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Formel 1: Rückschlag für Michael Schumacher

Wo liegt Schumachers Problem?

Michael Schumacher Mercedes GP Foto: dpa 153 Bilder

Bei Mercedes GP weiß man nicht, ob man sich freuen oder ärgern soll. Während Nico Rosberg erneut auf dem Podium feierte, kommt Superstar Michael Schumacher einfach nicht in Schwung. Im Gegenteil: Shanghai hinterließ ernsthafte Zweifel, ob Schumi noch auf Ballhöhe ist.

20.04.2010 Michael Schmidt

Wo steht Mercedes? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Nico Rosbergs makellose Fahrt auf Platz drei lässt den Schluss zu, dass die Silberpfeile den Abstand zur Spitze verkürzt haben. Immerhin führte Rosberg 16 Runden lang. In dieser Phase hielt er sich mit einem Respektabstand von 2,5 bis 4,5 Sekunden Vorsprung vor dem späteren Sieger Jenson Button.

Auf Intermediates konnte er den McLaren nicht mehr folgen, doch die 9,484 Sekunden Rückstand im Ziel waren ein repräsentativer Wert. Jenson Button und Lewis Hamilton machten Dampf bis zur letzten Runde. Im Training lag Rosberg vier Zehntel hinter dem Trainingsschnellsten Sebastian Vettel. Auch das dokumentiert den Aufwärtstrend. "Wir waren noch nie so nah an der Spitze dran", führte Rosberg ins Feld.

Schumacher verzweifelt in Shanghai

Der neue Heckflügel hat laut Ross Brawn eine Zehntelsekunde und drei km/h mehr Top-Speed gebracht. "Wir müssen alles mitnehmen, was wir kriegen können", erklärt Mercedes-Rennleiter Norbert Haug. Das allein kann aber die Formsteigerung nicht erklären. Shanghai war für den Mercedes GP W01 eine gnädige Rennstrecke. Sie provoziert Übersteuern. Damit sind Autos, die tendenziell eher mit der Vorderachse aus der Kurve schieben, einigermaßen im Gleichgewicht.

Während Rosberg das Geschenk der Strecke umsetzen konnte, verzweifelte Michael Schumacher am Kurs von Shanghai, am Auto und den Reifen. Der Ex-Champion war zu keiner Zeit auf Ballhöhe, und er vermochte noch nicht einmal sagen warum. Klar ist, dass er in den langsamen Kurven verliert. Besonders am Ausgang. Woher die Traktionsprobleme kommen, weiß keiner.

Schumi auf der Suche nach Linie

Fotografen an der Strecke erzählten von ganz komischen Fahrlinien, die der Rekordsieger wählte. "Michael hatte eine ganz eigene Ideallinie. Nur noch Jarno Trulli war ähnlich seltsam unterwegs." Besonders mit der Haarnadel am Ende der langen Geraden stand Schumacher auf Kriegsfuß. Viele Quersteher beim Anbremsen, durchdrehende Räder am Ausgang, oft verpasste der Meister auch den Scheitelpunkt.

Die alternative Linienwahl ist leicht zu erklären. Keiner verschliss seine Hinterreifen so schnell wie Schumacher. Er versuchte seinen Fahrstil zu variieren, um die Probleme zu umfahren. Doch egal, was er machte, er kam auf keinen grünen Zweig. Auch im Rennen nicht. Der Nieselregen machte alles nur viel schlimmer. Zu Beginn waren die Slicks bei den Mischbedingungen am Limit, später die Intermediates. Reifenprobleme verstärken sich da.

Mercedes-Retter als Sorgenkind

Norbert Haug urteilt: "Wenn nichts geht, versuchst du es mit noch mehr Einsatz. Und dann geht oft noch weniger." Wenn Schumacher nicht bald die Reifen besser versteht, bekommt er ein Problem. Der vermeintliche Retter von Mercedes wird dann zum Sorgenkind. Rosberg geht mit den Gummiwalzen sorgsamer um. Er hat die Reifenentwicklung der letzten drei Jahre miterlebt und kennt alle Nuancen. Bridgestones Einheitsreifen ist eine Wundertüte. Es ist eine Wissenschaft für sich, ihn so zu konditionieren, dass er im richtigen Moment Grip entwickelt. Und es ist eine Kunst, ihn über längere Distanzen am Leben zu erhalten. Die schmaleren Vorderreifen und die neue Karkasse hinten haben die Aufgabe noch schwieriger gemacht.

Eigentlich war es immer Schumachers Stärke sich anzupassen. Doch diesmal werden die veränderten technischen Rahmenbedingungen offenbar zum Problem für den Superstar. Er kann jetzt nur hoffen, dass sein Chassis vielleicht einen Knacks abbekommen hat und den großen Rückstand auf Rosberg erklärt. "So etwas kann passieren. Wir sind damit ja immerhin schon vier Rennen am Stück unterwegs", sagt Teamchef Ross Brawn.

Schumis Aufwärtstrend beendet

Man merkt ihm die Anspannung an. Auch er hofft, dass sich für Schumachers Probleme in Shanghai eine einfache Erklärung findet. "Vorher zeigte Michael bei jedem Rennen eine Steigerung", wunderte sich das Superhirn. Rosbergs Höhenflug tut dem Team gut, doch die Stimmung leidet, wenn der Quotenbringer im Mittelfeld herumturnt. Die Medien berichten lieber über Schumachers Nöte als über Rosbergs Großtaten.

Der Druck im Team ist spürbar. Alle wissen: Der Schuss in Barcelona muss sitzen. Man hat die erste Generalüberholung des Autos so groß angekündigt, dass die Erwartungshaltung auf ein Maß gestiegen ist, das an eine Alles-oder-Nichts-Situation erinnert. Auch Schumacher setzt all seine Hoffnungen in das Barcelona-Paket. Darauf, dass sein Sportgerät mit dem verlängerten Radstand besser ausbalanciert ist, was sein Gewichtshandikap von vier Kilogramm weniger stark ins Gewicht fallen lässt. Trotzdem fragen die Zweifler in der Szene bereits: Und was passiert, wenn Rosberg dann immer noch schneller ist?

Updatefahrplan: Barcelona, Istanbul, Silverstone

Wann der Rückstand zu Red Bull, Ferrari und McLaren aufgeholt wird, darauf will sich bei Mercedes keiner festlegen: "Ich kann nur sagen: Hier sind wir, und dort wollen wir hin. Einen ersten signifikanten Schritt in diese Richtung wird es in Barcelona geben. Weil die anderen auch nicht schlafen, muss unser Entwicklungstempo höher sein", schätzt Schumacher die Lage realistisch ein. Mercedes hat seinen Entwicklungsfahrplan verschärft. Für Istanbul und Silverstone sind weitere große Aerodynamikrevisionen angekündigt.

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