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Warum war Ferrari so stark?

Das Vettel-Geheimnis von Singapur

Sebastian Vettel - GP Singapur 2015 Foto: Ferrari 54 Bilder

Ferrari hatte in Singapur das schnellste Auto im Feld. Das überraschte, weil sich diese starke Form auf ähnlichen Strecken vorher nicht abzeichnete. Ferrari profitierte von einigen Upgrades, der Mercedes-Schwäche und dem Vettel-Faktor.

22.09.2015 Michael Schmidt

Warum war Mercedes in Singapur so langsam? Keine Antwort. Warum war Ferrari so schnell? Drei Antworten. Ferrari hat sein Auto für diesen Typ Strecke fit gemacht. Mercedes war ausnahmsweise kein Gegner. Und Sebastian Vettel ist in Singapur eine Klasse für sich.

Weder das Reifenangebot, noch der Streckentyp favorisierten Ferrari. Auf dem Stadtkurs von Monte Carlo dominierte Mercedes. Und das Stop-and-Go von Montreal, das wie Singapur gute Bremsstabilität und Traktion verlangt, war ebenfalls Silberpfeil-Territorium. Bei beiden Rennen kamen wie in Singapur Soft- und Supersoft-Reifen zum Einsatz. Ferrari hatte damit auch keinen Reifenvorteil.

Doch der Ferrari SF15-T hat seitdem eine Verwandlung durchgemacht. Seit Monza liefert der Motor deutlich mehr Power. Das Auto funktioniert besser mit einer starken Anstellung nach hinten. Red Bull stand da Pate. In die Bodenplatte vor den Hinterrädern sind neuerdings neun Schlitze gestanzt. Sie produzieren Luftwirbel, die den Diffusor seitlich abdichten. Je stärker der Strahl, umso höher kann man mit der Hinterachse gehen. Das gibt Traktion und Abtrieb. Insider meinen, Ferrari hätte auch die Vorderachse merklich verbessert.

Nur Red Bull konnte Ferrari herausfordern. Doch der Trumpf des geringeren Reifenverschleißes stach nicht. Zwei Mal verhinderte das Safety-Car den Versuch, Vettel mit dem früheren Reifenwechsel auszutricksen. Der vierfache Singapur-Sieger nutzte geschickt seinen Speed-Vorteil, um genug Vorsprung auf Daniel Ricciardo herauszufahren, bis die Hinterreifen anfingen in die Knie zu gehen.

Wären die Stints bis zum bitteren Ende gegangen, hätte Ferrari vermutlich den "Undercut" probiert - also einen vorgezogenen Reifenwechsel. Auch auf die Gefahr hin, dass der letzte Stint besonders lang wird. Doch auf der härteren Reifenmischung war Ferrari beim Reifenverschleiß nicht so verwundbar wie bei der Supersoft-Mischung.

Das Geheimnis der Aufwärmrunde

Vettels Pole Position war von einer anderen Welt. Der WM-Dritte legte 0,543 Sekunden zwischen sich und Ricciardo. Teamkollege Kimi Räikkönen fing sich mit 0,782 Sekunden Rückstand eine schmerzhafte Ohrfeige ein. Da macht dann auch der dritte Startplatz keinen Spaß mehr. Vettel ist in Singapur eine Bank. Weil er den Dreh raus hat, die Reifen für die 104 Sekunden lange Runde richtig aufzuwärmen. Das war schon zu Red Bull-Zeiten so.

Der Schlüssel liegt darin, die Vorderreifen so aufzuwärmen, dass sie schon im ersten Streckensektor richtig zubeißen. Die Hinterreifen müssen dabei aber so gestreichelt werden, dass sie in den letzten Kurven nicht überhitzen. Bei 23 Kurven auf 5.065 Meter bekommen sie nie eine Verschnaufpause. Ricciardo war der einzige, der Vettel im letzten Streckensektor Paroli bieten konnte. Doch der Australier verlor 4 Zehntel auf den ersten 28 Sekunden. Red Bull-Teamchef Christian Horner schob es auf die lange Gerade im ersten Sektor: "Auf den Geraden haben wir eine halbe Sekunde auf die Mercedes und Ferrari verloren."

Vettels 3 Spezialkurven von Singapur

Interessant sind die GPS-Analysen von Mercedes und Red Bull. Sie verraten, dass Vettel seine Zeit hauptsächlich in den Kurven 7, 13 und 21 gewinnt. Die Passagen haben alle eines gemeinsam: Man braucht Vertrauen in sein Auto. Der Einlenkpunkt in Kurve 7 ist extrem wellig. "Vettel wirft das Auto in die Kurve und steht schon am Scheitelpunkt auf dem Gas. Unsere Fahrer haben sich durch diese Kurve durchgezittert", erzählte ein Mercedes-Mann nach dem Studium der Bordkamera. Nico Hülkenberg bestätigt: "Wenn du die Kurve gut erwischst, kannst du massiv Zeit gutmachen."

Auch in der Bremszone zur Haarnadel hinter der Anderson-Brücke lauern Bodenwellen. Sie liegt zudem in einem Rechtsknick. Wer aus der Haarnadel gut rauskommt, profitiert auf der langen Geraden über die Esplanade-Brücke. Experten sagen: "Vettel fährt hier eine andere Linie."

In Kurve 21 schließlich gewinnt, wer sich so weit wie möglich an die Mauer hinaustragen lässt. Vettel schien sie jedes Mal zu streifen. "Ich hatte ein wunderbares Auto, auf das ich mich voll verlassen konnte", schwärmte Ferraris neuer Glücksbringer. Horner erinnert sich: "Seb hat schon in seiner Zeit bei uns seine Teamkollegen in diesen Kurven abgehängt."

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