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Was ist mit Lotus los?

Mit Absicht auf Sparflamme

Lotus - GP Belgien 2015 Foto: xpb 27 Bilder

Als die Zielflagge zum GP Belgien fiel, jubelte Lotus über den dritten Platz von Romain Grosjean. 2 Stunden später standen Gerichtsvollzieher in der Lotus-Garage. Renault will Lotus kaufen, doch das Team scheint finanziell am Ende. Wie passt das zusammen? Wir klären auf.

01.09.2015 Michael Schmidt

Es war das erste Podium für Lotus und Romain Grosjean seit dem GP USA 2013. Der dritte Rang des Franzosen hat Lotus auf Platz 5 der Konstrukteurs-WM gebracht mit einem Punkt Vorsprung auf Force India. Und doch hatte die Rückkehr in den Kreis der Großen einen bitteren Beigeschmack.

Zwei Stunden nach dem Rennen standen Gerichtsvollzieher und die Polizei in der Garage von Lotus. Offenbar mit einem Titel, Autos und Transporter zu beschlagnahmen. Angeblich gibt es offene Rechnungen mit dem früheren Testfahrer Charles Pic und Toyota, denen die Transporter gehören.

Drei Tage nach dem Rennen konnte Lotus Spa endlich verlassen. Es hieß, dass die Probleme auf gutem Wege einer Lösung seien, und dass Lotus zuversichtlich ist, in Monza anzutreten. Einen offiziellen Kommentar vom Team gab es dazu noch nicht. Angeblich wurden die ausstehenden Zahlungen von privater Hand getätigt.

Nur 3 Getriebe für eine Saison

Es ist nicht das erste Mal, dass Lotus mit unbezahlten Rechnungen in Verbindung gebracht wurde. Vor ein paar Wochen klagte X-Trac vor einem Londoner Gericht Geld ein. In Spa überschlugen sich die Hiobsbotschaften. Angeblich wurden die Mechaniker am Bahnhof in Brüssel damit konfrontiert, dass die bestellten Mietwagen nicht bezahlt worden waren.

Die letzten Gehälter konnten offenbar auch nur überwiesen werden, weil Bernie Ecclestone wieder einmal einen Vorschuss auf künftige Zahlungen gewährte. Dem Fahrerlagerfunk zufolge ist X-Trac nicht der einzige Lieferant, der auf Geld wartet. Pirelli lieferte in Ungarn die Reifen erst 50 Minuten vor dem ersten Training an. Die zweite Charge des 2,3 Millionen Euro teuren Reifenservice war offenbar in Verzug. Mercedes stundete eine Motorenrate, um das Team am Leben zu halten.

Die Upgrades kommen nicht mehr in der gleich hohen Frequenz wir früher. Vom neuen Frontflügel gab es nur ein Exemplar, das für Romain Grosjean reserviert war, nach einem kurzen Test am Freitagmorgen dann aber doch nicht zum Einsatz kam.

Das Team hat für die gesamte Saison nur 3 Getriebe. Schäden werden repariert. Neue Einheiten sind nicht im Budget. Einer der beiden Fahrer muss das Renngetriebe schon am Freitag fahren. Was wegen der hohen Belastung häufig zu Defekten führt. Und in Spa prompt passierte. Allerdings aus einem Grund, der nichts mit der Laufzeit zu tun hatte. Ein Stromausfall sorgte dafür, dass 2 Gänge auf einmal eingelegt wurden.

Lotus wartet auf Renault

Gleichzeitig verhandelt Renault gerade mit Lotus darüber, zwischen 65 und 70 Prozent des Rennstalls zu übernehmen. Der bisherige Hauptaktionär Gérard Lopez will zwischen 20 und 30 Prozent behalten. Auch Alain Prost bekommt möglicherweise Anteile. Bis zum GP Italien soll eine Kaufoption gezeichnet werden.

Bis alle Arbeits- und Lieferverträge auf die neuen Besitzer umgeschrieben werden, kann noch einmal ein Monat vergehen. Viele fragen: Warum will Renault ein Team kaufen, das scheinbar pleite ist? Die Antwort darauf: Die eine Geschichte hat mit der anderen zu tun.

Lotus kocht absichtlich auf Sparflamme. Das Team kann in der Übergangsphase bis der erwarteten Übernahme nicht nach Gutdünken Gläubiger befriedigen, weil dann die Gefahr besteht, dass diejenigen klagen, die ihr Geld nicht bekommen. Die jetzigen Besitzer wollen wiederum kein eigenes Geld mehr in den Rennstall stecken, der schon bald zu großen Teilen einem anderen gehört.

Wenn der Autokonzern das Team übernimmt, kommt frisches Geld in die Kasse. Und dann ist auch eine Perspektive da. Dazu kommt, dass momentan tatsächlich Ebbe in der Kasse herrscht, weil Pastor Maldonados Sponsor eine für August anstehende Zahlung zurückhält. PDVSA will warten, bis die Zukunft ihres Schützlings geklärt ist.

Maldonado-Zukunft hängt an Renault

Solange Renault nicht unterschrieben hat, kann Lotus seine Fahrerverträge nicht verlängern. Weil das dann Sache von Renault ist. Die Maldonado-Partei fürchtet, dass der Sieger des GP Spanien 2012 wegen des Sponsorkonflikts zwischen Total und PDVSA dann möglicherweise sein Cockpit verliert. Was aber noch gar nicht sicher ist.

Gut möglich, dass es mit Maldonado noch ein Jahr weitergeht. Und was passiert, wenn der Deal mit Renault in letzter Sekunde doch noch platzt? Dann wird Maldonado umgehend bestätigt, und die Ölquelle aus Venezuela würde wieder sprudeln.

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