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Formel 1: Mark Webber dachte an Kariereende

Zu gut für die Nummer zwei bei Red Bull

Mark Webber beim GP Türkei 2010 Foto: xpb 29 Bilder

Mark Webber hat es Sebastian Vettel beim Überholen in Istanbul schwer gemacht. Webbers harte Fahrweise war auch ein Hilfeschrei. Er fürchtet, als Nummer zwei abgekanzelt zu werden. Bevor seine Siegesserie begann, dachte der Australier offenbar schon ans Aufhören.

03.06.2010 Michael Schmidt

Vor vier Wochen wusste Mark Webber noch nicht, wie es mit seiner Karriere weitergeht. Die ersten vier Rennen schienen das Bild zu bestätigen, das die Szene von dem langen Australier hat. Auf eine Runde superschnell, im Rennen mal auf Weltmeister-, mal auf Mitläuferniveau. "Mark ist ungefähr so schnell wie Sebastian, aber er hat nicht die Konstanz von Vettel", urteilte Teamchef Christian Horner in Shanghai. Auch Webber weiß: Vettel ist für Red Bull die Zukunft, er selbst nur ein schneller Fahrer.

Probleme für Webber zu Saisonbeginn

Der Saisonauftakt in Bahrain verlief für Webber enttäuschend. Ein Fehler in der Qualifikation warf ihn auf Startplatz sechs zurück. Im Rennen kam Platz acht dabei raus. Noch schlimmer sein Heimrennen in Melbourne: Webber wurde dabei viel zu spät an die Box geholt, weil zuerst der Führende Sebastian Vettel abgefertigt wurde. Der späte Wechsel auf Trockenreifen warf Webber ins Feld zurück. Und dort kämpfte er mit seinem Red Bull gegen Windmühlen.

So genial der RB6 in den Kurven liegt, so langsam schleicht er auf den Geraden herum. Webber riskierte viel und verlor bei einer Kollision mit Lewis Hamilton fast alles. Am Ende wurde er als Neunter gewertet. In Malaysia endlich der erste Lichtblick: Pole Position, Platz zwei im Rennen. Aber wieder war Vettel diesen Tick besser, der Weltmeister von Siegern trennt. So urteilte man hinter vorgehaltener Hand im Red Bull-Lager. Shanghai war eine Kopie von Melbourne. Platz zwei im Training, ein früher Rückstand wegen eines verpatzten Boxenstopps, am Ende Rang acht.

Webber dachte offenbar über Karriereende nach

Webber spürte, dass man in ihm bestenfalls die Nummer 1b im Team zusprach. Er ahnte, dass jetzt noch mehr alle Konzentration dem damals 17 Punkte besser platzierten Teamkollegen gelten würde. Und dann war da noch die Frage nach der Zukunft. Immer wieder geisterten Namen wie Kimi Räikkönen oder Felipe Massa als Webber-Ersatz durch die Presse.

Wie auto motor und sport in seiner aktuellen Ausgabe (Heft 13, seit 3. Juni im Handel) berichtet, erzählte der Australier seinen Ex-Chefs von Williams auf dem Flug nach Barcelona, dass er frustriert sei und sogar ein Karriereende in Betracht ziehe, sollte er bei Red Bull keinen weiteren Vertrag bekommen.

Webber-Vertrag nur noch Formsache

Dann löste sich mit zwei Siegen alles in Wohlgefallen auf. Vor dem GP Türkei stand mehr oder weniger fest: Webber bleibt Red Bull treu. Das Gespenst Kimi Räikkönen war verschwunden. Es ging in Istanbul nur noch um Feinschliff, wie sich Red Bull-Berater Helmut Marko ausdrückte. Also ums Geld. Die Vertragslänge ist kein Thema.

"Mark ist happy mit Einjahresverträgen. Er will sich in seinem Alter nicht mehr lange festlegen", erklärte Teamchef Christian Horner. Das passt Red Bull ins Konzept. So bleibt man flexibel, sollte mal einer der Youngster auf Vettels Spuren wandeln und sich für einen Platz im A-Team empfehlen. Der Australier sagte vor dem Türkei-Wochenende zu seiner Zukunft kurz angebunden: "Wenn ich will, kann ich bleiben. Ich glaube, ich habe nach den Siegen in Barcelona und Monte Carlo ganz gute Karten in der Hand."

Webber war der perfekte zweite Mann

Bis zur verhängnisvollen Kollision in Istanbul war Webber der perfekte zweite Mann. Schnell genug, um zur Stelle zu sein, wenn Sebastian Vettel ein Problem hat. Klug genug, um den Kollegen nicht mit politischen Spielchen in Frage zu stellen. Reif genug, die Klasse Vettels anzuerkennen. Der Doppelschlag von Spanien und Monaco hat viel verändert. Auch intern merkte man: Dieser Mann ist viel zu gut für eine Nummer zwei, vielleicht sogar für eine Nummer 1b. Und wenn zwei um etwas kämpfen, das nur einer haben kann, sind Spannungen programmiert.

Webber kann man nicht mehr so einfach zurückpfeifen. Der WM-Spitzenreiter spürte in der entscheidenden Runde des GP Türkei, dass sich da am Kommandostand etwas zusammenbraute. Sein Renningenieur hatte ihn durch einen verschlüsselten Hinweis vorgewarnt. Webber weiß, dass er sich gegen einen Teambefehl nicht wehren kann. Aber er konnte es Vettel wenigstens so schwer wie möglich machen. Sein harter Kurs, stur auf der mittleren Linie zu bleiben, war wie ein Hilferuf. Nach dem Motto: "Klaut mir nicht meine WM-Chance."

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