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Wende im Mercedes-Fight?

Das Duell der Kleinigkeiten

Mercedes - Formel 1 - GP Singapur - 2016 Foto: Wilhelm 24 Bilder

Nico Rosberg hatte Lewis Hamilton beim GP Singapur klar im Griff. Auf einer Hamilton-Strecke. War das die Wende im Titelkampf? Auf keinen Fall. Es bleibt spannend, weil es nur eine Kleinigkeit braucht, um das Pendel mal zu Rosberg, mal zu Hamilton ausschlagen zu lassen.

25.09.2016 Michael Schmidt

Singapur ist eigentlich eine Hamilton-Strecke. Der dreifache Weltmeister gewann dort 2009 und 2014 und stand drei Mal auf der Pole Position. Und doch sah er beim Grand Prix vergangenes Wochenende kein Land gegen Nico Rosberg. Weder in der Qualifikation, noch im Rennen. Viele spekulieren jetzt, dass der achte Saisonsieg von Rosberg die Wende im Titelkampf war.

Doch Vorsicht. Das Titelduell bei Mercedes hängt an Kleinigkeiten. Und die haben oft gar nichts mit dem Rennen zu tun. Bei 15 Grand Prix drehte sich die Reihenfolge bei Mercedes nach der Startrunde nur ein einziges Mal. Beim GP Monaco lag Rosberg nach der ersten Runde vor Hamilton. Doch Hamilton gewann, und Rosberg wurde nur Siebter. Und dafür gab es Gründe. An Rosbergs Mercedes blieben die Reifen und Bremsen kalt. Er war im Regen chancenlos.

Wer in den Verkehr gerät, ist verloren

Der größte Faktor ist der Start, auch wenn Rosberg das partout nicht wahrhaben will. „Es gibt auch nach dem Start noch Möglichkeiten, das zu korrigieren.“ Wo bitte? Sechs Mal hat in dieser Saison hat der Start den Zweikampf der Mercedes-Fahrer entschieden, ohne dass der Unterlegene eine Chance gehabt hätte, die Reihenfolge später noch einmal umzudrehen: Australien, Bahrain, Kanada, Ungarn, Deutschland, Italien. Hamilton sieht den Fall realistischer: „Der Start kann den Titelkampf entscheiden.“

Die Zuspitzung auf den einen Moment zu Beginn des Rennens hat auch technische Gründe. Der Mercedes ist das beste Auto im Feld. Aber nur wenn es an der Spitze fährt und die perfekte Anströmung genießt. Im Verkehr ist der Silberpfeil ein ganz normales Rennauto. Das zeigt sich immer dann, wenn einer der Mercedes-Fahrer nach dem Start tief ins Feld abgesackt ist.

Beide Piloten tun sich schwer, im Rennen Plätze gut zu machen. Meistens geht es nur über die Strategie. Hamilton machte in Australien, Bahrain, Russland, Aserbaidschan, Belgien, Italien und Singapur die Erfahrung. Rosberg in Kanada oder Deutschland. In Österreich kam Rosberg nur wegen einer alternativen Taktik zwischendrin an Hamilton vorbei. Als Hamilton seinen Teamkollegen überholen wollte, krachte es. Wie immer, wenn die beiden im Rad-an-Rad-Duell aufeinandertrafen.

Hamilton stolperte über Probleme im Training

Es ist aber nicht immer nur der Start, der das Endresultat festlegt. Manchmal entscheidet sich das Kopf-an-Kopfrennen zwischen Rosberg und Hamilton schon viel früher im Training. So wie in Singapur. Hamilton kam nie richtig in Schwung. Er verlor wegen eines Hydrauliklecks Trainingszeit in der zweiten Sitzung. Im dritten Training klagte der Weltmeister über ein Problem mit der Vorderachse, was dazu führte, das beim Bremsen dauernd die Vorderräder blockierten.

Insgesamt kam Hamilton vor der Qualifikation in Singapur auf 43 Runden. Bei Rosberg waren es 71. „Ich habe in der Qualifikation damit begonnen, ein Gefühl für die Ultrasoft-Reifen zu bekommen“, erzählte Hamilton. Da musste auch ein Singapur-Spezialist scheitern.

Das reduzierte Trainingspensum und der fehlende Wohlfühlfaktor im Auto kosteten Hamilton auch im Rennen Zeit, wie die Ingenieure verraten. „Beide Fahrer mussten ihre Bremsen managen, weil sie zu heiß wurden. Nico hat das besser hingekriegt als Lewis. Nicht nur weil er vorne in saubrer Luft gefahren ist. Lewis hatte keinen Longrun im zweiten Training um das zu üben. Sein erster Longrun war der erste Stint des Rennens.“

Kleinigkeiten sind eine Steilvorlage

Das Duell der beiden Mercedes-Fahrer spielt sich auf einem so hohen Niveau ab, dass diese Winzigkeiten ein ganzes Rennen entscheiden können. Wenn im Trainingsablauf das Geringste schiefgeht, ist das wie eine Steilvorlage für den Gegner. Beispiele gefällig?

Hamilton stolperte in China und Russland über Motorprobleme. In Spa musste er das mit einer Startplatzstrafe für das Überschreiten des Motorenkontingents ausbaden. Er war in allen 3 Fällen chancenlos. In Baku war Hamilton selbst schuld. In einer Mischung aus Übermut und Selbstsicherheit feuerte er sein Auto in der Qualifikation in die Leitplanken. Die Quittung war der zehnte Startplatz.

Aber auch Rosberg hat es schon erwischt. Ein Problem aus dem Training ließ das Pendel zugunsten des Stallrivalen ausschlagen. In Österreich flog Rosberg im dritten Training nach einem Aufhängungsbruch in die Leitplanken. Der Getriebewechsel kostete ihn 5 Startplätze.

In Silverstone verbannte ihn ein Wasserleck im zweiten Training zum Zuschauen. Das heißt: Verlorene Trainingszeit, kein Longrun vor dem Rennen, sich auf Daten des Gegners verlassen. Mit dem Defizit fährt man gegen einen Hamilton nicht mehr auf die Pole Position. Umgekehrt genauso. Das Spannungsmoment beginnt also nicht erst beim Start des Rennens, sondern mit der ersten Runde des freien Trainings.

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