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Warten auf Concorde Abkommen

Die 25 Millionen-Dollar Frage

Bernie Ecclestone & Jean Todt 2012 Foto: xpb 41 Bilder

Es gibt immer noch kein Concorde Abkommen. Experten glauben, dass der Grundsatzvertrag nicht vor der nächste Wahl des FIA-Präsidenten im Dezember unterschrieben werden wird. Bernie Ecclestone und Jean Todt pokern um 25 Millionen Dollar, die von den Rechteinhabern in die FIA-Kasse fließen sollen.

20.04.2013 Michael Schmidt

Der rechtsfreie Zustand hält an. Es gibt kein Concorde Abkommen in der Formel 1. So wie zwischen Anfang 2008 und Mitte 2009. FIA-Präsident Jean Todt schiebt die Schuld auf Bernie Ecclestone. Von seiner Seite aus sei alles klar. Bernie Ecclestone gibt den Ball weiter an die Anwälte, die zu lange brauchen, die neuen Verträge zu Papier zu bringen.

Das Versteckspiel geht jetzt schon seit einem halben Jahr so. Insider glauben, dass es sich noch bis zur Wahl des neuen FIA-Präsidenten im Dezember hinziehen könnte. Ecclestone will die Position von Todt nicht unnötig stärken, und er selbst will sich vor Heckenschützen im eigenen Lager schützen. Je mehr Konfusion, umso besser für ihn. Das würde den Status Quo fortsetzen. Es kennt sich nur einer aus, und das ist Bernie. So hält er alle Fäden in der Hand.

Todt will Einnahmen für die FIA verdoppeln

Bernie Ecclestone hat offenbar kein großes Interesse daran, das Grundgesetz der Formel 1 auf den Weg zu bringen. Der wichtigste Teil, das so genannte "Financial Agreement" ist ohnehin geregelt. Also die Auszahlung der Einnahmen an die Teams. Was noch fehlt, ist die Einbindung des Weltverbandes in den Vertrag. Dabei geht es um den Regelfindungsprozess und auch um die künftige Apanage der Teams und der Inhaber der kommerziellen Rechte an die FIA. Die sollen sich nach Wunsch von Todt fast verdoppeln.

Von 21 auf 40 Millionen Dollar. 15 Millionen steuern die Teams bei, 25 Millionen die Rechteinhaber. Die Teams haben bezahlt. Einige mit Murren fünf Minuten vor Zwölf. Ecclestone sperrt die Auszahlung. Sein Argument: Es gibt kein Concorde Abkommen, also auch kein Geld. Aus dem gleichen Grund forderte Red Bull seine 3,26 Millionen Dollar Einlage zurück. Da können sie lange warten.

Todt will Ecclestone nicht verärgern

Ecclestone weiß, dass Todt scharf auf das Geld ist. Und wenn die Summe einmal im Concorde Abkommen festgeschrieben ist, muss er sie die nächsten sieben Jahre immer wieder bezahlen. Unabhängig davon, wie hoch die Erträge für die Rechteinhaber sind. Wie wichtig dem FIA-Präsidenten der erhöhte Beitrag ist, zeigt sich daran, dass er im Augenblick nichts tut, was Ecclestone verärgern könnte.

Dabei hätte er freie Hand. Im augenblicklichen Zustand könnte die FIA die Regeln unter Umgehung der Formel 1-Kommission jederzeit ändern. Vorschläge müssten nur vom FIA-Weltrat abgesegnet werden. Zum Beispiel könnte Todt die dringend notwendige Budgetdeckelung auch ohne Einstimmigkeit bei den Teams durchdrücken. Zur Enttäuschung vieler kleiner Teams will sich die FIA aber aus jeglicher Kostenkontrolle heraushalten. Dabei gibt es hier dringend Handlungsbedarf. Fünf der elf Teams steht das Wasser bis zum Hals. Einige werden spätestens dann kollabieren, wenn sie die Rechnungen für die nächstjährigen Turbomotoren auf den Tisch bekommen.

Geldvermehrung als Stimmenfang

Todt lässt die goldene Gelegenheit verstreichen, dringend notwendige Reformen durchzudrücken. Er setzt auf Harmonie statt auf Konfrontation. Eine Budgetdeckelung könnte Red Bull verärgern, die ihm die Rallye-WM vermarkten, und sie könnte von Ecclestone als ein Schritt zu weit in sein Territorium aufgefasst werden. Todt will damit nicht das neue Abgabensystem an die FIA gefährden. Ecclestone weiß das. Deshalb lässt er seinen Gegenspieler zappeln.

Doch wenn Ecclestone glaubt, er könne so Todts Chancen bei der anstehenden Wahl zum FIA-Präsidenten unterminieren, könnte er sich täuschen. Bis jetzt hat sich keinen ernsthafter Gegenkandidat gemeldet. Bis Oktober ist noch Zeit. Im Dezember wird gewählt. Todt braucht also die wunderbare Geldvermehrung für den Verband nicht, um für sich auf Stimmenfang zu gehen.

Welche Rolle spielt der Börsengang?

Offenbar unternimmt Rechteinhaber CVC eine zweiten Anlauf, die Formel 1 an die Börse zu bringen. Dazu braucht es aber ein Concorde Abkommen, weil erst das die elf Teams bis 2020 an die Formel 1 bindet. Bis jetzt erwies sich der GP-Sport als unverkäuflich. Keiner ist bereit, am Stück acht Milliarden Dollar für die Roadshow zu bezahlen, seit sich herumgesprochen hat, dass es der Hälfte der Teams finanziell nicht mehr so gut geht, seit die Goldgräberstimmung bei den Veranstaltern verebbt ist, was in Zukunft geringere Einnahmen erwarten lässt, und seit die Angst umgeht, die Königsklasse könnte mit den neuen Motoren zum Flop werden.

Ob Bernie Ecclestone einen Börsengang gut findet, steht auf einem anderen Blatt. Offiziell muss er ihn gut finden. Doch Bernie kennt die Fallstricke, die der Gang auf den Kapitalmarkt mit sich bringt. Das Unternehmen muss transparent werden, und es reden zu viele Leute mit. Das geht gegen Ecclestones Geschäftsprinzipien. Im Fahrerlager haben deshalb nicht wenige den Verdacht, dass die Verzögerungen beim Concorde Abkommen einen Börsengang erschweren werden sollen.

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