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Widerstand bei Ferrari

Neue Motorensorgen für Red Bull

Red Bull - Formel 1 - GP Japan - Suzuka - 24. September 2015 Foto: ams 61 Bilder

Zu Beginn des Suzuka-Wochenendes sah es noch so aus, als würde Red Bull 2016 mit Ferrari-Motoren fahren. Doch 48 Stunden später scheint sich - genau wie bei Mercedes - auch bei den Italienern Widerstand aus dem Team zu regen. Der Red Bull-Ausstieg wird plötzlich offen als Variante diskutiert.

27.09.2015 Michael Schmidt

Man konnte es spüren, dass etwas passiert war. Die Betriebsamkeit bei Red Bull, Ferrari und Mercedes verriet, dass es im Motorendrama um Red Bull eine Wendung gab. Wieder einmal. Als die Red Bull-Häuptlinge Helmut Marko und Christian Horner in Suzuka eintrafen, waren sie noch vorsichtig optimistisch, dass die Verhandlungen mit Ferrari zu einem guten Ende führen würden. Zwei Tage später wendete sich das Blatt.

So wie zuvor bei Mercedes gibt es auch bei Ferrari massive Widerstände gegen eine Belieferung von Red Bull mit Motoren. Teamchef Maurizio Arrivabene, Technikdirektor James Allison und Sebastian Vettel haben kein Interesse daran, den stärksten Rivalen technisch aufzurüsten. Zumal sie wissen, dass man Red Bull gleichwertige Motoren geben muss. Alles andere verbietet das Reglement.

Weil der Ferrari-Deal wieder zu wackeln begann, intensivierte Marko seine Gespräche mit Mercedes-Außenminister Niki Lauda. Was einige im Team mit Unbehagen registrierten. Einer der Darsteller der ungeklärten Motorenfrage beschrieb die ständig wechselnde Großwetterlage so: "Das Thema kommt wie ein Bumerang immer wieder zurück. Und alle ducken sich weg."

Marchionne nicht gegen Red Bull-Ferrari-Deal

Das Paradoxe an der Situation ist, dass die Chefetagen im Prinzip für eine Motorenlieferung sind. Fiat-Chef Sergio Marchionne soll dem Geschäft zugestimmt haben, weil Red Bull sicheres Geld einspielt, Ferrari damit mehr Profit macht und bei einem Börsengang attraktiver für Anleger ist. Doch jetzt rebelliert die Basis an der Rennstrecke. Bei Mercedes war es ähnlich. Vorstandschef Dieter Zetsche hatte einem Pakt mit Red Bull unter bestimmten Bedingungen zugestimmt.

Darauf regte sich Widerstand in Brackley. Teamchef Toto Wolff erklärte in Suzuka warum: "Wir haben uns nach eingehender Prüfung dafür entschieden, diesen Weg nicht weiter zu verfolgen. Mercedes hat seine Rolle als reiner Motorenlieferant aufgegeben und vor 5 Jahren ein eigenes Team an den Start gebracht. Wir haben hart an dem Erfolg gearbeitet, den wir jetzt haben und wollen ihn nicht dadurch gefährden, einem Hauptkonkurrenten unseren Motor zu geben. Dafür haben wir nicht die ganzen Anstrengungen unternommen."

Muss Red Bull bei Ausstieg Strafe zahlen?

Red Bull muss nun wieder ernsthaft fürchten, sich mit seinen beiden Teams aus der Formel 1 zu verabschieden. Bernie Ecclestone im fernen London ist sauer, dass sich keiner findet, der Red Bull mit Motoren versorgt. In seinem Zirkus gibt es genügend kranke Artisten. Es wäre aus seiner Sicht ein Irrsinn, auf gesunde zu verzichten. Doch die Zeiten, als er zum Telefon griff und die Beteiligten auf Kurs brachte, sind vorbei.

Als die Mercedes in der Qualifikation trotz Fahrt in die erste Startreihe kaum auf den Fernsehbildern zu sehen waren, vermutete man im Lager der Silberpfeile eine Art Bestrafung für den Ungehorsam. Vielleicht muss Bernie bald das gleiche mit Ferrari machen.

Aus Sicht der Rechteinhaber wäre ein Ausstieg von Red Bull ein lohnendes Geschäft. Die Bonuszahlungen fließen in die eigene Kasse zurück. Nur der Preisgeldanteil wird unter den Teams aufgeteilt. CVC würde auch eine Strafe von Red Bull einfordern. Die privilegierten Teams haben sich bis 2020 verpflichtet. Je nach Vertrag müssten sie bei einem vorzeitigen Ausstieg zwischen 200 und 300 Millionen Dollar Entschädigung entrichten.

Red Bull wird argumentieren, dass man ohne Motor nicht fahren kann und praktisch zum Ausstieg gezwungen wurde. Selbst schuld werden Kritiker sagen, warum hat man dann nicht den Vertrag mit Renault erfüllt? Die Antwort von Red Bull wird lauten: Weil es eine Ausstiegsklausel gab.

Christian Horner verteidigte den Anspruch des Teams, nur mit einem konkurrenzfähigen Motor fahren zu wollen: "Red Bulls Position ist eine andere als die von Ferrari, McLaren oder Williams. Der Sport muss sich aus Marketingsicht für uns lohnen. Um das zu gewährleisten, dürfen wir nicht in der Verfügbarkeit der Werkzeuge eingeschränkt sein."

9 Teams mit 24 Autos als Alternativ-Plan

Die kleinen Teams würden Red Bull keine Träne nachweinen. Weil sie bei einem Wegfall von zwei Teams deutlich mehr Geld aus dem Topf von Bernie Ecclestone bekommen würden. Da wirkt selbst das Schreckgespenst eines dritten Autos weniger bedrohlich. "Wenn wir 25 Millionen mehr bekommen, können wir ein drittes Auto einsetzen", meint Force India-Sportdirektor Otmar Szafnauer.

Toto Wolff sieht das dritte Auto zwar nur als Notlösung, erkennt aber auch gute Seiten daran. Von den 9 Teams wären mindestens 6 in der Lage, 3 Autos einzusetzen. "Es gibt derzeit viele gute junge Fahrer auf dem Markt. Man könnte sie in konkurrenzfähigen Autos platzieren und würde bestimmt ein starkes Feld von 24 Autos zusammenkriegen. Priorität muss aber sein, Red Bull im Feld zu halten. Es ist eine hippe Marke, die in der Lage ist Top-Autos zu bauen."

Die 4 Red Bull-Piloten Daniel Ricciardo, Daniil Kvyat, Max Verstappen und Carlos Sainz wären für jedes Team eine Bereicherung. Und mit der großzügigeren Geldverteilung an die Teams wären auch die Finanzen da, sich diese Fahrer zu leisten. Das Modell birgt allerdings auch eine Gefahr. Es würden plötzlich 3 Mercedes, 3 Ferrari und 3 Williams am Start stehen. Ferrari käme vielleicht nicht mehr aufs Podium, Force India und Sauber vielleicht nicht mehr in die Punkte. Dann kann Ferrari auch gleich Motoren an Red Bull liefern.

Letzte Wendung in der Motoren-Posse: Ferrari bietet Red Bull 2015er Motoren mit eigenen Upgrades an. Da nach einer neuen Regel nur noch die FIA zustimmen müsste, könnte der Verband diese Offerte absegnen. Doch Red Bull wird kaum zustimmen.

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