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Warum war Mercedes so schnell?

Eine Sekunde besser als der Rest

Lewis Hamilton - Mercedes - GP England 2016 - Freitag Foto: xpb 49 Bilder

Mercedes zerstört die Konkurrenz. Red Bull lag eine Sekunde zurück, Ferrari eineinhalb. Eine erste Startreihe in Silber ist keine Überraschung. Der Vorsüprung schon. Wir verraten ihnen, warum er so groß ist.

09.07.2016 Michael Schmidt 1 Kommentar

Lewis Hamilton sprengte alle Rekorde. Seine Pole Position-Runde von 1.29,287 Minuten unterbot den alten Bestwert auf der 5,891 Kilometer-Variante von Silverstone aus dem Jahr 2013 um 0,320 Sekunden. Auch gehalten von Hamilton. Der Weltmeister geriet über den Slalom in den Becketts-Kurven ins Schwärmen: „Das ist wie bei einem Pingpong-Spiel. Ich habe alle Kurven voll getroffen.“

Die Konkurrenz hatte weniger Spaß. Nico Rosberg fehlten 0,319 Sekunden auf die Trainingsbestzeit. Er räumte ein, dass der Teamkollege schneller war, doch unter normalen Bedingungen nicht mit diesem Vorsprung: „Ich musste in meiner schnellsten Runde in Becketts an den zwei Ferrari vorbei. Das hat mich Zeit gekostet.“

Eine Frage der Effizienz

Für die Konkurrenz kam es ganz dick. Red Bull verlor auf die Bestzeit 1,026 Sekunden. Und das auf einer Strecke, die für die blauen Autos maßgeschneidert scheint. Der Anteil des Motors im Vergleich zur Aerodynamik beträgt 50 Prozent. Zwischen den schnellen und den langsamen Kurven ist ein guter Kompromiss gefragt. Und trotzdem sahen die RB12 gegen den Silberpfeil kein Land.

Ferrari erwischte es noch schlimmer. Kimi Räikkönen im schnelleren der beiden Ferrari verlor 1,594 Sekunden auf Hamilton. Vielleicht wäre die Differenz etwas geringer ausgefallen, hätte Sebastian Vettel eine optimale Runde erwischt. Doch unter eine Sekunde hätte auch Vettel den Abstand nicht drücken können.

Warum also waren die Mercedes gerade in Silverstone so stark? Niki Lauda bringt es auf einen simplen Nenner: „Weil bei uns alles passt. Power, Abtrieb, Reifennutzung.“ Das ist uns zu simpel. Wir fragen bei den Ingenieuren nach. Die klären auf: „Unser Chassis produziert den Abtrieb, den wir in Silverstone brauchen, mit verhältnismäßig wenig Luftwiderstand. Die Red Bull sind in bestimmten Kurven genauso schnell wie wir. Aber sie sind nicht so effizient. Sie bezahlen dafür auf den Geraden.“

Red Bull verliert auf Geraden

Die Topspeeds belegen die These. Nico Rosberg flog mit 329,1 km/h über die Hangar-Gerade, Lewis Hamilton mit 328,3 km/h. Und Red Bull? Max Verstappen schaffte nur 322,3 km/h, Daniel Ricciardo 320,0 km/h. Bei Ferrari ist der Fall umgekehrt. Die roten Autos liegen mit 328,0 km/h Topspeed im Bereich der Mercedes. Aber sie verhungern in den Kurven.

Vettel unterstreicht das: „Wir verlieren in allen drei Sektoren ungefähr gleich. Wir können mit den Finger nicht auf einen bestimmten Punkt zeigen.“ Dazu noch einmal die Mercedes-Ingenieure: „Unser Auto gewinnt auch bei den schnellen Richtungswechseln. Das Trägheitsmoment ist geringer als bei den anderen Autos. Das heißt: Tiefer Schwerpunkt, Konzentration der Massen an der richtigen Stelle, perfekte Gewichtsverteilung.“

Es gibt kein Zittern beim Start

Hamilton und Rosberg hätte nur ein Defekt, ein Unfall oder eine Strafe aus der ersten Startreihe verdrängen können. Die kleinen Störfeuer prallten an den Mercedes-Fahrern ab. Hamilton wurde die erste Q3-Runde gestrichen, weil er in Copse Corner mit allen vier Rädern neben die Streckenbegrenzung gefahren war. Ihm blieb nur noch ein Versuch. Der Titelverteidiger löste die Fahrkarte souverän ein. „Ich mag es, wenn ich unter Druck abliefern muss.“ In diesem Fall hielt sich der Druck in Grenzen. „Ich wusste, dass ich gegenüber Nico drei Zehntel in der Tasche hatte.“

Rosberg musste eineinhalb Stunden nach der Qualifikation bei den Sportkommissaren vorsprechen. Er hatte in einer Abkühlrunde zwischen Boxenausfahrt und Boxenausfahrt so stark gebummelt, dass er die geforderte Mindestzeit von 145 Prozent im Vergleich zu einer normalen Trainingsrunde überschritt. Das ist verboten, aber nur in der Runde an die Box zurück. Da Rosberg weiterfuhr, erwies sich der Alarm als Sturm im Wasserglas.

Das erste Rennen unter den neuen Benimm-Regeln wird nach Ansicht von Lauda keine Zitterpartie an der Boxenmauer: „Es wurden so klare Worte gesprochen, dass sich da nix abspielen wird. Beide wissen, dass sie gegeneinander, aber nicht zusammenfahren dürfen. Wer Weltmeister werden will, braucht Punkte. Das haben unsere Fahrer jetzt im Kopf drin.“ Hält das auch in den hektischen Startszenen, die vorher nicht planbar sind? Lauda rückt sein Kapperl zurecht: „Es gibt auch die Option, vom Gas zu gehen. Ich verliere lieber ein oder zwei Plätze als von der Strecke zu fliegen.“ Teamchef Toto Wolff konnte die Frage nach dem Konsequenzen schon nicht mehr hören. „Da ist alles besprochen.“ Gibt es eine Entscheidung auf den ersten 300 Metern? Antwort: „Bitte nicht.“

Beim Start sieht Rosberg die vielleicht beste Chance, die Reihenfolge umzudrehen. „Auf der Zielgeraden gibt es ganz wenig Grip. Das haben wir schon letztes Jahr gesehen. Dazu starten wir hier mit den relativ harten Soft-Reifen. Üblicherweise tun wir das mit Ultrasoft oder Supersoft. Genug Möglichkeiten, den Start zu versemmeln. Wir wissen, dass der Start nicht die Stärke von Lewis ist.“ Später wird es schwierig. Überholen ist in Silverstone ein Kunststück. Rosberg: „Da müssten schon beim anderen Auto die Reifen stark abbauen.“

Neuester Kommentar

Aber büßt RB nicht auch auf Grund des schwächeren Renault-Motors auf der Geraden ein paar km/h ein?

Vielleicht muss Mercedes auch keine Kompromisse bei der Fahrzeugabstimmung eingehen...

lio007 9. Juli 2016, 21:50 Uhr
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