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GP China 2011 Rennanalyse

Was Sie noch nicht übers Rennen wussten

Zieldruchfahrt Hamilton Formel 1 GP China 2011 Foto: xpb 32 Bilder

Der GP China war ein Knüller, aber schwer zu durchschauen. In unserer Rennanalyse klären wir die offenen Fragen. Zum Beispiel: Ist Mercedes ein Siegkandidat? Brennt bei Ferrari jetzt der Baum? Wie viel Glück hatte Lewis Hamilton?

17.04.2011 Michael Schmidt

War die Zweistopp-Strategie ein Fehlgriff?

Sebastian Vettel, Fernando Alonso, Felipe Massa, Vitaly Petrov, Nick Heidfeld, Paul di Resta, Rubens Barrichello, Kamui Kobayashi, Sergio Perez, Timo Glock, Jerome d‘Ambrosio, Jarno Trulli und Heikki Kovalainen setzten auf eine Zweistopp-Strategie. Wenn wir die Einstopper von Hispania mal außer Acht lassen, dann setzte der Rest auf drei Reifenwechsel.

Von den Zweistoppern profitierten am Ende nur Kobayashi und Petrov. Der Sauber-Pilot sprang von Platz 13 auf zehn, Petrov von zehn auf neun. Für Vettel, die Ferrari-Fahrer, Heidfeld und di Resta lohnte sich die Zweistopp-Strategie nicht. Der Trainingsschnellste Vettel wurde Zweiter. Massa und Alonso kamen als Sechster und Siebter ins Ziel unmd verloren je einen Rang. Di Resta fiel aus den Punkterängen und Heidfeld kam nicht hinein.

Die Zweistopper sparten sich zwar 22 Sekunden Standzeit in der Box, aber sie ließen mehr Zeit auf der Strecke liegen. Vettel, weil er seinen letzten Reifensatz 25 Runden lang über die Distanz retten musste. Die Ferrari-Fahrer, weil sie überrascht wurden, wie stark der zweite Reifensatz abbaute. Heidfeld, weil er immer wieder im Verkehr steckenblieb und KERS wieder mal Ärger machte.

Di Resta gab dem ersten Turn die Schuld, der mit elf Runden für eine Zweistoppstrategie ziemlich mager ausfiel. "Wir haben am Freitag zu wenig Tests mit vollen Tanks abgespult und uns im Abbau der Reifen mit viel Gewicht verschätzt." Kobayashi gewann drei Positionen. "Es wäre noch besser gewesen, wäre Kamui nicht dauernd im Verkehr gesteckt", beklagte sich Teammanager Beat Zehnder. "Er hätte die meiste Zeit des Rennens ein höheres Tempo fahren können." Was wieder mal zeigt, dass der Sauber das Reifen schonendste Fahrzeug im Rennen ist.

Wieviel Glück hatte Sieger Hamilton?

Es ging um Sekunden. Lewis Hamilton passierte die Boxenausfahrt 15 Sekunden bevor die Ampel auf Rot sprang. Ein Start aus der Boxengasse hätte sein Rennen zerstört. Als McLaren den Sprit in das Auto mit der Nummer drei füllte, streikte das Entlüftungsventil. Ein Teil des Benzins sammelte sich im Ansaugtrakt. Unter den Bedingungen springt kein Motor an. "Beim Anlassen wurde immer neuer Spreit nachgefüttert und machte alles noch viel schlimmer", erzählte Teamchef Martin Whitmarsh.

Die McLaren-Monteure mussten den Luftsammler trockenlegen und das Entlüftungsventil freimachen. Dafür hatten sie genau sechs Minuten Zeit. Eine Minute vor Schließung der Boxengasse sprang der Motor an. 15 Sekunden vor dem Rotlicht ging Hamilton auf die Strecke. Es blieb keine Zeit mehr, die komplette Motorabdeckung anzubringen. Das wurde erst am Startplatz erledigt. Hamiltons Sieg hing am seidenen Faden. Auch später. Hamilton riskierte viel beim Überholen. Schon am Start hatte er Radkontakt mit Vettel. Später boxte er sich ohne Rücksicht auf Verluste gegen Button und Vettel durch.

Ist der Mercedes schon ein Siegkandidat?

Nico Rosberg führte 14 Runden, doch man darf sich nicht täuschen lassen. Ein Siegkandidat sind die Silberpfeile noch nicht. Sie erreichten bestenfalls Normalform. Rosberg wurde 13 Runden vor Schluss angewiesen, Sprit zu sparen. Mercedes verschätzte sich beim Renntempo. Das war viel höher als man am Freitag bei den Dauerläufen schaffte. Deshalb wurde das Benzin knapp. Der Laie mag denken: Ein Anfängerfehler. Wieso füllt man nicht mehr Benzin in einen Tank, der groß genug ist?

Formel 1-Teams kalkulieren am Limit. Jedes Gramm, das man beim Start zuviel mitnimmt, kostet Rundenzeit. Als in Runde 43 der Funkspruch kam, musste Rosberg vom Gas. Zu behaupten, er hätte bei weiterhin voller Fahrt gewonnen, ist ein bisschen gewagt. Zu dem Zeitpunkt lagen Vettel, Massa und Hamilton bereits vor Rosberg. Und Button hatte nur 0,9 Sekunden Rückstand. Die Serie der letzten Boxenstopps war für die Spitzenreiter bereits abgeschlossen. Rosberg durfte vom Podest träumen, mehr aber auch nicht.

Brennt bei Ferrari jetzt der Baum?

Ferrari landete auf den Plätzen sechs und sieben. Aus Sicht von Präsident Luca di Montezemolo also im Nirgendwo. Den Capo werden auch die drei Führungsrunden von Felipe Massa und die zwei von Fernando Alonso nicht mit dem Resultat versöhnen. Er wird seine Männer von der Front fragen: Warum haben wir nicht von unserem Reifen schonenden Auto profitiert?

Das lag an einer Fehleinschätzung. Ferrari fühlte sich stark genug für ein Zweistopprennen. Solange Massa und Alonso auf weichen Reifen unterwegs waren, ging der Plan auch auf. "Wir waren so schnell wie die Spitze", betonte Technikchef Aldo Costa. Das änderte sich auf den harten Gummis. Dass die Ferrari lange brauchen, um den Reifentyp "hart" in sein Arbeitsfenster zu bringen, ist kein Geheimnis. Dass er aber exorbitant schnell abbaut, war nach den Erfahrungen mit dem weichen Reifen eine böse Überraschung. "Der Fehler lag bei uns, nicht bei den Reifen", gibt Costa zu. "Hamilton hatte einen super Turn mit den harten Reifen."

Im Finale standen Alonso und Massa mit den Rücken zur Wand. Alonso schob die enttäuschende Platzierung darauf, nach dem ersten Boxenstopp zuviel Zeit hinter Schumacher verloren zu haben. Nach der Kollision mit Hamilton in Malaysia ging er eine Spur vorsichtiger zu Werke. Massa rätselt immer noch: "Wir waren so schnell wie Vettel, hatten die gleiche Taktik und sind trotzdem vier Plätze dahinter." Bei Ferrari ist jetzt Feuer am Dach. Die Chefs und die Presse rufen nach Besserung. Alonso, Massa und die Techniker mahnen, nicht in Panik zu verfallen. Alle wissen, dass Ferrari Abtrieb finden muss. Wenn der Schlüssel bis zum GP Türkei nicht gefunden wird, droht das Pulverfass zu explodieren.

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