Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Warten auf Alonso

McLaren lässt seine Fahrer zappeln

Fernando Alonso & Sergio Perez - F1 2013 Foto: xpb 94 Bilder

Die Bestätigungen für die Fahrerwahl von McLaren-Mercedes für 2014 ist überfällig. Jenson Button ist fix, doch der Stuhl von Sergio Perez wackelt. McLaren schiebt die Bekanntgabe der Fahrer weiter auf. Das hat einen Grund. Woking wartet auf Fernando Alonso.

18.10.2013 Michael Schmidt

Eigentlich sollte die Schonfrist für Sergio Perez mit dem GP Japan ablaufen. Der ehemalige Sauber-Pilot konnte sich in Suzuka wegen unglücklicher Umstände mit Platz 15 nicht für ein weiteres Jahr bei McLaren empfehlen. Martin Whitmarsh scheint keine Eile zu haben, seine Fahrer für 2014 bekanntzugeben. "Das kann noch eine Weile dauern. Wir haben keine Hast."

Das schürt die Spekulationen, dass McLaren weiter auf Fernando Alonso wartet. Whitmarsh macht keinen Hehl daraus, dass Alonso ein Fahrer ist, den er auf dem Radar hat. "Wer würde ihn nicht gerne haben, wenn er frei wäre? Er ist wahrscheinlich der beste Fahrer der Welt."

Kurz vor dem Start zum GP Japan outete sich der McLaren-Chef erneut als Alonso-Fan: "Ich gehe davon aus, dass Fernando aufs Podium fährt. Das würde ich mich sonst bei keinem zu sagen trauen, der in Suzuka vom achten Platz startet."

McLaren setzt darauf, dass Alonso spätestens 2015 frei ist

Die ständigen Avancen und die Weigerung, Jenson Button und Sergio Perez offiziell zu bestätigen, deuten darauf hin, wer in Woking Wunschkandidat ist. Button hat nach internen Informationen seinen Vertrag verlängert. Das kann McLaren aber nicht kommunizieren, weil sonst klar wäre, dass Perez auf dem Prüfstand steht. Nicht für Felipe Massa, nicht für Nico Hülkenberg. Die sind auf einer Liste, aber nur als Plan B oder C.
 
Hochrangige McLaren-Mitarbeiter geben zu, wie man in Woking denkt: "Früher oder später wird Fernando Ferrari verlassen." Später heißt 2015. Dann, wenn Honda bei McLaren andockt. Whitmarsh hatte schon in Singapur prophezeit, dass die Ehe zwischen Alonso und Kimi Räikkönen nicht lange Bestand hat.

Ferrari-Ärger über McLarens Alonso-Kampagne

Bei Ferrari ärgert man sich über die offen zur Schau getragenen Liebesbekundungen aus England, weil sie die Spekulationen nur noch weiter anheizen. Erst kürzlich berichtete eine spanische Internetseite, dass der Vertrag zwischen McLaren und Alonso für 2015 bereits gezeichnet sei. Woher man das erfahren haben will, wird nicht gesagt. Die Website hat keine Reporter vor Ort.

Ferrari-Rennleiter Stefano Domenicali bezeichnet Meldungen wie diese als "den ganz normalen Wahnsinn", auf den man nicht viel geben sollte. Und doch hinterlassen sie Spuren. Weil man Alonsos Kommentare zwischen den Zeilen lesen kann. "Für mich hört sich das an, als wäre da nicht alles im Lot. Und als ob da einer den Abgang plant", räumt auch Ex-Pilot und Szenekenner Martin Brundle ein.

Harmonische Ehe sieht anders aus

Ein Abgang durch die Hintertür? Alonso hat einen Vertrag bis 2016. Wird der WM-Zweite direkt darauf angesprochen, dann antwortet er genervt: "Einen Tag fahre ich für Red Bull, einen für Lotus, einen für McLaren. Ich kann erzählen, was ich will, die Leute machen ihre eigenen Geschichten daraus. Ich kann nur sagen, dass ich einen Vertrag mit Ferrari habe und happy bin."

Und trotzdem: Eingeweihte behaupten, Santander würde seiner Galionsfigur jeden Gefallen tun und sie notfalls freikaufen. Und eine harmonische Ehe sieht anders aus. Die einen munkeln, dass Alonso dem neuen Motor für 2014 nicht viel zutraut, die anderen, dass er seinen Beitrag zum Erfolg zu wenig gewürdigt fühlt. Sollte es je eine Krise im Binnenklima gegeben haben, dann ist sie laut Domenicali längst ausgestanden.

Alonso setzt weiter Nadelstiche

Trotzdem setzt Alonso weiter kleine Nadelstiche. Zwei Kostproben gefällig? Alonso wiederholt gebetsmühlenartig: "Es ist ein Wunder, dass ich mit diesem Auto noch auf Platz zwei der Weltmeisterschaft liege." Man könnte das auch so übersetzen: Das Auto ist nur Mittelmaß, der Fahrer ein Überflieger.

Oder: "Pirellis Rückkehr zu den letztjährigen Reifenkonstruktionen war für unsere Gegner ein Geschenk, für uns eine Strafe. Es liegt aber an uns, unser Auto an diese Reifen anzupassen." Mit anderen Worten: Red Bull, Mercedes und Lotus, ja sogar Sauber machen einen besseren Job.
 
Alonso hat zwar Recht, aber für Äußerungen wie diese, hatte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo seinen Starpiloten im August öffentlich gerügt. Ferraris Capo wird sich nicht darüber freuen, er sie plötzlich wieder unter die Nase gerieben bekommt.

Subtiler Plan von Alonso?

Irgendwie spürt man die Nervosität, die den Ferrari-Pavillon befallen hat. Eigentlich hat man Sorgen genug. Das neue Auto, der neue Motor. Und dann noch der Stress mit dem Starpiloten. Dass Ferrari in Suzuka Stallregie zugunsten des Teamkapitäns ausgerufen hat, zeigt, dass man keinen Fehler machen will.

Auch Alonso nicht. Er stellt auffällig oft das Team in den Vordergrund und nicht sich selbst. Es gehe jetzt nicht um seinen Vize-Titel hinter Sebastian Vettel, sondern um Platz zwei für Ferrari. "Das Team hat diesen Platz verdient."

Alonso ist Stratege. Wenn wirklich ein Plan dahintersteckt, dann verfolgt er ihn so subtil, wie er im Cockpit seine Rennen plant. Die goldene Gelegenheit zum Ausbruch kann ja noch kommen. Bei McLaren läuft derzeit nichts davon.

Alte Differenzen werden begraben

Wenn Alonso wirklich zu McLaren zurückkehren würde, müssten beide Parteien Ballast über Bord werfen. Der Spanier hatte McLaren 2007 aus Wut über eine vermeintliche Bevorzugung von Lewis Hamilton in der Spionage-Affäre bei der FIA verpfiffen. Das kostete den Rennstall 100 Millionen Dollar.

Dann würde es heißen: Schwamm drüber. Erfolg geht vor. Die Reizfigur Ron Dennis spielt keine Rolle mehr im Team. Alonso ist ein rücksichtsloser Egoist, aber ein exzellenter Rennfahrer. Nichts anderes zählt. "Mehrfache Weltmeister sind doch alle so", wehrt Whitmarsh ab.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden