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Weniger Formel 1-Strafen

F1-Piloten dürfen härter kämpfen

Esteban Gutierrez - Formel 1 - GP Bahrain 2014 Foto: xpb 56 Bilder

Der Aufschrei in den Fanforen war groß. Es gibt zu viele und zu harte Strafen in der Formel 1. Die Fahrer trauen sich schon gar nicht mehr zu überholen. Die FIA und die Teams haben sich die Kritik zu Herzen genommen. Ab dem GP Österreich soll es deutlich weniger Strafen geben.

19.06.2014 Michael Schmidt

Für jedes kleine Vergehen auf der Rennstrecke gab es Strafen. Mal fünf Sekunden zusätzlich zum Boxenstopp, mal eine Durchfahrtsstrafe, mal 10 Sekunden-Stop-and-Go, mal die Verbannung um Startplätze. Am Ende eines Rennens gab es zu viele Fußnoten. Die Zuschauer blickten nicht mehr durch, und die Fahrer stöhnten über zu viel Eingriffe von der Rennleitung.

Die Sünderkartei, die bei 12 Punkten für einen Grand Prix den Führerschein kosten kann, ließ die Piloten zwei Mal darüber nachdenken, ob sie einen Angriff riskieren sollen oder nicht. Damit ist jetzt Schluss. Mit sofortiger Wirkung werden die Strafen deutlich zurückgefahren. "Der Plan ist es", sagt FIA-Rennleiter Charlie Whiting, "dass nur noch schwerwiegende Verstöße mit eindeutiger Schuldzuweisung bestraft werden."

Teams selbst schuld an Strafeninflation

Im Rahmen der Sitzung der Formel 1-Kommission warf ein Teamchef in die Runde, dass zu viel für Kleinigkeiten bestraft würde, und dass man den Fahrern erlauben solle, härter um ihre Position zu kämpfen. Andere sprangen auf den Zug auf. Und schon entstand eine lebhafte Diskussion, in der Whiting die Teams daran erinnerte, dass sie selbst schuld an den vielen Untersuchungen seien.

"Ich bekomme während des Rennens laufend Post von den Teams, die mir sagen, das ich dieses und jenes untersuchen soll. Ich muss dann der Sache nachgehen und den Fall an die Sportkommissare berichten. Die Flut an Bestrafungen lag auch mit an den Teams. Ich bin bereit, bei Lappalien die Kommissare anzuweisen, dass sie der Sache nicht mehr nachgehen müssen. Wenn die Teams einverstanden sind", so der Rennleiter.

Strafen künftig nur bei 100-prozentiger Schuld

Whiting legt Wert darauf, dass es sich nicht um eine Regeländerung handelt. "Wir haben nur eine andere Herangehensweise. Die Teams haben versprochen, uns nicht mehr mit jeder Kleinigkeit zu bombardieren. Und wir nehmen uns die Freiheit heraus, aufgrund der vorliegenden Beweislage und der Schwere des Falles zu entscheiden, die Akte zu schließen. Und wenn wir eine Untersuchung einleiten, dann muss ein klarer Schuldiger her. Es wird deshalb deutlich mehr Urteile geben, die auf 'normaler Rennunfall' hinauslaufen."

Laut Whiting hätte ein Vorfall wie der zwischen Max Chilton und Kimi Räikkönen beim Zurückrunden in Monte Carlo nach dem neuen Verständnis keine Chance mehr, von den Sportkommissaren behandelt zu werden. Bei härteren Fällen müssen die FIA-Stewards aber immer noch ran.
 
"Eine Kollision wie die zwischen Perez und Massa in Montreal würde sicher auch jetzt noch untersucht, aber möglicherweise mit anderem Ausgang. Wir wollen nur noch bestrafen, wenn die Schuldfrage absolut eindeutig ist. In diesem Fall wären wir vielleicht zu dem Schluss gekommen, dass es ein normaler Rennunfall ist, weil die Schuld nicht 100-prozentig einen der beiden Fahrer trifft." Anders bei Pastor Maldonado gegen Esteban Gutierrez in Bahrain. Da gab es über Täter und Opfer keinen Zweifel.

Zweite Chance für Perez

Force India will am Freitag übrigens neues Beweismaterial zum Fall Perez/Massa vorlegen. Unter Umständen kann das einen Einfluss auf das Urteil haben. Wenn es ein neues Beweiselement gibt, das Perez entlastet, dann könnten die Sportkommissare eine neue Untersuchung einleiten und die Strafe rückgängig machen. Der Mexikaner müsste dann nicht fünf Startplätze zurück. Im dümmsten Fall könnte es die Strafe aber auch erhöhen. Es soll schon vorgekommen sein, das vermeintlich entlastende Daten den Antragsteller noch stärker belasten.

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