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Bahrain oder Barcelona?

Keine Entscheidung im Wintertest-Streit

Ferrari - Pirelli - 2017er Reifentest - Fiorano 2016 Foto: Pirelli 23 Bilder

Wo finden die Wintertestfahrten vor der Saison 2017 statt: In Bahrain oder Barcelona? Auch ein Gespräch mit Pirelli und der FIA brachte keine Antwort auf die Frage. Die beiden Lager, angeführt von Mercedes und Red Bull, stehen sich unversöhnlich gegenüber.

08.10.2016 Michael Schmidt

Der Streit schwelt schon seit Wochen. Die Teams werden sich nicht einig, wo die acht Testtage vor Saisonbeginn 2017 stattfinden sollen. Pirelli will nach Bahrain. Die Teams sind geteilter Meinung. Mercedes drängt auf Bahrain und hat mit Ferrari und McLaren gewichtige Mitstreiter. Red Bull plädiert für Barcelona. Die kleinen Teams auch. Ein Test am Arabischen Golf kostet je nach Kalkulation zwischen 300.000 und 750.000 Euro mehr. Dazu kommen logistische Probleme mit dem Teilenachschub. „Wenn wir nach Bahrain müssen, dann holen wir uns die extra Kosten von Mercedes oder Pirelli“, meinte Red Bull-Berater Helmut Marko grimmig.

Niki Lauda hatte beim GP Malaysia zwar sieben Unterschriften für sein Anliegen gesammelt, doch die sind nichts wert. Force India, Renault und HaasF1 haben nur unter der Bedingung unterzeichnet, dass sie sich den Ort aussuchen können. „Wenn die großen Teams nach Bahrain gehen wollen, dann sollen sie das tun. Wir können dann immer noch entscheiden, ob wir in Barcelona oder Bahrain fahren“, sagt Force India-Teamchef Bob Fernley.

Konstruktion im Labor, Mischung auf der Rennstrecke

Die Regeln erlauben jedoch einen geteilten Test nicht. „Wenn getestet wird, dann nur mit allen zusammen“, zitiert Sauber-Teammanager Beat Zehnder den entsprechenden Passus im Sportgesetz. Weil sich die Teams unversöhnlich gegenüber stehen, gab es vor der Qualifikation zum GP Japan ein Treffen mit Pirelli-Sportchef Paul Hembery, FIA-Rennleiter Charlie Whiting, Vertretern von Mercedes und Red Bull. Nach 45 Minuten Debatte war man so schlau wie vorher. „Keine Entscheidung“, winkte Niki Lauda ab.

Paul Hembery bedauerte: „Die Entscheidung müssen die Teams unter sich ausmachen. Wir haben unseren Standpunkt klargemacht und ihnen gesagt, warum es besser ist, in Bahrain zu testen.“ Pirelli fürchtet nicht nur das größere Regenrisiko in Barcelona. „Bahrain garantiert uns höhere Temperaturen über den gesamten Tag. 20 Grad Unterschied sind für die Aussagekraft wie Tag und Nacht.“

Pirelli stellt klar, dass es bei den Wintertestfahrten nicht mehr um die Frage geht, ob die Reifen die höheren Kräfte aushalten. „Die Konstruktion erproben wir ausschließlich auf unseren Prüfständen im Labor. Die Mischungen kannst du nur auf der Rennstrecke bestimmen. In Bahrain können wir uns besser gegen höhere Temperaturen absichern.“ Sein Kollege Mario Isola ergänzt: „Wenn du in Barcelona bei 10 bis 20 Grad fährst, fängt der linke Vorderreifen an zu körnen. Dadurch werden in Bezug auf die Eigenschaften der unterschiedlichen Gummimischungen die Dinge verdeckt, die wir gerne herausfinden würden.“

Der Einwand, dass Pirelli mit den aufgemotzten Testträgern von Mercedes, Ferrari und Red Bull doch jetzt bereits Mischungen für 2017 entwickelt, lässt Hembery nicht gelten. „Die Daten, die wir mit diesen Testautos erzielen, entsprechen nicht dem, was die Teams simuliert und für 2017 prognostiziert haben.“

Was führen Mercedes und Red Bull im Schilde?

Die interessanteste Frage ist jedoch, warum Mercedes so für Bahrain kämpft und Red Bull für Barcelona. Im Fahrerlager munkelt man, dass da mehr dahintersteckt als nur ein Ego-Trip. Mercedes kann bei heißen Bedingungen offenbar mehr über die Reifen lernen als alle anderen Teams. Kein Team hat bessere Simulationswerkzeuge, keines versteht die Reifen so gut. Bei Red Bull vermutet man irgendeinen Aero-Trick, den die Ingenieure lieber in Barcelona testen wollen als in Bahrain, wo es zum Großteil langsame Kurven gibt.

Bob Fernley versteht nicht, was Pirelli in Bahrain noch dazu lernen will. „Sie testen ja jetzt bereits mit Mercedes, Ferrari und Red Bull in Abu Dhasbi in der Hitze. So kurz vor der Saison können sie die Mischungen gar nicht mehr ändern. Und jede Änderung müsste von allen Teams abgesegnet werden. Einer ist immer dabei, dem diese Reifen passen. Und der wird sich querstellen. Dann kann Pirelli eine Änderung nur noch mit dem Sicherheitsargument durchdrücken.“

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