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Michael Schmidts F1 Blog: Webber wie Reutemann?

Parallelen auf dem Weg zum Beinahe-Titel

Carlos Reutemann Foto: xpb 32 Bilder

Erinnern Sie sich noch an Carlos Reutemann? Der Argentinier fuhr 1981 bis zum großen Finale in Las Vegas mit Nelson Piquet und Jacques Laffite um die Weltmeisterschaft. Reutemann hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 144 Grand Prix in elf Jahren in der Formel 1 abgespult.

14.12.2010 Michael Schmidt

Er war mit 39 Jahren der Älteste der drei Titelaspiranten. Er galt als schnell, aber unbeständig. Dieses Stigma legte er ab, als er 1980 zu Williams kam. In seiner zweiten Saison für den britschen Rennstall kam endlich die große Chance. Die erste echte und vielleicht auch letzte. Der Williams FW07C war das beste Auto im Feld.

Teamduell Reutemann gegen Jones

Williams war damals ein bisschen wie Red Bull. Alan Jones hatte sich schriftlich die Nummer eins-Rolle zusichern lassen. Bei einer Doppelführung musste Reutemann Platz machen, es sei denn Jones läge mehr als sieben Sekunden zurück. 1981 kam es in Brasilien zum Eklat. Die Williams-Piloten lagen in Führung, Reutemann vor Jones. Der Abstand lag in dem Zeitrahmen, in dem Reutemann seinen Stallrivalen vorbei winken lassen musste. Runde um Runde wurde er durch eindeutige Boxensignale daran erinnert. Runde um Runde ignorierte der Mann aus Santa Fé den Befehl. Worauf ihm Alan Jones die Freundschaft kündigte.

Das Schicksal wollte es, dass Reutemann nach zwei Dritteln der Saison 1981 die WM anführte, und Jones eigentlich abgeschlagen war. Was Williams nicht interessierte. Jones bekam weiter Vorzugsbehandlung. Reutemann verlor den Titel in letzter Minute an Nelson Piquet. Und war danach ein gebrochener Mann. Der "Indianer" kehrte zwar 1982 in die Formel 1 zurück, fuhr in Südafrika und Brasilien, wurde noch einmal Zweiter und schickte dann aus heiterem Himmel Frank Williams einen Abschiedsbrief.

Parellelen zu Mark Webber

Warum ich das erzähle? Erinnert Sie diese Geschichte nicht ein bisschen an Mark Webber? Auch der Australier musste lange warten, bis er endlich die Titelchance bekam. 157 Grand Prix, um genau zu sein. Er war mit 34 Jahren der älteste der fünf Titelaspiranten. Auch Webber führte bis zum GP Japan die Weltmeisterschaft an. Auch der vierfache Saisonsieger hatte das Gefühl, nur die Nummer zwei im Team zu sein. Auch er lehnte sich gegen den vermeintlichen Darling im Team, seinen Teamkollegen Sebastian Vettel auf und provozierte beim GP Türkei sogar eine Kollision mit ihm.

Am Ende gewann ein anderer. Aus Webbers Sicht fast noch schlimmer als bei Reutemann: Es war der Teamkollege. Die Körpersprache des WM-Dritten zeigte, wie sehr er unter der Niederlage litt. Und die hatte sich vier Wochen später bei der FIA-Preisverleihung in Monte Carlo kaum geändert. Webber weiß, dass es 2011 noch schwieriger wird, den Titel zu gewinnen. Weil Vettel, mit der Weltmeisterschaft im Rücken, noch stärker sein wird. Rennmüde ist Webber ohnehin. Nach 2011 ist spätestens Schluss, hat er immer wieder betont. Dann will er endlich Zeit für seine Familie und Freunde haben. Endlich das Leben genießen, statt in Askese sich auf die Saison vorzubereiten. Webber hat sich kürzlich in Australien ein Haus gekauft. Er hat bei seinem letzten Ausflug in die Heimat mit seinen Kumpels ein paar mal die Sau rausgelassen. Ungewöhnlich für einen Mann, der rund um die Uhr für diesen Sport lebte und sich keine Laster gönnte.

Es kursieren in der Formel 1-Szene unbestätigte Gerüchte, wonach ihm Red Bull freigestellt habe, gleich aufzuhören. Webber habe abgelehnt. Öffentlich erklärt er, dass er auch 2011 für Red Bull fahren will. Auch wenn er im Moment nicht aussieht, wie einer der sich auf die kommende Saison freut. Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, ob wir Mark Webber im nächsten Jahr in der Formel 1 wiedersehen. Nur so ein persönliches Gefühl. Es könnte durchaus sein, dass er noch den Reutemann macht, wenn die Testsaison einmal losgegangen ist. 

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