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Das große WM-Duell in Abu Dhabi

Alonso mit einem Bein Weltmeister

Fernando Alonso Foto: dpa 27 Bilder

Fernando Alonso hat mit seiner letzten Runde in Abu Dhabi den Grundstein für WM-Titel Nummer drei gelegt. Der Ferrari-Pilot startet von Platz drei, zwei Positionen vor seinem großen Rivalen Mark Webber. Selbst wenn Sebastian Vettel gewinnt, kann Alonso gelassen bleiben.

13.11.2010 Michael Schmidt

Sebastian Vettel ist schon ein armer Hund. Da fährt er die zehnte Pole Position dieser Saison, geht als Favorit in den letzten Grand Prix des Jahres und wird am Sonntag wahrscheinlich trotzdem einem anderen zum WM-Titel gratulieren müssen. "Ich habe alles getan. Der Rest liegt nicht mehr in meiner Hand." Immerhin muss er sich über Hilfsdienste für Mark Webber keine Gedanken machen. Dem Australier versagten die Nerven. Er startet nur von Platz fünf.
 
Fernando Alonso hat wieder zugeschlagen. Als man schon nicht mehr mit dem Ferrari-Piloten rechnete, zeigte er wieder seinen berühmten Killerinstinkt. Der dritte Startplatz mit 0,398 Sekunden Rückstand auf die Pole Position geht voll auf das Konto des Piloten. Wie gut der Ferrari F10 in Abu Dhabi ist, zeigte Teamkollege Felipe Massa auf Platz sechs. Dem Brasilianer fehlte eine halbe Sekunde auf Alonso.
 
Die wiedererstarkten McLaren-Piloten Lewis Hamilton und Jenson Button könnten im großen WM-Finale noch die Störenfriede werden. Für wen, steht noch nicht fest. Im Moment spielt der Trainingszweite Lewis Hamilton eher für Alonso als für die Red Bull-Piloten. Hamilton kann Vettel gefährlich werden, Button kann Webber blocken. auto motor und sport hat die Ausgangsposition und die Geheimnisse der fünf Hauptdarsteller beleuchtet:

Sebastian Vettel: "Was jetzt noch kommt, liegt nicht in meiner Hand"

Vettel wusste nicht, ob er strahlen oder sich über das Pech der abgelaufenen Saison ärgern sollte. Mit seiner zehnten Pole Position hat er alles getan, was er tun konnten. Doch der Ausgang der WM hängt nicht von ihm ab: "Wenn ich morgen dort bleibe, wo ich bin, habe ich das Maximum erreicht. Ich bin zufrieden mit der Pole, aber was jetzt noch kommt, liegt nicht in meiner Hand." Dann bemühte er ein deutsches Sprichwort, das für seine Ausgangsposition spricht: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."

Bei Red Bull schlug der anfängliche Jubel über die insgesamt 15. Trainingsbestzeit des Jahres in Ernüchterung um. "Eine massive Enttäuschung", bezeichnete Red Bull-Zerberus Helmut Marko das Ergebnis. Mit Webber auf Platz fünf sind die Chancen auf einen Red Bull-Champion stark gesunken, denn bei einem Sieg von Vettel reicht Alonso ein vierter Platz. Vettel hat sich diese Pole Position mit dem Minimalvorsprung von 0,031 Sekunden Vorsprung auf Lewis Hamilton erzittert.

Die Red Bull-Piloten gingen mit einer alternativen Taktik ins Top Ten-Finale. Statt zwei Mal je eine Runde mit frischen Reifen, spulten Vettel drei und Webber gar vier Runden am Stück mit einem Reifensatz ab. "Ein Fehler", polterte Marko. Vettel musste ihm Recht geben. "Im Nachhinein waren wir zu vorsichtig. Wir haben nicht mit einkalkuliert, dass sich die Strecke so stark verbessern würde." Warum hat man überhaupt auf die Karte Risiko gesetzt? "Weil wir das ganze Wochenende Probleme mit dem Reifenaufwärmen hatten", antwortete Vettel.

