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War der Abbruch nötig?: Formel 1-Autos sind wasserscheu

Giedo van der Garde - Caterham - Formel 1 - GP Australien - 16. März 2013

Schon wieder hat Regen den Formel 1-Zeitplan durcheinandergebracht. Die Qualifikation wurde nach der ersten K.O.-Runde abgebrochen. Es stand zu viel Wasser auf der Bahn. Dann kam das Problem der Dunkelheit hinzu. Die Fahrer hätten weder die Pfützen noch die tückischen weißen Linien gesehen.

Moderne Formel 1-Autos und ihre Reifen sind nicht für Regen gebaut. Kaum steht ein bisschen mehr Wasser auf der Straße, ist Feierabend. Die Qualifikation war wegen starken Regens bereits fünf Mal verschoben worden. In 107 Minuten brachte man gerade mal die erste K.O.-Runde über die Bühne.

Selbst da stand es auf Messers Schneide. "Zu Beginn der Qualifikation waren die Bedingungen am Limit. Dann wurde es schnell besser. Die Strecke trocknet hier schnell ab", beschrieb Jenson Button die ersten 20 Minuten des Abschlusstrainings, die er als Achter beendete.

Zwei schwere Regenwellen drohten

Danach herrschte Land unter. Nach zwei Verschiebungen um 20 Minuten entschieden die Sportkommissare um 18.47 Uhr Lokalzeit, dass die Qualifikation nicht mehr angepfiffen wird. Dabei hatte der Regen gerade wieder etwas nachgelassen. "Das Wetterradar kündigte für die nächste halbe Stunde zwei schwere Regenwellen an. Wir wären so voll in die Dunkelheit gekommen", erklärte FIA-Rennleiter Charlie Whiting.

Für Vorwürfe, die Sportkommissare hätten zu große Vorsicht walten lassen, hat Whiting nichts übrig. "In unserem Streckenfahrzeug sitzt ein erfahrener Rennfahrer. Er kann sehr gut einschätzen, was verantwortbar ist und was nicht." Der Mann, der für die Formel 1-Piloten die Strecke inspizierte, heißt Alan van der Merwe.

Aquaplaning, egal bei welchem Speed

Die Fans auf den Tribünen und vor dem Fernsehschirm bringen für die Nöte der Rennfahrer wenig Verständnis auf. Sollen sie halt langsam fahren, lautet der Gegenvorschlag. Jenson Button winkt ab: "Ab einer bestimmten Menge Wasser hast du mit einem modernen Formel 1-Auto Aquaplaning. Egal wie schnell oder langsam du fährst. Es kann sein, dass unsere Kollegen vor 30 Jahren bei solchen Bedingungen gefahren wären, aber damals waren die Autos, die Reifen und das Sicherheitsdenken anders. Ich bin froh, dass ich heute fahre und nicht vor 30 Jahren.“

Nico Hülkenberg erklärt, warum Formel 1-Autos wasserscheu sind: "Die Gischt bei starkem Regen ist einfach mörderisch. Fünf Mal schlimmer als mit einem Pkw. Du siehst nichts, einfach nichts. Ab einer bestimmten Menge Wasser auf der Straße reicht das Profil der Regenreifen nicht mehr aus, das Wasser zu verdrängen. Wir sind mit viel weniger Profil unterwegs als Straßenautos." Je dunkler es wurde, umso schwerer hätten die Fahrer die Bäche erkannt, die über die Strecke laufen. Und die weißen Linien, die glatt wie Eis waren. Button warnt: "Wenn du so einen Bach zu spät siehst, ist es schon zu spät."

In Kurve 10 nur Passagier

Melbourne ist ein Straßenkurs. Da kommt das Problem mit den Verkehrslinien hinzu. Die Unfälle von Felipe Massa, Esteban Gutierrez, Charles Pic und Giedo van der Garde hatten nichts mit Aquaplaning zu tun. Sie trafen einfach einen der lackierten Streifen auf der Fahrbahn. "Ich bin in Kurve 12 mit dem linken Hinterreifen auf eine der Linien gekommen, und schon ging mir das Heck weg. Dabei hatte ich nicht mal den Randstein berührt", berichtete Gutierrez.

Teamkollege Hülkenberg bestätigte: "Kurve 12 war wirklich schlimm. Am Eingang musstest du über zwei oder drei dieser Linien drüber. Du bist nur herumgeeiert." Die schlimmste Passage aber war die schnelle Schikane. Hülkenberg: "In Kurve 10 habe ich alles zusammenkneifen müssen. Da warst du nur Passagier. Du hast nie gewusst, ob es gutgeht."

Rutschfester Speziallack zu teuer

Normalerweise werden diese Linien mit einem rutschfesten Speziallack namens Samoline bestrichen. Das Produkt kommt aus San Marino und ist sündhaft teuer. Ein Eimer davon kostet mehrere 1.000 Dollar. Den Australiern war das zu teuer. Vermutlich ist es wegen der strengen Einfuhrbestimmung auch zu kompliziert, das Material aus Europa einzufliegen. Melbourne verwendetet seinen eigenen Schutzlack.

Nach Meinung der Piloten verdient der nicht das Prädikat rutschfest. Whiting widerspricht: "Das Problem lag nicht am Lack, sondern am Gummiabrieb vom Vortag. Der blieb auf der angerauten Linie hängen. In Verbindung mit Wasser wurde das rutschig." Mika Häkkinen konnte die Klagen der Fahrer nicht ganz verstehen. "Als Fahrer solltest du dir die kritischen Stellen eigentlich merken können und dort entsprechend vorsichtig fahren."

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Michael Schmidt

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