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Verspätete Vettel-Gratulanten

Alonso und Webber schieben Frust

Alonso und Webber Foto: xpb 25 Bilder

Mit Sebastian Vetttel wurde der Fahrer mit den zweitschlechtesten Chancen Weltmeister. Während Vettel feierte, ließen Fernando Alonso und Mark Webber die Köpfe hängen. Sie mussten sich den Vorwurf gefallen lassen, schlechte Verlierer zu sein.

15.11.2010 Michael Schmidt

Lewis Hamilton nahm es sportlich. Er sprintete im Parc fermé als Erster zu Sebastian Vettels Red Bull und gratulierte. Der Engländer hatte schon vor dem Finale angekündigt: "Wenn ich den Titel nicht gewinne, werde ich am wenigsten von allen enttäuscht sein." Kunststück, bei 24 Punkten Rückstand. Trotzdem fuhr der Weltmeister von 2008 am Sonntag Sympathiepunkte ein. Weil er sofort zugab: "Vettel hat diesen Titel von uns allen am meisten verdient."

Fernando Alonso schlich sich wie ein geprügelter Hund aus dem Parc fermé. Kein Blick zu den Siegern, kein Händedruck. Stattdessen wetterte er intern lautstark über die taktischen Fehler. Erst nach einiger Abkühlung hatte sich der WM-Favorit Nummer eins wieder gefangen. "Vettel verdient den Titel, weil er das kleine bisschen besser war als wir."

Bei Alonso ging alles schief

Auch in seiner Kritik an der Strategie mäßigte sich der Spanier, nachdem der erste Zorn verraucht war: "Im Nachhinein betracht, mit allen Fakten in der Hand, war sie falsch. Aber es ist hinterher immer einfach, schlauer zu sein." Immerhin, er rügte auch seinen schlechten Start: "Alles ging schief, von Anfang bis Ende."

Dass er Vitaly Petrov nach dem Rennen mit der Faust drohte, war nicht die feine Art. Alonso ist kein guter Verlierer, getreu dem Motto: Zeig mir einen guten Verlierer, und ich zeige dir einen echten Verlierer. Doch bei Petrov richtete sich der Ärger des Ferrari-Piloten an die falsche Adresse. Der Russe hat nur das gemacht, was Alonso an dessen Stelle auch getan hätte.

Brundle: "Schwer Alonso sympathisch zu finden"

Mehr noch. Als Petrov sah, dass sich Alonso bei einem Angriff verbremste, machte er die Tür auf. "Ich wollte nicht schuld sein, dass Alonso den WM-Titel verliert." Hätte Petrov nicht so gut reagiert, wäre die WM-Mission von Alonso in der 23. Runde mit einem abgescherten Frontflügel zu Ende gewesen.

Ferrari-Rennleiter Stefano Domenicali muss seine Aussage möglicherweise noch einmal überdenken: "Ich gratuliere Fernando. Er ist ein außergewöhnlicher Rennfahrer und eine außergewöhnliche Persönlichkeit." Teil eins ist sicher richtig. Am zweiten Teil muss Ferraris Nummer eins noch arbeiten. So urteilt auch Martin Brundle: "Als Rennfahrer ziehe ich vor ihm den Hut. Aber es ist schwer, ihn außerhalb des Cockpits sympathisch zu finden."

Webber verzichtet auf direkte Gratulation

Auch Mark Webber versteckte sich nach der Zieldurchfahrt. Er war der Fünfte im Klassement, doch der erste im Parc fermé. Von dort ging es schnurstracks in den Red Bull-Pavillon, wo er sich in seinem Ruheraum einschloss. Für den Australier brach eine Welt zusammen. Das große Ziel vor Augen, entglitt ihm alles im letzten Rennen.

Webber hat den WM-Titel schon im Training verloren. Von Startplatz fünf konnte ihn nur noch ein Wunder retten. Er hatte auf weniger Abtrieb gesetzt, und das war ein Fehler. Die zwei km/h mehr Top-Speed, das härtere Fahrwerk erkaufte sich Webber mit weniger Reifentemperatur und einem hohen Verschleiß der Hinterreifen. Als er nach dem frühen Boxenstopp im Mittelfeld feststeckte, da war jeglicher Kampfgeist schon gebrochen.

Vettel wird 2011 noch stärker

Man hatte fast den Eindruck, als wollte Webber den vor ihm liegenden Ferrari von Alonso gar nicht angreifen. Dass sein Stallrivale Vettel den Titel holte, hat die Laune nicht gebessert. Webber weiß, was das für 2011 bedeutet. Mit der Weltmeisterschaft im Rücken wird Vettel noch stärker sein.

Der Australier konnte sich für die WM-Feiern im gegnerischen Lager nicht erwärmen. Webber fehlte auf allen Jubelfotos, und er verließ als einer der ersten aus der Red Bull-Truppe die Rennstrecke. Bevor Webber mit Vater, Mutter und Freundin Ann Neal zum Abmarsch blies, gab es für beide Fahrer eine lange Ansprache von Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz. Man kann sich vorstellen, was da auf den Tisch gekommen ist. Die Kollision von Istanbul. Der Frontflügelstreit von Silverstone. Das ständige Gerede über den Nummer-zwei Status. Das gegenseitige Misstrauen, das aus diesem Zwist entstanden ist.

Webber: "Vettel mit gutem Timing"

Webber fand schließlich doch noch wärmende Worte für seinen Teamkollegen: "Ich muss meinen Hut ziehen vor dem, was Seb geleistet hat. Im Gegensatz zu mir hatte er auch das richtige Timing. Er führte die WM nach dem entscheidenden Rennen des Jahres an."

Mateschitz würde gerne mit dieser Fahrerpaarung weitermachen. Auch wenn sie ihm im Verlauf der Saison einige graue Haare beschert hat. Will das auch Webber? In der Pressemitteilung wird er wie folgt zitiert: "Ich habe bis zum letzten Rennen um den Titel gekämpft. Also muss ich irgendetwas richtig gemacht haben. Die meiste Zeit der Saison bin ich gut gefahren. Das ist, was für mich zählt. Ich habe jetzt viel Zeit über die Höhen und Tiefen dieser Saison nachzudenken. Zwei WM-Titel für das Team sind nicht schlecht. Ich werde nächstes Jahr wieder kämpfen."

Webber vergibt beste Chance auf den Titel

Das hört sich nicht gerade nach großem Enthusiasmus an. Der WM-Dritte dachte zu Saisonbeginn schon einmal über Rücktritt nach. Und er wird es wieder tun, wenn er nach der Meisterparty in Salzburg in seine Heimat zurückfliegt. Der Winter ist lang. Dass er die Pirelli-Testfahrten sausen lässt, spricht Bände. Das tut keiner, der 2011 Weltmeister werden will. Und wie Webber schon sagte: "Das war vielleicht nicht meine letzte Chance Weltmeister zu werden, aber sicher meine beste."

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