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Weltmeister auf WM-Kurs

Wer schlägt Vettel?

Vettel Räikkönen - GP Bahrain 2013 Foto: xpb 71 Bilder

Die Saison hätte für Sebastian Vettel nicht besser beginnen können. Er hat zwei der vier Rennen als Sieger beendet, immer gepunktet. Sein härtester Rivale Fernando Alonso zeigte Schwächen. Im Moment scheint ihn nur Kimi Räikkönen am vierten Titel hindern zu können.

29.04.2013 Michael Schmidt

Die Saison ist noch jung, doch alles riecht nach dem vierten WM-Titel für Sebastian Vettel. Zwei Siege, ein dritter und ein vierter Platz. Gesamt 77 Punkte und bereits zehn Zähler Vorsprung auf Kimi Räikkönen, 27 auf Lewis Hamilton und 30 auf Fernando Alonso. Wer soll den Titelverteidiger aufhalten? Zumal er schon wieder im besten Auto sitzt.

Ein Red Bull-Teammitglied flüsterte uns in Bahrain zu: "Wenn wir normale Reifen hätten, wäre Vettel auf jeder Strecke eine halbe Sekunde schneller als die Konkurrenz. Das wissen wir von unseren Simulationen." Je länger die Saison dauert, umso mehr werden die Ingenieure die Reifen verstehen und auf ihre Eigenheiten reagieren. Das spricht für Red Bull. Nach den ersten vier Grand Prix scheint bereits klar, wie der Hase läuft: Vettel ist Favorit. Wenn überhaupt, dann können ihn nur Räikkönen, Hamilton und Alonso herausfordern.

Pirelli hat Red Bull gebremst

Das sind schlechte Nachrichten für Vettels Gegner. Im Augenblick profitieren sie noch von den heiklen Pirelli-Reifen. Eigentlich muss man dem italienischen Reifenhersteller ja dankbar sein. Mit 2011er oder 2012er Reifen hätte Vettel vermutlich alle vier Rennen gewonnen. Doch der Pirelli-Gummi bremst den Red Bull RB9 immer dann, wenn er sich aufgrund der Umstände außerhalb des Arbeitsbereiches der Reifen bewegt.
 
Dann straft der Abtrieb das überlegene Auto. Bei zu hoher Belastung zieht es den Gummi in großen Fladen von der Lauffläche. Red Bull braucht also Reifen und klimatische Bedingungen, die zusammenpassen. Die Konkurrenz muss hoffen, dass genau das nicht eintritt. Wie in Melbourne und Shanghai. Dort war es für mindestens einen der beiden eingesetzten Reifentypen zu kalt.

Ferrari reagiert besser auf Reifenprobleme

Fällt der Reifentyp nicht in das Temperaturfenster, profitieren Ferrari und Lotus. Sie können mit der Fahrwerks-Abstimmung besser auf die Reifenprobleme reagieren. Ganz besonders Ferrari. Bei dem F138 scheint es egal zu sein, ob das Fahrwerk auf weich oder hart getrimmt ist. Die Aerodynamik funktioniert immer. Man kann also den Reifen von der mechanischen Seite her helfen.

Beim Red Bull ist das Abstimmungsfenster wegen der extremen Anstellung des Autos kleiner. Je schneller die Kurven, umso schlimmer. Der RB9 muss mit einer bestimmten Rollsteifigkeit gefahren werden, sonst reißt der Abtrieb ab. Insofern sind Pirellis Anpassungen an den Reifen zumindest ein kleiner Sieg für Red Bull. Der Arbeitsbereich des harten Reifen wird nach unten verschoben. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Reifen bei den kühleren Europa-Rennen im optimalen Fenster liegt.

