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Wende im Motorenpoker

Red Bull mit Ferrari, Toro Rosso mit Honda?

Toro Rosso - GP Italien 2015 Foto: xpb 23 Bilder

Red Bull und Toro Rosso sind weiter auf der Suche nach Motoren. Da von Mercedes keine positiven Signale kommen, liegt der Fokus von Red Bull auf Ferrari. Doch dann ist aus Kapazitätsgründen für Toro Rosso möglicherweise kein Platz. Deshalb könnte Honda als Helfer in der Not einspringen.

23.09.2015 Michael Schmidt

Red Bull hat beim GP Singapur keine gute Werbung für sich selbst gemacht. Die Autos aus Milton Keynes waren zu schnell. Wer immer diesem Team 2016 Motoren gibt, kann sich warm anziehen. Doch irgendeiner muss Red Bull und Toro Rosso mit Antriebseinheiten versorgen. Die Formel 1 kann es sich in ihrem derzeitigen Zustand gar nicht leisten, auf zwei gesunde Teams zu verzichten. Schuldfrage hin oder her.

Die Optionen für Red Bull sind überschaubar. Das Tuch mit Renault ist zerrissen. Honda hat keinen Siegermotor. Außerdem würde sich McLaren-Chef Ron Dennis mit Händen und Füßen gegen die Invasion eines Teams wehren, das besser ist als sein eigenes. Also bleiben Mercedes und Ferrari. Das Paradoxe an der Situation ist, dass sich trotz aller Bedenken die Chefetagen beider Häuser damit anfreunden könnten, Red Bull zu beliefern. Sowohl Dieter Zetsche als auch Sergio Marchionne hatten zunächst positive Signale ausgesandt.

Audi-Gerüchte als Red Bull-Blocker

Das Problem liegt an der Basis. Beide Werksteams haben kein Interesse, einen potenziellen Erzfeind mit guten Motoren zu beliefern. Und sie machen beim Vorstand Politik gegen einen solchen Deal. "Toto Wolff und Paddy Lowe haben geschickt Gerüchte über Audi gestreut, um ihrem Vorstand Angst zu machen, wir könnten zu viel über ihren Motor erfahren", glaubt man bei Red Bull. Und auch bei Ferrari dürfte es Widerstand geben: "Glaubt irgendjemand, dass Vettel und James Allison begeistert wären, wenn wir die gleichen Motoren hätten? Sebastian kennt uns gut genug."

Vettel wich geschickt der Frage aus, ob er mit einem Red Bull-Ferrari leben könnte: "Die Entscheidung liegt nicht in meiner Hand. Ich kann sie nicht mit Motoren versorgen. Das müssen andere Leute machen. Nach dem Rennen habe ich ein bisschen viel Champagner getrunken, deshalb sage ich besser nichts mehr zu dem Thema."

Reglement garantiert Red Bull Firstclass-Motoren

In der ungelösten Motorenfrage hat sich der Druck in den letzten Tagen erhöht. Für FIA-Präsident Jean Todt wäre es eine Bankrotterklärung, wenn seine Hybrid-Formel Hersteller vertreibt und Teams im Regen stehen lässt. Für Mercedes und Ferrari als Befürworter der neuen Technologie auch. Auf der Suche nach einer Lösung hat sich Ferrari als die wahrscheinlichere Lösung für Red Bull herauskristallisiert.

Es wäre auch sichergestellt, dass Red Bull 2016er Motoren bekommt. Das Reglement verbietet es, alte Motoren auf den Markt zu werfen. Einer Ausnahmeregelung wie in diesem Jahr für Manor müssten alle Teams zustimmen. Das würde schon am Veto von Red Bull und Toro Rosso scheitern. Und die FIA müsste ihr Einverständnis geben. Die FIA-Kommissare können über die Drehmomentsensoren sehr genau feststellen, ob die Hersteller tricksen und Kunden mit schlechterem Material abspeisen. Die Unterschiede beschränken sich auf die Software und das Benzin.

Trotzdem gibt es noch ein Problem: Ferrari könnte mit zwei neuen Kunden überfordert sein, auch dann wenn Mercedes Antriebseinheiten an Manor liefert. Für Maranello wird die Zeit knapp, sich logistisch und personell auf einen höheren Materialumsatz bei gleichbleibender Qualität vorzubereiten. Deshalb wird jetzt fieberhaft nach einem Ausweg gesucht.

Honda kann nicht mehr auf Exklusivität pochen

Die Lösung für Toro Rosso könnte Honda heißen. Auch wenn sich McLaren mit Händen und Füßen wehren wird. Doch die Schonfrist für Honda ist abgelaufen. Obwohl es noch keinen Passus gibt, der die Hersteller dazu zwingt, eine bestimmte Anzahl an Teams zu beliefern, hätte Tokio kaum Spielraum sich zu widersetzen. "Der Sonderstatus des Exklusiv-Vertrages galt nur ein Jahr. Es war ein Zugeständnis an Honda, um ihnen den Einstieg zu erleichtern", erzählt ein FIA-Mann.

2017 kann sich kein Hersteller mehr wehren. Dann greift die alte Reifen-Regel auch für Motoren. Das wurde bei der Strategiegruppensitzung mehrheitlich beschlossen. Die Zahl, die ein Hersteller auf Anfrage beliefern muss, berechnet sich nach folgender Formel: Zahl der Teams geteilt durch Zahl der Lieferanten, und dann wird aufgerundet. Bei 11 Teams und 4 Motorenfirmen wären das maximal 3 Kunden pro Hersteller.

Egal wie der Poker ausgeht: Es wird für alle Beteiligten eng. Ferrari und Honda müssten ihre Motorenabteilungen für den größeren Ansturm fitmachen. Lotus, Red Bull, Toro Rosso und Manor müssen ihre Autos umbauen. Daniel Ricciardo steckt die Unsicherheit, den neuen Motorenpartner noch nicht zu kennen, mit einem Lacher weg: "Noch mache ich mir keine Sorgen. Wenn wir im Dezember immer noch nicht weiter sind, dann schon. Dann stünde mir womöglich ein Jahr bevor, in dem ich fürs Nichtstun bezahlt würde."

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