dramatischsten Finale der Formel 1-Geschichte ging Lewis Hamilton mit sieben Punkten Vorsprung vor Felipe Massa in die letzten 71 Runden der Saison. Während Massa von der Spitze souverän zum Heimsieg fuhr, machte es Hamilton richtig spannend. Vor allem der Regen, der sich vier Runden vor dem Ende noch einmal meldete, sorgte für ein Chaos-Finale. Als Sebastian Vettel eine Runde vor Schluss am McLaren vorbeiging und Hamilton auf Platz sechs verdrängte, schien der Titel verloren. Zwei Kurven vor dem Ende gelang es dem Silberpfeil dann doch noch, den benötigten fünften Platz zurück zu ergattern. Timo Glock pokerte bei zunehmendem Niederschlag auf Trockenreifen und konnte sich nicht mehr wehren, als der McLaren vorbeiging.

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