Alonso zu Nullfehler-Rennen verdammt

Alonso hat die bessere Allzweckwaffe. Bei kritischen Bedingungen ist der Ferrari dem Red Bull überlegen, bei unkritischen hat er keine Chance. Deshalb ist Alonso wie im Vorjahr dazu gezwungen, alle Chancen zu nutzen. So etwas zehrt aus. Zwei Chancen hat er bereits verstreichen lassen. Die Kollision mit Vettel in Malaysia geht auf seine Kappe. Ferrari hätte Schadensbegrenzung betreiben können, wenn man Alonso sofort zum Nasenwechsel hereingeholt hätte, doch die Strategen wollten zocken und verloren. Bei konservativer Rechnung hätte Alonso in Sepang Dritter werden können.
 
Auch der blockierte Heckflügelflap kam Alonso teuer zu stehen. Es gab nur 4 statt 18 Punkte. Insgesamt hat der Spanier also bereits 29 Zähler verschenkt. Fast exakt die Differenz zu Vettels Punktestand. Einziges Plus im Vergleich zum Vorjahr: Der Ferrari ist in der Qualifikation stärker geworden. Ferrari muss für gute Startplätze keine Kompromisse mehr mit dem Setup eingehen. Und man ist im Rennen nicht dazu gezwungen, mit alternativen Strategien zu pokern.

Räikkönen ist Vettels gefährlichster Gegner

Der Lotus von Kimi Räikkönen liegt genau zwischen Red Bull und Ferrari. Genügsamer mit den Reifen, aber im Ernstfall nicht so schnell wie ein Red Bull. Wenn Räikkönen weiter konstant punktet und auf das Podium fährt, kann er ein gefährlicher Gegner für Vettel werden. Vor allem weil seine Fehlerquote noch unter der von Vettel und Alonso liegt. Das sieht auch Kimi so: "Meine Titelchancen sind besser als im letzten Jahr, weil wir auf eine Runde im Training ein schnelleres Auto haben und weil ich das Team besser kenne."

Das große Fragezeichen liegt auf der Weiterentwicklung. Im Augenblick schiebt die Truppe von James Allison im gleichen Tempo Updates nach wie Red Bull. Erst in der vergangenen Woche war die Truppe aus Enstone im britischen Duxford mit neuen Teilen beim Aerotest. Doch irgendwann wird Lotus die Luft ausgehen. Red Bull ist mit seinem Budget in der Lage trotz der Anstrengungen für 2014 parallel am aktuellen Auto weiterzuarbeiten. Notfalls bis zum Saisonende.

Mercedes muss am Reifenmanagement arbeiten

Mercedes sitzt im gleichen Boot wie Red Bull. Deshalb hat auch Niki Lauda für Änderungen bei den Reifen gekämpft. Der Mercedes ist seit diesem Jahr stark nach vorne angestellt, wenn auch nicht ganz so extrem. Dadurch teilt man die Reifenprobleme mit Red Bull. Doch Mercedes macht einen Fehler, wenn man glaubt, dass mit anderen Reifen plötzlich Siege herausspringen. Dann haben die Silberpfeile immer noch Red Bull vor der Nase. Der RB9 ist im Vergleich zum Mercedes AMGW04 unter allen Bedingungen besser im Reifenmanagement.

Während Ferrari und Lotus Red Bulls Schwächen bereits mit Siegen nutzen konnten, war der Mercedes vom Gewinnen noch weit entfernt. Hamilton steht nur auf Platz drei, weil er immer konstant punktet. Seine Chancen hängen stark davon ab, welchen Weg die Ingenieure um Aldo Costa bei der Entwicklung einschlagen. Suchen sie auf Teufel komm raus Rundenzeit, werden sie gegen Red Bull untergehen und bei schwierigen Bedingungen auch gegen Ferrari und Lotus verlieren. Eigentlich müsste jetzt in Brackley das gleiche Programm angeworfen werden, das gerade bei Red Bull in Milton Keynes läuft. Man fährt die Aero-Entwicklung zurück und sucht mechanisch nach Wegen, das Auto verträglicher für die Reifen zu machen.

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