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Williams im Aufwind

Höhere Qualitätsstandards schlagen durch

Pastor Maldonado - Williams - GP Malaysia 2012 Foto: Williams 9 Bilder

Williams ist neben Sauber die zweite Überraschung aus dem Mittelfeld. Die beiden Teams haben sich von ihren alten Rivalen Force India und ToroRosso abgesetzt und setzen sogar Mercedes und Lotus unter Druck. Bei Williams liegt viel an den neuen Standards im Technikbüro.

04.04.2012 Michael Schmidt

Der Williams FW34 ist die Überraschung der Saison. Wäre er mit besseren Fahrern besetzt, könnte der Traditionsrennstall aus Grove sogar wieder von einem Podestplatz träumen. Pastor Maldonado warf in Melbourne in der letzten Runde ohne Not sichere acht Punkte weg. Bruno Senna hätte in Sepang noch weiter vorne landen können, hätte er sich nicht in der ersten und der siebten Runde Runde gedreht. Das warf ihn an die letzte Stelle zurück. Danach zeigte der Brasilianer eine starke Aufholjagd, die ihn bis auf Platz sechs nach vorne brachte. Dafür gibt es zwei Gründe: Senna wechselte jeweils als einer der ersten von Regenreifen auf Intermedates und von Intermediates auf Slicks. Und er hatte ein exzellentes Auto.

Auf Slicks fuhr der Brasilianer die fünftschnellste Runde des Rennens. Auf Intermediates die elftbeste. Der Williams ermöglichte seinen Fahrern konstant schnelle Runden, was auch Pastor Maldonado nach einem Blackout in der Boxengasse, der ihn bis auf Rang 17 zurückwarf, wieder in die Punkteränge brachte, bis ihm ein Motorschaden kurz vor Schluss einen WM-Punkt raubte.

Neues Heck reduziert Reifenverschleiß

Das Auto sieht gar nicht einmal soviel anders aus als der Vorgänger, so dass man sich die Frage stellt, wo das Geheimnis des Biedermanns steckt. Mit Ausnahme seines ultraflachen Getriebes, das eine optimale Anströmung des unteren Heckflügelelements ermöglicht, hat der Williams nichts, was ihn von seinen Konkurrenzprodukten dramatisch abhebt.

Auffällig ist höchstens noch der Frontflügel. Kein anderer Flügel weist soviele Elemente auf, kein anderer hat ein so aufwendig geformtes Hauptblatt mit zwei tunnelförmigen Kanälen auf der Unterseite. Ansonsten kommt der FW34 ganz konservativ daher. Der Auspuff tritt an der Motorverkleidung aus und zielt nach innen auf das untere Heckflügelelement. Die Kühlschächte sind wie bei allen Autos mit Renault-Motoren relativ groß. Die Stufe im Chassis ist genauso abgehackt und hässlich wie beim Ferrari F2012.

Der große Fortschritt beim neuen Williams ist unsichtbar. Das Auto folgt dem Aerodynamikprinzip des Vorgängers, wurde aber von seinen Schwachstellen befreit. Eine modifizierte Anlenkung der Hinterachse verleiht dem Heck mehr Steifigkeit. Die Antriebswellen verlaufen nicht mehr ganz so stark angewinkelt zwischen Differential und Radträger. Damit gibt es weniger Reibungsverluste. Die hinteren Querlenker der Hinterachse lenken nicht mehr an der Heckflügelstütze an, sondern an einem Rahmen über dem Getriebe. Dadurch kann Williams auf eine zentrale Heckflügelaufhängung verzichten. Der Flügel stützt sich auf die Endplatten. Die höhere Verwindungssteifigkeit im Heck räumte mit dem größten Problem des Vorjahres auf. Der Reifenverschleiß konnte deutlich reduziert werden.

Höher Qualitätsstandards und stärkerer Renault-Motor

Der Wechsel vom Cosworth-Motor zu Renault-Power hat ebenfalls zur Formsteigerung beigetragen. Das Hauptmanko des Cosworth V8 war seine schlechte Fahrbarkeit. Rubens Barrichello hatte sie vom ersten Tag an angemahnt. Cosworth fehlen das Geld und das Personal zum Feintuning der Motorsteuerung. Das resultierte in lausigen Starts, Zeitverlust in langsamen Kurven und einer schlechteren Nutzung der Auspuffgase für die Aerodynamik. Damit ist jetzt Schluss. Die bessere Laufkultur des Motors schafft Vertrauen beim Fahrer. Pech für Barrichello, dass er nicht mehr an Bord ist.

Der neue Technikchef Mike Coughlan räumte im Konstruktionsbüro kräftig auf. Er hat mit der gleichen Maßnahme Rundenzeit gefunden, die auch Lotus wieder konkurrenzfähig machte. Das Geheimnis ist die Qualität der Verarbeitung der aerodynamischen Bauteile. Coughlan hat bei McLaren gelernt, auf welchem Niveau die Topteams operieren. Bei Williams galt bis zum letzten Jahr für Toleranzen zwischen den einzelnen Bauteilen ein Maximalmaß von 0,8 Millimeter. Coughlan erklärte seinen Ingenieuren, dass er diesen Wert auf Null senken will, gab ihnen aber im ersten Jahr seiner Amtszeit noch 0,1 Millimeter Spielraum. Das Auto ist innen viel sauberer verarbeitet als der Vorgänger. Weniger Ecken, weniger Kanten, weniger Blockaden für den Luftstrom durch die Kühler. Ein Red Bull-Mechaniker, der die Fronten wechselte, erzählt, dass der Motor im Williams sogar noch schöner und sauberer gekapselt ist als im Red Bull.

Kritiker behaupten, dass Barrichello mit diesem Auto mindestens ein Mal schon auf das Podest gefahren wäre. Pastor Maldonado und Bruno Senna landen zu oft neben der Strecke. Im Training wie im Rennen. Für Williams könnte es zum Boomerang werden, dass man auf die Mitgift seiner Fahrer angewiesen ist. Das Auto jedenfalls scheint genug Potenzial zu haben, damit um den fünften Platz in der Konstrukteurs-WM zu kämpfen.

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