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WM-Kampf

Was hat Ferrari gegen Red Bull noch im Köcher?

Foto: Ferrari 24 Bilder

War Korea schon die Vorentscheidung? Zum ersten Mal seit dem GP Europa musste Fernando Alonso die WM-Führung wieder abgeben. Sebastian Vettel hat einen Lauf. Drei Siegen in Folge konnte der Ferrari-Pilot nur drei dritte Plätze in vier Rennen entgegensetzen. Jetzt ist Ferrari gefordert. Ohne Technikschub steht Alonso auf verlorenem Posten.

15.10.2012 Michael Schmidt

Die Weltmeisterschaft ist gekippt. Sebastian Vettel hat aus den letzten vier Rennen 75 Punkte abgeräumt. Fernando Alonso nur 45. Der Red Bull-Express rollt wieder. Auch Mark Webber war für die Ferrari zu schnell. Die Entwicklungsabteilung in Milton Keynes hat in den letzten drei Rennen mindestens eine halbe Sekunde gefunden. Das ist in einer Saison der kleinen Zeitabstände ein Meilenstein. Sebastian Vettel bedankte sich nicht ohne Grund bei seinen Mechanikern. "Ich hätte nach nur einer Nacht mit so wenig Schlaf ein Problem. Unsere Jungs machen das jetzt drei Wochen in Folge. Ihnen verdanke ich die letzten Siege."

Red Bull-Mechaniker machen Überstunden

Technikchef Adrian Newey hält seine Truppe wach. Der Aerodynamikguru bringt jedes Rennen neue Teile ans Auto, und das soll bis zum GP Abu Dhabi so weiter gehen. Die Mechaniker arbeiten mittwochs, donnerstags und freitags die Nächte durch, um die Neuentwicklungen ans Auto zu schrauben. "Unsere Jungs sind jetzt richtig angefixt", bestätigt Teamberater Helmut Marko. "Man spürt, dass jeder diesen WM-Titel unbedingt holen will."

Fernando Alonso räumte ein, dass bei Ferrari in den letzten sechs Rennen nicht mehr viel gekommen ist. Nur ein paar Aerodynamikretuschen und Experimente mit den Flügeln vorne und hinten. Kein Klappflügel wie ihn Red Bull in Singapur einsetzte, bis er von der FIA verboten wurde. Kein Doppel DRS. Keine schlaue Luftführung durch den Heckbereich des Autos, um die Wirkung des Coanda-Auspuffs zu verstärken. Red Bull entwickelt aggressiver, Ferrari methodischer. Doch Aggressivität schlägt Methodik, wenn es darum geht, große Schritte zu machen.

Marko bestreitet gar nicht, dass Red Bull in Singapur mit dem Frontflügel ans Limit ging: "Wir haben die technische Abnahme geschafft. Das zählt." Diese Kaltschnäuzigkeit fehlt Ferrari. Und vielleicht auch das Geld, für acht Rennen ein Doppel-DRS zu entwickeln, obwohl man weiß, dass diese Technik 2013 verboten wird. Die Teile zu produzieren ist billig. Das Red Bull-System ist relativ simpel. Teuer sind die unzähligen Windkanalstunden, die man braucht, um es zum Funktionieren zu bringen.

Ferrari muss in der Qualifikation aufholen

Ferrari braucht jetzt einen großen Schritt. Bei 13,9 Sekunden Rückstand nach 55 Runden sind das rein rechnerisch 0,25 Sekunden pro Runde im Renntrim. Im Training eher drei bis fünf Zehntel, je nach Strecke. Da kann Red Bull mit seinem Doppel-DRS zuschlagen. Auch wenn McLaren-Technikchef Paddy Lowe den Nutzen des Systems im ersten Ärger etwas verpasst zu haben kleinredet, zwei Zehntel sind es allemal. Und das ist eine kleine Welt.

Felipe Massa bestätigt: "Unsere Schwäche ist die Qualifikation. Ich habe gemerkt, um wie viel einfacher dein Rennen wird, wenn du aus der dritten statt der sechsten Reihe startest. Und wer wie die Red Bull in der ersten Reihe steht, genießt im Rennen alle Vorteile frei Haus. Du kannst den anderen die Strategie diktieren, du hast einen geringeren Reifenverschleiß."

Ferrari will beim GP Indien mit einem Technikpaket zurückschlagen. Maranello hält den Ball flach, um keine allzu großen Hoffnungen zu wecken. Ändern um des Änderns willen kann kontraproduktiv sein. Ferrari wird den F2012 nicht neu erfinden. Flügel, Unterboden und Leitbleche sollen sich ändern. Doch reicht das aus?

Ferrari setzt weiter auf Standfestigkeit

Alonso spielt weiter den Optimisten. "Ich glaube daran, dass ich sieben Punkte in vier Rennen gutmachen kann. Die WM ist noch nicht verloren." Teamchef Stefano Domenicali schlägt in die gleiche Kerbe. "Bis zum GP Singapur haben wir noch alle gedacht, der McLaren sei unschlagbar. Die Dinge ändern sich schnell in diesem Jahr." Zu viel Risiko will Domenicali nicht eingehen: "Bei allem was wir tun, muss die Standfestigkeit gewährleistet sein."

Ein Ausfall von Alonso, und er kann Vettel zum dritten Titel gratulieren. Von Glück und Pech zu reden bringt übrigens auf beiden Seiten nichts. Alonso erwähnt gerne, dass er beim Start zwei Mal schuldlos abgeräumt wurde. Bei Vettel saß der unsichtbare Feind unter der Verkleidung. Zwei Mal brachte ihm die Lichtmaschine einen Nuller ein. Damit herrscht Gleichstand auf der offenen Pechskala.

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