"Letztes Jahr sind alle unsere Taktik gefahren. Dieses Jahr hatten wir zwar eine weichere Gummimischung als 2009, aber es war trotzdem an der Grenze, ob eine Runde Aufwärmen reicht. Zwei Versuche mit neuen Reifen wären unter dem Strich besser gewesen. Weil du flexibler in deinem Timing bist. Da musst du beim ersten Versuch nicht alles riskieren."

Vettel hat zwar weiter nur Außenseiterchancen auf den Titel, aber er geht wenigstens mit der Genugtuung ins Rennen, dass das Schreckgespenst, Teamkollege Webber helfen zu müssen, fürs erste gebannt ist. Dazu müsste Mark Webber erst mal an Alonso vorbei und in die Nähe Vettels kommen. Tatsächlich kann jetzt der Fall eintreten, dass Webber Vettel helfen muss. Nämlich dann, wenn Alonso auf Platz vier und Webber auf Rang fünf liegt, und ein Platztausch der beiden die WM zu Vettels Gunsten entscheiden könnte.

Fernando Alonso: "Kann WM in der ersten Kurve nicht gewinnen"

Der Spanier steht kurz vor seinem dritten WM-Titel. Mit Webber im Rücken kann er als Dritter am Start das Geschehen kontrollieren. Webber müsste beim Start 16 Meter auf ihn gutmachen. Ob Alonso Hamilton vor der ersten Kurve angreift oder nicht, entscheidet der Spanier nach den ersten 20 Meter: "Wenn ich das Gefühl habe, dass meine Beschleunigung ausreicht, mache ich Attacke, ansonsten halte ich mich zurück. Ich kann die WM nicht in der ersten Kurve gewinnen, aber ich kann sie dort verlieren."

Alonsos dritter Starzplatz hing allerdings am seidenen Faden. Der Spanier überquerte den Zielstrich für seine entscheidende Runde sieben Sekunden vor der Zielflagge. Der Grund für die Zitterpartie war ein Kampf zwischen Felipe Massa, Nico Rosberg und ihm um die beste Position für die allerletzte Attacke. Alle drei wollten so spät wie möglich die Runde starten, alle wollten freie Fahrt. Massa wich für Alonso zur Seite, doch an Rosberg kam er nicht vorbei. Da bremste Alonso seinen Ferrari fast bis zum Stillstand herunter, um Platz auf Rosberg zu schaffen. Sein Renningenieur Andrea Stella ermahnte ihn am Funk, dass er nur noch zehn Sekunden Zeit habe, rechtzeitig die Ziellinie zu passieren.

"Die Reifentemperaturen blieben trotzdem im grünen Bereich", berichtete Ferraris große WM-Hoffnung. Der allerdings dämpft die Optimisten im Team, die schon vom Titel träumen: "Morgen brauche ich 55 problemfreie Runden. Vettel hat mit seinem Motorschaden in Korea gezeigt, wie schnell das Pendel umschlagen kann." Trotzdem hat er gegen die Ausgangsposition nichts einzuwenden: "Mir ist es lieber, ich bin Dritter und Webber Fünfter als ich Dritter und Webber Erster."

Mark Webber: "Plötzlich war der Grip weg. Ich habe alles in drei Kurven verloren"

Mark Webber saß drei Stunden nach dem Abschlusstraining mit seinem Vater, seiner Mutter und Freundin Ann Neal auf einem Gartenstuhl vor dem Red Bull-Pavillon und schob Frust. Startplatz fünf ist keine gute Ausgangsposition für einen, der noch am Samstagmorgen vom Titel träumen durfte. "Q1 und Q2 liefen noch nach Plan. Dann ist mir alles entglitten. Ich hatte einfach keinen Grip mehr und habe alles in drei Kurven verloren." Das Datenblatt zeigte wo: Es waren die Kurven 5, 6 und 7.

