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Was will Red Bull?

Red Bull kann gar nicht aussteigen

Red Bull - Formel 1 - GP Australien - Melbourne - 14. März 2015 Foto: ams 71 Bilder

Die leise Ausstiegs-Drohung von Red Bull-Berater Helmut Marko hat in der Szene viel Staub aufgewirbelt. Tatsache ist: Red Bull kann gar nicht so einfach aussteigen. Es sei denn, man findet einen Käufer.

20.03.2015 Michael Schmidt

Es war ein Wink mit dem Zaunpfahl. Red Bull-Berater Helmut Marko ließ nach dem GP Australien die Bombe platzen: "Wir sind unzufrieden damit, wie die Formel 1 regiert und geführt wird. Deshalb wird bei uns auch über ein Ausstiegs-Szenario nachgedacht, wenn die Kosten/Nutzenrechnung nicht mehr aufgeht." Soll heißen: Unsere Geduld ist endlich.

Red Bull will die Formel 1-Rechte

Es war nicht das Wochenende von Red Bull. Mercedes dominiert weiter, Daniel Ricciardo wurde überrundet Sechster, und Renault tritt mit der Motorenentwicklung auf der Stelle. Da sind im Lager der ehemaligen Seriensieger ein paar Sicherungen durchgebrannt. Doch Red Bulls Drohung nur darauf zu beschränken, dass man nicht mehr gewinnt, wäre oberflächlich. Da geht es um mehr.

Der Salzburger Getränke-Gigant fürchtet, dass sich die Formel 1 immer mehr von den Fans entfernt. Dass sie zum Technologie-Wettbewerb verkommt und den Unterhaltungswert vergisst. Dass es nicht mehr laut sein und nach Benzin riechen darf. Dass Motorsport nicht mehr ein Rad- an Radkampf ist, sondern ein überkontrollierter Autokorso. Und dass der Sport nicht mehr die Jungen erreicht, weil er schlecht vermarktet wird.

Es ist inzwischen ein offenes Geheimnis, dass Red Bull gerne als Promoter der Formel 1 auftreten und die Rolle von CVC im Pool der Rechteinhaber übernehmen würde. Um dann Motorsport so zu verkaufen, wie ihn sich Dietrich Mateschitz vorstellt. Eine kleinen Vorgeschmack darauf hat man bereits beim Comeback des GP Österreich bekommen.

Red Bull zündelt fleißig

CVC nimmt nach Ansicht vieler den Sport nur aus. Man beleiht die Formel 1, um sich mit frischem Geld andere, noch lukrativere Geschäfte leisten zu können. Weil die Anleihen schnell refinanziert werden müssen, versucht Chefbroker Bernie Ecclestone alles zu Geld zu machen, was sich zu Geld machen lässt. Deshalb hat er am Internet und den sozialen Medien kein Interesse. Weil da seine Auftraggeber zu lange auf Gewinne warten müssten.

Im Augenblick verlangt CVC noch zu viel Geld für seine 35 Prozent-Beteiligung. Doch die Zeit spielt für Red Bull. Je mehr Hiobsbotschaften der Sport zu bieten hat, umso weiter drückt das den Preis. Und erhöht den Druck zu verkaufen, bevor alles zusammenbricht. Red Bull zündelt fleißig mit. In dem Zusammenhang bekommt die Ausstiegsdrohung eine ganz neue Bedeutung.

Toro Rosso an Renault. Doch wer kauft Red Bull?

Wenn Red Bull zum Serien-Promoter wird, müsste die Limonadefirma seine beiden Teams abstoßen. Keiner im Feld würde akzeptieren, dass der Hauptaktionär der Meisterschaft nebenbei noch Teilnehmer ist. CVC weiß natürlich auch, dass Red Bull nicht so einfach aussteigen kann. Wie Mercedes, Ferrari, Williams und McLaren hat sich Red Bull vertraglich bei den Rechteinhabern bis 2020 verpflichtet. Dafür bekommen diese fünf Privilegierten exorbitante Sonderzahlungen.

Red Bull müsste also verkaufen. Der Abnehmer für Toro Rosso liegt auf der Hand. Renault will wieder einen Werksrennstall. Deshalb laufen derzeit Verhandlungen zwischen Salzburg, Paris und Faenza. Red Bull ist schwerer verkäuflich. Das Team beschäftigt rund 700 Angestellte und hat eine technische Ausstattung vom Feinsten zu bieten. Das bezahlt man nicht so einfach aus der Portokasse.

Der Plan, das Team an Audi abzutreten, ist vorläufig gescheitert. Audi selbst hat ein Formel 1-Projekt in einer Studie positiv bewertet. Aber Firmenpatriarch Ferdinand Piëch senkte einmal mehr den Daumen nach unten. Die Lösung mit dem VW-Konzern muss aber noch nicht gestorben sein. Viel hängt davon ab, welche Weichen die Formel 1 jetzt für die Zukunft stellt. Mateschitz müsste nicht einmal weit fahren, um mit Piëch zu sprechen. Der Autopapst wohnt bei Salzburg.

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