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Wintertest-Streit geht weiter

Teams müssen entscheiden

Mercedes - Pirelli 2017 Reifen-Test - Paul Ricard - 2016 Foto: Mercedes 23 Bilder

Im Streit um den Schauplatz der Wintertestfahrten fliegen die Argumente weiter hin und her. Das Procedere ist laut FIA klar. Die Teams treffen per Mehrheitsbeschluss die Entscheidung. Die FIA segnet diese Entscheidung ab und hat damit das letzte Wort.

11.10.2016 Michael Schmidt

Schon lange nicht mehr war die Formel 1 so gespalten. Im Streit um die Location der Wintertestfahrten stehen sich 2 Lager gegenüber, die sich für Bahrain oder Barcelona engagieren, als ginge es um die Entscheidung der Weltmeisterschaft.

Mercedes und Red Bull werfen sich gegenseitig Ego-Trips vor. Tatsächlich nutzen die beiden Streitparteien ihre Argumente nur als Vorwand. So wenig wie Mercedes daran interessiert ist Pirelli einen Gefallen zu tun, so wenig kümmert sich Red Bull um die Kosten für die kleinen Teams. In beiden Fällen geht es um handfeste Eigeninteressen.

Jetzt mischte sich sogar noch Bernie Ecclestone in das Tauziehen ein. Er telefonierte mit Red Bull-Teamchef Christian Horner und bat ihn seinen Widerstand gegen Bahrain aufzugeben. Der Formel 1-Chef favorisierte offenbar den Wüstenstaat.

Als er hörte, dass er damit Mercedes das Feld der Entscheidung überließe, schwenkte Bernie auf Barcelona um. In einer Zeit, in der die neuen Hausherren von Liberty Media in seinem Revier wildern, ist Ecclestone alles suspekt, was seinen Einfluss schmälern könnte. Jetzt gilt es zu zeigen, sich durch nichts und niemanden das Heft aus der Hand nehmen zu lassen.

Geteilter Test nicht erlaubt, aber möglich

Tatsächlich können weder Bernie Ecclestone noch Pirelli entscheiden, wo die Wintertests stattfinden. Das regelt das Sportgesetz. „Es ist eine Entscheidung, die die Teams treffen müssen. Wenn es eine Mehrheit für einen der beiden Orte gibt, müssen sie damit zu uns kommen. Wir haben das letzte Wort“, erklärte FIA-Rennleiter Charlie Whiting.

Obwohl die Regeln einen geteilten Test in Bahrain und Barcelona eigentlich verbieten, würde der Verband vermutlich sogar diesem Vorschlag zustimmen. Die FIA weiß, dass Pirelli für Bahrain plädiert. Sollte der italienische Reifenhersteller darauf bestehen, dass zumindest ein Teil der Teams auf der Strecke von Sakhir testet, wäre es politisch unklug, das Pirelli abzuschlagen. Weil dann der FIA der schwarze Peter zugeschoben würde, wenn die Reifen später Probleme machen.

Mercedes macht weiter Druck für Bahrain, hat aber mit Ferrari und McLaren nur zwei verlässliche Mitstreiter. Die Satellitenteams Force India, HaasF1 oder Manor hätten zwar nichts dagegen, wenn die drei Topteams in Bahrain fahren, sie aber ziehen aus Kostengründen Barcelona vor. Auch Renault bleibt lieber in Europa. Zumindest die Ingenieure.

9 Wochen Zeit für neue Mischungen

Red Bull-Berater Helmut Marko reduziert den Teststreit auf ein Duell „Lauda gegen Horner“. Der Ex-Rennfahrer bezieht natürlich Stellung für seinen Teamchef. „Es ist ein Irrsinn, sechs Flugstunden entfernt neue Autos zu testen. Wir hatten vor einem Jahr nach einem Unfall von Kvyat ein Problem mit dem Frontflügel und sind einen Tag gestanden, bis ein neuer nach Spanien kam. In Bahrain wartest du mindestens 2 Tage.“

Mercedes sieht genau darin den Grund dafür, warum Red Bull sich so stark für Barcelona macht. „Sie schieben jeden Tag neue Teile nach. Da wird die Entfernung zum Problem. Wir fahren ein Paket den ersten Test und bringen ein großes Upgrade für den zweiten.“

Die Ingenieure ziehen Bahrain vor, weil sie dort besser ihre Reifen-Datenbank füllen können. „In Barcelona hast du bei guten Bedingungen drei Stunden pro Tag Zeit, verwertbare Aussagen über die unterschiedlichen Mischungen zu bekommen. In Bahrain den ganzen Tag. Wenn Horner sagt, dass es in Barcelona im Schnitt nur 5 Grad kühler ist als in Bahrain, dann bezieht er sich auf die Temperaturen beim Rennen. Der Grand Prix in Bahrain findet nachts statt. Wir testen aber am Tag.“

Warum kein In-Season-Test in Bahrain?

Der Red Bull-Teamchef führte nach dem Rennen in Japan einmal mehr die Kosten als Argument gegen Testfahrten in Bahrain an. Und er nahm Pirelli in die Verantwortung. „Das Szenario ist ziemlich einfach. Wenn Pirelli trotz unserer bisherigen Tests mit dem Testträger nach Bahrain gehen will, sollten sie sich an den Kosten beteiligen. Das variiert von Team zu Team von 300.000 bis 750.000 Pfund. Je nach Logistik. Für mich wäre es unfair, die Teams damit zu belasten.“

Horner erwartet eine neue Verhandlungsrunde in Austin. Der Engländer macht einen Vorschlag: „In Melbourne könnte es kalt werden. In China ist es das bestimmt. Bahrain ist ein Nachtrennen. Und Russland kann auf der kühleren Seite sein. Eine sinnvolle Lösung wäre es daher, den In-Season-Test nicht nach dem Rennen in Barcelona, sondern nach Bahrain zu veranstalten, wenn sowieso schon jeder dort ist.“

Force India-Sportdirektor Otmar Szafnauer kann Pirellis Panik nicht verstehen. „Warum wollen sie partout nach Bahrain? Vor was haben sie Angst? Als Pirelli in die Formel 1 zurückgekehrt ist und Bridgestone abgelöst hat, war das für sie ein viel größerer Sprung ins Ungewisse als jetzt von den schmalen auf die breiten Reifen. Haben wir damals in Bahrain getestet? Da war Barcelona gut genug. Mir ist wohler, ich teste die neuen Reifen auf der härtesten Strecke als irgendwo in der Hitze. Wer sagt uns, dass Reifen, die in Bahrain halten, in Barcelona nicht auseinanderfallen?“

Szafnauers Kollege Bob Fernley verweist darauf, dass Pirelli die Mischungen bereits jetzt mit den aufgemotzten 2015er Autos in Abu Dhabi testet. „Was wollen sie im März noch herausfinden? Sie können sowieso nicht die Reifenmischungen vor der Saison ändern. Es dauert 9 Wochen, bis sie neue Mischungen entwickelt und gebacken haben.“

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