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Williams FW37 für 2015 im Technik-Check

Der bessere FW36

Williams FW37 - Formel 1 - Technik-Check - 2015 Foto: xpb 27 Bilder

Williams hat eine große Aufgabe. Der WM-Dritte des Vorjahres will seinen Platz verteidigen. Technikchef Pat Symonds ging deshalb kein Risiko ein. Er baut auf den guten Qualitäten des Vorjahresautos auf. Der FW37 ist ein besserer FW36, wie unser Technik-Check zeigt.

13.02.2015 Michael Schmidt

WM-Neunter 2013. Platz drei im letzten Jahr. Damit dem Aufstieg nicht gleich wieder ein Abstieg folgt, hat Williams früh mit der Entwicklung des neuen Autos begonnen. Nach dem letzten Upgrade für den alten FW36 beim GP Japan 2014 tickten die Uhren nur noch für seinen Nachfolger. Technikchef Pat Symonds weigert sich, ein konkretes Saisonziel zu nennen. Nur so viel: "Wir müssen uns in der Spitzengruppe festbeißen."

Der alte Fuchs weiß, wie das geht. Er bringt Erfahrung aus 35 Jahren Motorsport mit. Deshalb sieht der neue Williams auf den ersten Blick aus wie der alte. Bis auf die neue Knollen-Nase natürlich. Aber bei allem, was dahinter kommt, muss man schon ganz genau hinschauen, um Unterschiede zu erkennen. "Wir haben das Vorgängerauto einfach ein bisschen besser aufgeräumt", sagt Symonds. Nach internen Berechnungen mit Erfolg. Der Williams war bei Testfahrten in Jerez gleichauf mit Ferrari die Nummer zwei hinter Mercedes.

Das fiel uns auf

Der Williams zählt zu den Autos mit einem längeren Radstand. In seinen Abmessungen ähnelt er dem Red Bull. Auch die Kufe zwischen Chassis und Unterboden senkt sich so früh ab wie beim Red Bull. Nur noch Toro Rosso ist da extremer. Die Seitenkästen sind vorne hoch und schmal. Und sie fallen nur dezent nach unten ab. Dafür hören sie so früh auf wie bei keinem anderen Auto.

Das gleiche gilt für die Airbox. Sie schließt am hinteren Ende bündig mit den Seitenkästen zwei Handbreit vor den Hinterreifen. Bei allen anderen Autos reichen die Seitenteile bis hinter die Hinterachse. Wegen der kurzen Motorabdeckung steht das Schwert der Airbox extrem stark über. Auch das charakterisiert den Williams. Beim FW37 ist das sogar noch eine Spur stärker ausgeprägt als bei seinem Vorgänger.

Die Frontpartie - zum ersten Mal mit kurzer Nase

Diese Änderung fällt sofort ins Auge. Es ist die erste Kurznase in der Willams-Geschichte. Sie schafft zwar nicht ganz das Minimalmaß von 85 Zentimetern, überragt aber dennoch nur die Hälfte des Frontflügels. Und das auch nur mit einer rund 10 Zentimeter langen Knolle, die in der Mitte aus der Nase wächst. Der Hauptteil der Nasenspitze liegt hinter dem Frontflügel. Im Gegensatz zum Werks-Mercedes sind die beiden Stelzen, die den Frontflügel tragen, weit ausgestellt.

Weil Williams mit so kurzen Nasen keine Erfahrung hatte, klappte der interne Crashtest erst im vierten Versuch. Theoretisch könnte Williams die Pummelnase noch wegfeilen, doch das würde neue Investitionen im Bereich Crashtest erfordern. Symonds will davon vorerst absehen: "Wir sind zufrieden mit unserer Lösung und haben jetzt andere Prioritäten." Der Technikchef gibt zu, dass man zunächst eine lange Nase bauen wollte: "Wir konnten damit aber nicht den Abtriebsverlust kompensieren, den uns die neue Nasenregel eingebrockt hat."

Zwischen den Achsen - ultrakurze Seitenkästen

Die Unterschiede hinter der Vorderachse sind beim Williams minimal. Der Vorflügel vor dem Seitenkasten ist jetzt unten statt oben eingekerbt. Ein Bügel oberhalb der Kühleinlässe fehlt nach wie vor. Auch die jeweils fünf Kiemen auf den Seitenkästen und an der Airbox sind gleich geblieben. Dito die beiden horizontalen Finnen unter dem Rückspiegeln. Die größte Neuheit findet sich noch im Cockpit. Williams hat jetzt auch ein Display. Aber nicht auf der Lenkkonsole, sondern dahinter fest installiert.

Die Seitenkästen enden wie im letzten Jahr deutlich vor den Hinterreifen. Genau bündig mit der steil abfallenden Motorabdeckung. Die Finne am Rücken steht wie ein mächtiges Schwert über. "Wir haben in dem Bereich etwas aufgeräumt. Die Verkleidung liegt jetzt besser an", erklärt Symonds.

Wie beim Mercedes kommt die Airbox seitlich ohne Zusatzöffnungen aus. Die sitzt beim Williams FW37 unter dem Einlass für die Motorluft zwischen den beiden Trägern des Überrollbügels. Die Kühleinlässe in den Seitenkästen sind wie beim Vorgänger dreieckig und verhältnismäßig zierlich. Obwohl der neue Mercedes-Motor nach mehr Kühlung verlangt.

Das Heck - Auspuff völlig geschlossen

Das 2015er Mercedes-Triebwerk hat im Heck einige Umbauten verlangt. Weil der Auspuff breiter baut, mussten einige Kühler neu positioniert werden. Das Ladeluftkühler-Konzept von Mercedes hat Williams nicht kopiert. Der Intercooler sitzt weiter im Seitenkasten und nicht im Chassis. Das spart Gewicht und ist servicefreundlicher. Die Querlenker der Hinterachse rückten im Vergleich zum FW36 nach oben. Die Dämpfer wanderten in das Getriebegehäuse. Das verbessert die Anströmung zum Diffusor.

Typisch Williams ist auch der Auslass der heißen Kühlluft. Im Prinzip eine genial einfache Lösung. Die Luft entweicht durch eine Spalte der äußeren und inneren Verkleidung. Die Außenhaut ist der Abschluss der Motorabdeckung und der Seitenkästen. Die Innenhaut die Verkleidung des Getriebes, das noch einmal kleiner geraten scheint. Symonds wundert sich: "Dass diese Idee noch niemand kopiert hat?"

Beim Heckflügel-Konzept war es ähnlich. Der Williams-Flügel steht als einziger auf seinen Endplatten, und diese auf einem Flügelelement knapp über dem Diffusordach. Das erfüllt in etwa die Funktion des alten Unterflügels.

Dass keiner die Idee übernommen hat, machte die Williams-Ingenieure stutzig. Deshalb unternahmen sie im Windkanal Versuche mit einer zentralen Heckflügelstütze. Und siehe da, es ergaben sich neue Perspektiven. Symonds kündigte an, dass der Heckflügel beim ersten großen Aero-Upgrade auch zentral aufgehängt ist.

Technik-Fazit zum Williams FW37

Williams ist bewusst kein Risiko eingegangen. Das Team will nach dem Erfolg vom Vorjahr nicht gleich wieder ins Mittelfeld abstürzen. Für den Saisonstart sicher die richtige Taktik. Doch dann muss Williams nachlegen. Weil die direkten Gegner Ferrari und Red Bull mit neuen Ideen in Vorlage gegangen sind.

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