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Wer ist schnell in Montreal?

Ideale Strecke für Schumacher

Michael Schumacher GP Kanada 2011 Foto: xpb

Montreal ist eine besondere Strecke. Ein Mix aus Geraden, Schikanen und Spitzkehren. Schnelle Kurven Fehlanzeige. Der Kurs ist für Mercedes und Red Bull maßgeschneidert. Wenn es da nicht noch andere Faktoren gäbe, die den Favoriten einen Streich spielen könnten.

08.06.2012 Michael Schmidt

Ginge es nach der Statistik, gäbe es für den GP Kanada nur einen Favoriten. McLaren-Mercedes hat vier der letzten sechs Rennen in Montreal gewonnen. Doch diesmal sind die McLaren nur Außenseiter. Der MP4-27 hat seine Qualitäten in schnellen Kurven. Barcelona oder Silverstone wäre ideal für McLaren. Montreal hat nicht eine echte schnelle Kurve zu bieten. Der 4,361 Kilometer lange Kurs ist gespickt mit vier langen Geraden, vier Schikanen und zwei Spitzkehren. Die Traktion war bislang nicht die Stärke von McLaren. Siehe Bahrain. Da spielten Lewis Hamilton und Jenson Button nur eine Nebenrolle.

Bahrain als Gradmesser für Montreal

Bahrain ist ein ganz guter Gradmesser für den siebten WM-Lauf. Auch dort zählte Traktion und Bremsstabilität. Sebastian Vettel gewann vor Kimi Räikkönen und Romain Grosjean. Es gibt aber auch Unterschiede. Die Strecke von Bahrain ist topfeben, und sie hat wenigstens ein paar schnelle Kurven. Montreal ist das klassische Stop-and-go. Auf einem welligen Belag. Wer in den Schikanen schnell sein will, muss über die Randsteine. Und die Autos werden mit weniger Abtrieb als in Bahrain auf die Strecke geschickt. Hinter Monza sind Spa und Montreal die Nummer zwei auf der Skala für minimalen Anpressdruck.

Wem also passt die Strecke auf der Ile de Notre Dame am besten? Der Red Bull RB8 ist gut auf der Bremse und beim Beschleunigen. Aber ihm fehlt Topspeed. Das schmerzt in Montreal mehr als in Bahrain. Andererseits wird es mangels schneller Kurven für Red Bull einfacher sein, die optimale Bodenfreiheit zu treffen. Man muss nicht wie in Monte Carlo nach dem besten Kompromiss suchen. Wie schmal der Grat der Abstimmung ist, musste Sebastian Vettel leidvoll erfahren. Ein paar Millimeter zu wenig Bodenabstand, und schon sprang sein Red Bull wie "ein Ziegenbock" über die Randsteine.

Der Mercedes AMGW03 fühlt sich im Stop-and-Go ebenfalls wohl, und er liegt auch noch im Topspeed im vorderen Feld. Seine Defizite in schnellen Kurven fallen in Montreal nicht ins Gewicht. Michael Schumacher hat also gute Chance, auf der Strecke, die ihm schon sieben Siege geschenkt hat, seine Rekordsammlung auszubauen. Die 69. Pole Position und der 92. GP-Sieg sind kein Hirngespinst. Schumacher war in Kanada immer stark. Letztes Jahr holte er hier als Vierter sein bestes Saisonergebnis.

Die Angst um die Reifen ist geringer geworden. Die jüngsten Maßnahmen am Auto haben den Silberpfeil unempfindlicher gegen Temperaturschwankungen gemacht. In Monte Carlo fiel die Asphalttemperatur während des Rennens um zehn Grad. In den ersten Rennen des Jahres wäre das für den Mercedes noch eine schlechte Nachricht gewesen. Je größer die Temperaturschwankungen, umso größer war die Gefahr, dass die Reifen bei Dauerbelastung aus ihrem Arbeitsfenster fielen. Das neue Karbongetriebe und die modifizierte Kühlung der hinteren Bremsen haben den Ingenieuren mehr Freiheit bei der Fahrzeugabstimmung verschafft. Die Gewichtsersparnis im Heck entlastet die Gummiwalzen, die effizientere Bremskühlung reduziert die Hitze, die von den Felgen auf die Reifen abstrahlt. Das kann in Montreal ein Joker sein. Mit sechs Vollbremsungen ist der Kurs die härteste Prüfung für die Bremsen. Knapp zehn Sekunden pro Runde stehen die Fahrer auf der Bremse, hat Brembo ausgerechnet. Das entspricht 14 Prozent der Rundenzeit.

Geheimtipp Williams und Sauber

Williams und Sauber können wieder die Rolle des Favoritenschrecks spielen. Wenn die Fahrer ihre sieben Sinne beisammen halten. Der Williams FW34 und der Sauber C31 haben eine exzellente Traktion, und sie sind auch stabil auf der Bremse. "Besonders auf der Bremse haben wir uns stark verbessert. Das war zu Saisonbeginn noch ein Problem", heißt es bei Sauber. Auch der Ferrari F2012 ist mittlerweile ein Allrounder. Topspeed und Traktion sind zwar immer noch nicht weltmeisterlich, aber doch wenigstens auf einem Niveau, dass Fernando Alonso in die Top 5 fahren kann. Ein Sieg wäre eine Überraschung. Alonso kündigte jedoch für Kanada die zweite von drei Ausbaustufen an. Offenbar kann man dem Windkanal jetzt wieder vertrauen.

Lotus war in Bahrain stark, zuletzt in Monaco aber eher nur Durchschnitt. Lag es in Monte Carlo wirklich nur an den tiefen Temperaturen oder kommt das schwarze Auto mit den weicheren Reifenmischungen nicht zurecht? Auch in Montreal wird mit den Reifentypen "soft" und "supersoft" gefahren. Eigentlich müssten Pirellis Superkleber dem Aufwärmproblem der Lotus entgegenkommen, doch der letzte Grand Prix ließ eher das Gegenteil vermuten. Bei Kimi Räikkönen brachen die superweichen Reifen früher ein als bei der Konkurrenz. Lotus betet vor jedem Rennen um Hitze. Das hilft dem Reifenproblem. In Montreal könnte der Ruf erhört werden. Die Wetterfrösche sagen sommerliche Temperaturen voraus. Vom Topspeed muss sich Lotus vor keinem fürchten. Da liegen Räikkönen und Grosjean regelmäßig im Spitzenfeld. Am Ende könnte im Rennen die beste Strategie entscheiden. Normalerweise ist Montreal ein Zweistopprennen. Der ein oder andere wird vielleicht sogar mit nur einem Reifenwechsel pokern. Doch am Sonntag diktieren nicht nur die Reifen die Taktik. Der GP Kanada ist ein Garantieschein für SafetyCar-Phasen. In zehn der letzten 15 Grand Prix gab es mindestens eine Neutralisation. Seit 1997 rückte das SafetyCar insgesamt 25 Mal aus, davon allein sechs Mal im vergangenen Jahr.  

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