Wie Vettel hatte auch Webber im Top Ten-Finale auf eine Ausfahrt gesetzt. "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass einer die Reifen in einer Runde auf Temperatur bekommt. Am Schluss haben es alle außer uns geschafft." Webber gibt sich für die Enttäuschung selbst die Schuld: "Seb hat es mit der gleichen Taktik ja auch geschafft. Ich bin immer noch überzeugt, dass wir richtig taktiert haben. Gott weiß, warum ich plötzlich in den drei Kurven nicht auf Speed komme, wo ich das ganze Wochenende keine Probleme hatte."

Webber setzt für das Rennen seine ganzen Hoffnungen auf den guten Reifenverschleiß der Red Bull. "Keiner kennt das Skript, das für das Rennen geschrieben ist. Ich sehe jetzt wie ein Verlierer aus, aber vielleicht stehe ich in 24 Stunden als Sieger da." Webbers Rennmotto liegt auf der Hand: Volle Attacke. Jetzt ist er derjenige, der nichts mehr zu verlieren hat.

Lewis Hamilton: "Wir haben jetzt wieder ein Siegerauto"

Lewis Hamilton könnte der Störenfried im WM-Duell zwischen Alonso und den Red Bull werden. Er könnte Vettel in die Suppe spucken, wenn er den Deutschen beim Start oder in der ersten Runde auf der langen Geraden überholt. Er könnte Alonso ärgern, wenn er im Zweikampf mit dem Ferrari nicht nachgibt. Und er wird zum Problem für Webber, weil er in der ersten Runde garantiert vor dem Australier liegt und schwer zu überholen ist. Webber jedoch kostet jeder Fahrer vor seiner Nase wichtige Punkte.

Hamilton sieht sich als möglichen Sieger des GP Abu Dhabi. "Ich muss mich bei unseren Technikern bedanken. Der neue Heckflügel ist eine echte Hilfe. Wir haben jetzt wieder ein Siegerauto." Kurz stand der zweite Startplatz des Engländers noch in Frage, weil er sich im Training mit Felipe Massa in die Haare gekriegt hatte. Die Kommissare untersuchten den Fall, unternahmen aber nichts. Massa drängte Hamilton gegen einen Poller, der den Frontflügel des McLaren beschädigte.

Hamilton kleinlaut: "Felipe und ich waren beide auf der Anwärmrunde. Ich hörte im Funk, dass ich einem schnelleren Autos Platz machen müsse, und so kam es, dass wir am Ende der Geraden gleichzeitig in dieselbe Kurve eingelenkt haben."

Jenson Button: "Harte Reifen sind für mich besser, hätten mich im Rennen aber bestraft"

McLaren hat eine Möglichkeit ausgelassen, mit Jenson Button einen Joker im verrückten WM-Finale zu platzieren. Der Engländer war wie üblich mit den harten Reifen beinahe genauso schnell wie mit den weichen. In Q2 fehlte ihm nur eine Zehntelsekunde. Mit harten Reifen am Start und dem Speed hätte er länger als die Konkurrenz draußen bleiben und in Führung gehen können. Als Spitzenreiter hätte ihn McLaren als taktische Trumpfkarte für Hamilton einsetzen können. Bei Button spielt es keine Rolle mehr, wo er im Rennen ankommt.

Trotzdem ging der entthronte Weltmeister mit den weichen Sohlen in Q3. "Es stimmt, dass mir die harten Reifen lieber sind, weil sich da das Heck nicht so stark bewegt. Aber wenn ich hart losfahre, nehmen mir die anderen zuviel Zeit weg, wenn sie auf einen frischen Satz harte Reifen wechseln. Da bezahle ich dann wie in Japan am Ende des Rennens, wenn ich auf die weichen Reifen wechseln muss. Ich kann gar nicht den Vorsprung rausfahren, den ich bräuchte." Aus Buttons Sicht richtig. Nicht aber aus der des Teams. Die muss im WM-Kampf vorne soviel Verwirrung stiften wie möglich, um Hamiltons Minimalchance zu wahren.

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