Nächstes Rennen: 26. Mai 2013
GP Monaco

Wasserträger für Vettel und Alonso: Massa der bessere Helfer

Mark Webber GP Brasilien 2012

Nach dem GP Brasilien kam Kritik an Mark Webber auf. Der Australier hat Sebastian Vettel mehr behindert als geholfen, hieß es bei Red Bull. Felipe Massa dagegen spielte den perfekten Wasserträger. Fernando Alonso wäre ohne Massa in Brasilien nicht auf Platz zwei gefahren.

Für Mark Webber war der Fall klar. "Solange ich noch selbst theoretische Chancen auf den Titel habe, fahre ich mein eigenes Rennen." Das war bis zum GP Abu Dhabi der Fall. Dort fiel der Australier durch seinen Ausfall und den gleichzeitigen dritten Platz von Sebastian Vettel endgültig aus dem Titelrennen. Bei Felipe Massa lag der Fall anders. Der Brasilianer spielte vom ersten Tag an den Helfer seines Herrn. Das Problem war nur, dass Massa erst in den letzten Rennen in der Lage war, Teamkapitän Fernando Alonso zu helfen.

Für Webber ist das Thema Schützenhilfe für den Teamkollegen ein Trauma. Er verbindet damit die Herabstufung zur Nummer zwei. Da kommen Erinnerungen hoch an die Frontflügel-Episode von Silverstone 2010, als er nach seinem Sieg provozierend am Funk sagte: "Nicht schlecht für eine Nummer zwei." Seitdem fährt Webber seine Antennen in Richtung Stallregie aus. Schon beim geringsten Verdacht, Red Bull könnte ihn als Wasserträger für Vettel missbrauchen, sieht der Australier Rot. Als Webber 2011 in Silverstone Jagd auf Vettel machte, kam am Funk die Aufforderung den Deutschen nicht mehr anzugreifen. Webber hörte einfach weg. In dieser Saison lag Webber in der WM zeitweise vor Vettel. Als es in Spa und Monza zum Zweikampf kam, machte es Webber seinem Teamkollegen nicht leicht, aber er vermied dennoch jede Feindberührung. Immer im Ohr die Ansage des Teams: Istanbul 2010 darf sich nicht wiederholen. Damals waren die beiden Red Bull-Piloten kollidiert.

Webber überhört Stallregie

In Abu Dhabi 2012 wurde Webber zum ersten Mal über Funk aufgefordert, Vettel bei seiner Aufholjagd Platz zu machen. Weil Webber stur auf seiner Linie blieb, holte man ihn zum Reifenwechsel an die Box. Beim Finale in Interlagos war die Ansage eigentlich klar. Webber fährt für Vettel. Als der WM-Sechste vor dem Rennen gefragt wurde, wie er Vettel helfen könne, zeigte er wenig Kooperationsbereitschaft: "Ich konzentriere mich auf mich selbst und versuche das bestmögliche Rennen abzuliefern. Es könnte schwierige Bedingungen geben, und ich werde versuchen so schnell wie möglich die Ziellinie zu erreichen."

Webber und Vettel kamen sich gleich nach dem Start in die Quere. "Mark hat mich beim Start nach innen gedrängt. Ich musste in den ersten Gang runter, und alle sind außen an mir vorbei", erzählte Vettel. Teamberater Helmut Marko kritisierte, dass Webber hier bereits Vettels Titelmission gefährdet habe. In diesem Fall kann man Vettels Helfer wider Willen den geringsten Vorwurf machen. Im Kampfgetümmel beim Start muss jeder auf sich selbst schauen. Von außen kam Felipe Massa angeflogen. Der Brasilianer war schon auf gleicher Höhe. Webber musste nach innen flüchten. Wenn Webber mit Massa kollidiert, besteht die Gefahr, dass er auch Vettel mitreißt.

Auch beim Re-Start nach der ersten SafetyCar-Phase tauchte Webber mit Kamui Kobayashi im Schlepptau plötzlich wieder an Vettels Seite auf, weil der angehende Weltmeister nach der Kollision mit Bruno Senna auf der Geraden Topspeed verlor. Die Situation roch schwerr nach Crash. Webber verdrückte sich in letzter Sekunde durch den Notausgang. Als später ein Platztausch anstand, hörte der Australier eine ganze Runde lang weg. "Wir haben Herrn Webber instruiert, aber er konnte einen gewissen Knopf im Auto nicht finden", ärgerte sich Marko, ohne genau zu sagen, was er damit meinte.

Felipe Massa war der bessere Wasserträger. In Korea blieb der Brasilianer auf Befehl des Teams in Alonsos Windschatten. Beim GP USA musste Massa fünf Startplätze Strafversetzung wegen eines gebrochenen Getriebesiegels schlucken, um Alonso einen Startplatz auf der sauberen Seite zu schenken. Später störte er geschickt Kimi Räikkönens und Jenson Buttons Kreise. Beide waren potenzielle Gegner für Alonso.

Massa schluckt und gehorcht

Beim Heimrennen von Massa verlangte Ferrari fast zu viel von seinem Brasilianer. Zu Beginn der zweiten Runde blockierte Massa auf der Zielgeraden Webber die Spur, damit Alonso vorbei konnte. Er musste eine taktische Fehlentscheidung schlucken, als ihn Ferrari in der ersten Regenphase viel zu spät auf Intermediates umrüstete, nur die Reifenwahl vier Runden später wieder zu korrigieren. Dann spielte er perfekt den Manndecker. Massa schirmte seinen Chefpiloten gegen die von hinten nahenden Vettel und Kobayashi ab. In zweiten Regenabschnitt schenkte auf Befehl der Box sechs Sekunden Vorsprung auf Alonso her, um dessen Chancen im Titelrennen zu verbessern. "Ohne den Fehler beim Boxenstopp hätte ich gewinnen können", räumte Massa unter Tränen ein.

Für Webber könnte sich die Unnachgiebigkeit bei den nächsten Vertragsverhandlungen für 2014 nachteilig auswirken. Wenn es überhaupt so weit kommt. Marko ist nicht sein Freund, und er kündigte an, dass über die unterlassene Hilfeleistung beim Finale noch zu reden sein würde. Massa müsste bei so viel Selbstaufgabe eigentlich jetzt schon einen Vertrag für 2014 bekommen. Er hat für Ferrari einen dritten Platz in Korea und in den USA und einen möglichen Sieg in Brasilien geopfert. 

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Michael Schmidt

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