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Williams-Wunder Teil 2

Der 104. Sieger der Formel 1-Geschichte

Podium GP Spanien 2012 Foto: xpb 60 Bilder

Pastor Maldonado gewinnt seinen ersten Grand Prix. Williams seinen 114. Und das nach acht Jahren Pause. Das Wunder von Barcelona deutete sich im Training schon mit der zweitschnellsten Runde an. Teamgründer Frank Williams führt es auf vier Faktoren zurück.

13.05.2012 Tobias Grüner

Frank Williams lächelte selig. Der erste Sieg seit Brasilien 2004. "Mir kam es wie zehn Jahre vor", hauchte er in die Mikrofone. Mit seinem früheren Partner Patrick Head, der nicht mehr Teil des Rennteams ist, hatte er schon am Vorabend telefoniert. Kurz nachdem Pastor Maldonado vom zweiten auf den ersten Startplatz rutschte, weil Lewis Hamilton disqualifiziert worden war. "Typisch Patrick. Er hat nur gesagt, dass wir Pastor ein zuverlässiges Auto hinstellen sollen."

Pastor Maldonado war der fünfte Sieger im fünften Rennen. Zuletzt gab es diese Konstellation 1983. Auch damals war ein Williams-Fahrer der fünfte Sieger in der Saison. Keke Rosberg gewann den GP Monaco. "Damals gab es aber viel weniger Deutsche in der Formel 1", scherzte der Rollstuhl-General.

Vier Gründe für den Maldonado-Sieg

Er selbst ist ein bisschen überrascht, dass es nach so langer Pause und der schlechtesten Saison überhaupt nun endlich für den 114. GP-Sieg für seinen Rennstall gereicht hat. Williams führt vier Faktoren ins Feld. "Ein erfahrenes Team. Ein Auto, das sich einfach fahren und abstimmen lässt und gut ausbalanciert ist. Der Renault-Motor. Und ein Fahrer, der keinen Fehler gemacht hat."

Für Pastor Maldonado freut sich der Teamchef. Der 27-jährige Venezolaner wurde oft als Paydriver gescholten, weil ihn die heimische Ölindustrie mit einer Mitgift von 34 Millionen Dollar in das Williams-Cockpit eingekauft hat. Doch der GP2-Meister von 2010 hat spätestens mit seinem Sieg das zweifelhafte Image abgelegt.

"Ich bin in der glücklichen Lage, dass ein ganzes Land hinter mir steht", gibt Maldonado ohne Umschweife zu. "Und ich bin froh, dass ich das heute zurückzahlen konnte." Staatschef Hugo Chavez hatte sich zwar bis zum Zeitpunkt der Siegerpressekonferenz noch nicht gemeldet, doch der 104. GP-Sieger der Geschichte war sich sicher, dass sein Land im Freudentaumel liegt.

Williams schlägt Ferrari über die Strategie

Maldonado blieb am größten Tag seiner Karriere erstaunlich cool. "Nach meiner zweitschnellsten Zeit im Training wusste ich, dass ich dieses Rennen gewinnen kann. Wenn du von der Pole Position startest, macht das viele Dinge einfacher." Der Williams-Pilot wurde auch nicht nervös, als Fernando Alonso den besseren Start erwischte und das Rennen zunächst unter Kontrolle zu haben schien. "Ich konnte sein Tempo halten. Ab da war klar, dass die Strategie das Rennen entscheiden würde."

Als Ferrari sich mit dem zweiten Boxenstopp zwei Runden länger Zeit ließ als Williams, zog Maldonado kampflos vorbei. Nicht einmal eine Panne beim letzten Reifenwechsel konnte den Spitzenreiter stoppen. Links hinten klemmte die Radmutter. Das Missgeschick kostete nur 2,7 Sekunden auf Alonso. Für den letzten Turn hatte der Südamerikaner einen neuen Satz harte Reifen. Alonso nur einen gebrauchten. Dafür hatte der Spanier drei Runden später gestoppt.

Als er formatfüllend im Rückspiegel des Autos mit der Startnummer 18 auftauchte, blieb Maldonado gelassen. "Meine Box hatte mir eingeschärft, dass ich auf die Hinterreifen aufpassen soll. Ich ließ Fernando rankommen, hatte aber alles unter Kontrolle. In der Traktion waren wir dem Ferrari etwas überlegen."

Alonso verriet, dass er sieben Runden vor Schluss plötzlich Abtrieb verlor. "Ich bin in Kurve sieben auf den Randstein gekommen. Auf einen Schlag war der Grip weg. Ich habe meine Box gebeten, nachzuschauen, ob das Auto irgendwo beschädigt ist."

Erst die Feier, dann das Feuer

Frank Williams genoss die letzten Runden. "Erst als Alonso immer mehr zurückfiel, glaubte ich an den Sieg." Dann lobte er seinen neuen Siegfahrer: "Für einen Südamerikaner ist Pastor unheimlich ruhig. Er regt sich nie auf, und er ist nie enttäuscht."

Zehn Minuten später traf sich die Williams-Crew zum Gruppenfoto. Kurz danach schlug die Jubelstimmung in blankes Entsetzen um. In der Garage brach ein Großfeuer aus. Was schlimm hätte ausgehen können, hatte für Williams noch glimpfliche Folgen. Drei Teammitglieder erlitten Brandwunden oder Rauchvergiftungen. Der materielle Schaden war größer. "In unserer Garage ist alles total zerstört", rapportierte Teammanager Dickie Stanford. Für ihn begann die Arbeit von vorne. "Ich muss jetzt schauen, dass wir Ersatz für Monte Carlo bekommen."

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