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Warnung der F1-Überholkommission

Diffusor führt zu "Ground-Effect-Autos"

Brawn GP Foto: Wolfgang Wilhelm 55 Bilder

Wenige Tage vor der FIA-Verhandlung (14.4.) zur Legalität der umstrittenen Doppelstock-Diffusoren äußert die Formel 1-Überholkommission Sicherheitsbedenken und prognostiziert weniger Überholmanöver.

11.04.2009 Michael Schmidt

Im Diffusorstreit meldet sich die Überholkommission, kurz OWG (Overtaking Working Group), zu Wort. Rory Byrne (Ferrari), Paddy Lowe (McLaren) und Pat Symonds (Renault) fürchten, dass die Bestätigung der Urteile der Sportkommissare in Melbourne und Sepang ungeahnte Folgen für die Formel 1 haben wird.

Demnach wären mehrlagige Diffusoren in der 500 Millimeter-Zone rund um die Fahrzeugmitte erlaubt. "Wenn man das Prinzip dieser Diffusoren zu Ende denkt, werden wir wieder echte "Ground-Effect-Autos" bekommen", fürchtet Rory Byrne. Mit all ihren Folgen: rasanter Anstieg der Kurvengeschwindigkeiten und Probleme beim Fahren im Pulk.

Die Überholkommission hatte sich zwei Ziele gesetzt. Die 2009er F1-Boliden sollten weniger Turbulenzen produzieren, und sie sollten weniger sensibel auf die Turbulenzen eines vorausfahrenden Autos reagieren.

Diffusor-Abtrieb sollte reduziert werden

Nach vielen CFD-Simulationen und Windkanalversuchen kamen Byrne, Lowe und Symonds zu folgendem Ergebnis. Erstens: Höhere und schmalere Heckflügel. Damit strahlt das Hauptblatt des Flügel weniger verwirbelte Luft nach hinten ab. Eine genormte Mittelsektion des Frontflügels, die leichten Auftrieb erzeugt. Damit reagiert das Auto weniger auf Turbulenzen des Vordermannes. Drittens: Beschränkung des Diffusors durch Rückversetzung um 330 Millimeter und eine Höhenbegrenzung auf 175 Millimeter. Damit sollte der Beitrag des Unterbodens zum Gesamtabtrieb gesenkt werden.
 
Mit Einführung der doppelstöckigen Diffusoren sieht die OWG ihre Ziele torpediert. Ein konventioneller Diffusor nach dem 2009er Reglement trägt laut Byrne etwa 15 Prozent zum totalen Anpressdruck bei. Den Beitrag der Versionen von Brawn GP, Toyota und Williams schätzt der Südafrikaner auf 40 Prozent. Damit wären fast schon wieder die Vorjahreswerte erreicht.

Beginn einer gefährlichen Entwicklung

Doch das sei erst der Beginn einer gefährlichen Entwicklung, so Byrne. Toyota habe bereits eine dritte Ebene in den Diffusor eingezogen. "Theoretisch kann man beliebig viele Ebenen einziehen oder die Diffusoren immer früher beginnen lassen und damit immer höhere Abtriebswerte erzielen." Der frühere Ferrari-Chefdesigner schätzt den Zeitgewinn der umstrittenen Konstruktionen jetzt bereits auf eine Sekunde pro Runde.
 
Schlimmer noch, fügt Byrne hinzu, es werde wieder schwieriger, anderen Autos zu folgen. "Es geht gar nicht so darum, ob sich die Turbulenzen durch die neuen Unterböden vergrößern. Wer aber mit solchen Diffusoren operiert, der tut sich selbst schwerer, hinter einem anderen Auto herzufahren." Grund: Der doppelstöckige Diffusor braucht eine optimale Anströmung um zu funktionieren. "Wenn alle Autos mit diesen Diffusoren ausgerüstet sind, wird es mit dem Überholen wieder schwieriger werden."
 
Wenn die FIA den Diffusor-Trick legalisiert, wird unter dem Auto ein neues, kostspieliges Wettrüsten einsetzen, so Byrne. "Wir werden extreme Hinterradaufhängungen erleben, nur um die Eintrittslöcher in den Diffusor immer weiter vorne beginnen zu lassen. Ich sehe schon Hinterachs-Konstruktionen wie in den 60er Jahren vor mir, mit weit nach vorne reichenden Längslenkern. Das würde Platz für die Diffusorkanäle schaffen."

Legal oder illegal?

Nach Ansicht der OWG verletzen die Doppel-Diffusoren nicht nur den Geist des Reglements. Sie seien auch nach dem Buchstaben des Gesetzes nicht legal. "Hier wird mit Worten gespielt, eine Ebene in drei aufgeteilt, nur um damit Löcher in der Vertikalen zwischen Unterboden und Referenzebene anzubringen. Das Reglement erlaubt aber keine voll umrandeten Löcher in dem vertikalen Übergang. Es spricht sogar von durchgehenden, nicht unterteilten Flächen im Unterboden", behauptet Byrne.
 
Der Ingenieur im Teilzeitruhestand nennt ein vergleichbares Beispiel. "2001 wurden am Williams in Imola Löcher im Unterboden entdeckt. Williams musste diese Löcher nach Einspruch der technischen Delegierten der FIA schließen. warum gilt heute nicht mehr, was damals galt?"

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Eine detaillierte Diffusor-Analyse mit schematischen Unterboden-Zeichnungen finden Sie in der aktuellen Ausgabe von auto motor und sport, Heft 09, das ab dem 09. April 2009 im Handel ist.

Weitere Motorsport-Themen in Heft 09/2009:

- F1: Analyse GP Malaysia
- F1: Die Vorzüge von KERS
- F1: Die Hamilton-Lügenaffäre
- F1: Radio Fahrerlager-News
- Kundensport: Das Programm von BMW

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