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Formel 1: Pole Position in Malaysia

Webbers grandioser Reifenpoker

GP Malaysia 2010 Foto: xpb 61 Bilder

Mark Webber steht zum zweiten Mal in seiner Karriere auf der Pole Position. Der Australier pokerte als einziger richtig und ließ Intermediates für das Top Ten-Finale aufziehen. Sein Schicksal, dass der beste Startplatz in Malaysia nicht unbedingt ein Vorteil ist.

03.04.2010 Michael Schmidt

Die Helden der Qualifikation zum GP Malaysia hießen Mark Webber und Ciaron Pilbeam. Der Australier und sein irischer Renningenieur pokerten als einzige richtig in der Wetterlotterie. Pilbeam hatte die Idee mit den Intermediates, und Webber sagte: "Ich mache es."

Webber kurz vor Abbruch des Experiments

Doch schon in der ersten Runde auf der gefluteten Piste verfluchte Webber seine mutige Entscheidung. "Im Scheitelpunkt der zweiten Kurve hätte ich mich fast gedreht. Auch in Kurve drei stand ich quer. Ich hatte unglaublich viel Aquaplaning." Als er seinen Renningenieur fragte, ob es nicht besser sei, den Versuch abzubrechen und zurück auf Extremwetterreifen zu wechseln, bekam er zur Antwort: "Jetzt musst du bei deiner Entscheidung bleiben."

Wenig später war Webber dankbar: "In der zweiten Runde habe ich gespürt, dass ich doch richtig lag. Aber rückblickend war es eine sauknappe Entscheidung." Von Glück wollte Webber nichts wissen: "Jeder hätte sich so entscheiden können wie ich." Robert Kubica pflichtete bei: "Wenn es nur in zwei Kurven regnet, ist Webber Zehnter und nicht Erster. Er hat es verdient, weil er als einziger den Mut hatte, Intermediates aufziehen zu lassen."

"Wasser muss verdampft sein"

Auch Webbers Teamkollege Sebastian Vettel konnte sich dieser Meinung anschließen. "Ich hätte nie gedacht, dass in nur drei Runden so viel Wasser aus der Piste gefahren wird. Am Anfang war Land unter. Das Wasser muss irgendwie verdampft sein." Als er dann seine Extremwetterreifen warm fuhr, überlegte Webbers Teamkollege dann doch, ob der andere vielleicht doch besser gepokert hatte. "Dann sagt mir mein Renningenieur am Funk, dass Mark mit seinem Ingenieur diskutiert, das Experiment abzubrechen. Da war für mich klar, dass ich besser auf den Regenreifen bleibe."

Webber war von seiner zweiten Pole Position so begeistert, dass er nach der Pressekonferenz auf dem Hosenboden ein Geländer herunterrutschte, dabei soviel Fahrt aufnahm, dass er sich beim Abstützen die Hand aufschlitzte.

Intermediates wurden überall diskutiert

Auch die anderen Fahrer zogen vor Webbers Reifenwahl den Hut. Beide Mercedes-Piloten gaben zu, mit dem gleichen Gedanken gespielt zu haben, aber bei Abwägen aller Risiken dann doch lieber auf Nummer sicher gegangen zu sein. Kamui Kobayashi im Sauber hätte es wagen können, denn viel mehr als ein neunter Platz wäre für den Japaner ohnehin nicht drin gewesen. Auch wenn er die falschen Reifen draufgehabt hätte.

Technikchef Willy Rampf winkte ab. "Wir müssen in so einer Situation machen, was die anderen auch tun." Auch ein Wechsel auf Intermediates gleich nach der Anwärmrunde hätte das Risiko nicht gelohnt: "Wir hätten Kamui sofort reinholen und ihm frische Intermediates geben müssen, bei denen das Profil noch scharfkantig ist. Aber dann hätte er sie schon extrem aggressiv anfahren müssen, um in einer Runde genug Temperatur in die Reifen zu bringen."

Selbst Barrichello lag falsch

Rubens Barrichello hätte man den Reifenpoker noch am ehesten zutrauen können. Der Brasilianer hat schon oft ein feines Näschen für ungewöhnliche Reifenentscheidungen sogar gegen den Rat seines Teams bewiesen. "Und meistens lag Rubens damit richtig", erinnert sich Ross Brawn. Doch diesmal blieb Barrichello konservativ. "Alle im Team waren dagegen. Da wollte ich mich nicht dagegen stellen. Es wäre schon viel Risiko bei dieser Entscheidung gewesen."

Weil er hinter Michael Schumacher aufgehalten wurde, verwarf Barrichello dann auch eine Korrektur seiner Reifenwahl. "Da ging es nur noch darum, eine gute Runde mit den Regenreifen zu schaffen."

Falsche Seite am Start

Webber hat sich mit seinem Mut zum Risiko möglicherweise gar nicht den großen Gefallen getan. Normalerweise liegt der beste Startplatz auf der Rennlinie, die beim Anfahren besseren Grip liefert. Vettel jedoch warnt: "Hier in Malaysia fahren wir lange an der Boxenmauer entlang, bevor wir auf die linke Spur wechseln. Deshalb ist Nico Rosbergs zweiter Startplatz gar nicht so schlecht. Meines Wissens nach haben die Fahrer auf dieser Seite beim Start oft profitiert." Vettel träfe als Dritten in diesem Fall das gleiche Schicksal wie seinen Teamkollegen.

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