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Der Zauber von Singapur

Das härteste Rennen des Jahres

Adrian Sutil Foto: xpb 32 Bilder

Singapur ist zwar erst seit 2008 Teil des Formel 1-Kalenders, doch der Nacht-Grand Prix hat beste Chancen ein Klassiker zu werden. Er hebt sich wohltuend von den Retortenpisten der Neuzeit ab. Für die Fahrer ist das schweißtreibende Rennen am Äquator die härteste Prüfung des Jahres.

23.09.2011 Michael Schmidt

Für Daniel Ricciardo ist Singapur ein Heimrennen. Der Hispania-Pilot kommt aus Perth. "Das sind fünf Stunden Flug. Für einen Australier also gleich um die Ecke." Timo Glock erinnert sich besonders gern an den Stadt-Grand Prix am Äquator. 2009 wurde er auf Toyota Zweiter. Sein bestes Formel 1-Resultat. "Singapur zählt zu meinen Top 3. Ein Rennen, bei dem der Fahrer den Unterschied ausmachen kann. Es ist heiß, dunkel, bucklig. Jeder Fehler endet in der Mauer." Auch Nico Rosberg hat an Singapur beste Erinnerungen. Er wurde 2008 Zweiter. Man könnte fast von einer Strecke der Deutschen sprechen.

Fernando Alonso ist mit zwei Siegen und einem dritten Platz der König von Singapur. Keiner kann die Strecke besser beschreiben als er: "Es ist eine Mischung aus Monte Carlo und einer richtigen Rennstrecke. Das lässt mehr Spielraum für die Linienwahl und die Abstimmung des Autos. In Monte Carlo musst du verrückt sein, in Singapur präzise." Für Teamkollege Felipe Massa zählt eine Runde Singapur wie zwei in Monte Carlo: "Der anstrengendste Grand Prix des Jahres."

Deshalb fordern der Brasilianer und Jenson Button, die 61-Runden-Distanz in Zukunft leicht zu verkürzen. In Singapur stößt jeder Grand Prix immer ganz knapp an die Zwei-Stunden-Schallmauer. Nico Rosberg spottet: "Jenson kann ja einfach aufhören, wenn er müde wird."

Iron Man im Formel 1-Auto

Der Stadtkurs von Singapur hat sich in nur drei Jahren so etwas wie eine eigene Identität verschafft. Weil es der einzige Grand Prix ist, der komplett in der Nacht stattfindet. Weil die Kulisse mit dem Hafen, dem Riesenrad und den Wolkenkratzern einmalig ist. Und weil er die Fahrer an ihre Grenzen treibt. "Schaut in die Gesichter, wenn wir aus den Autos steigen. Die erzählen die ganze Geschichte", sagt Button. Im Parc Ferme sehen die Fahrer immer aus, als hätten sie gerade den Iron Man hinter sich.

Die Piloten leben als wären sie in Europa geblieben. Frühstück ist um 14 Uhr, Mittagessen am Abend und die Abendmahlzeit nach Mitternacht. In den frühen Morgenstunden joggen die Fahrer um den Kurs. Oder strampeln sich wie Michael Schumacher zwei Stunden lang auf dem Fahrrad die Beine ab. Das Alternativprogramm ist dürftig. Obwohl die Restaurantbesitzer ein gutes Geschäft machen könnten, sind nach Mitternacht die meisten Kneipen dicht.

Brutale Buckelpiste

Was ist das für eine Rennstrecke, auf der Sebastian Vettel am Sonntag zum zweiten Mal Weltmeister werden könnte? Der Kurs von Singapur hat 23 Kurven, acht davon unter 100 km/h. "Alles erster und zweiter Gang", schmäht Lewis Hamilton. "Was richtig Schnelles wie in Monte Carlo ist nicht dabei." Sebastian Vettel verweist darauf, dass Monte Carlo durch ständiges Aufbringen von neuem Asphalt beinahe eine Autobahn geworden ist. "Singapur ist noch eine echte Buckelpiste. So richtig brutal."

Das längste Vollgasstück misst 9,5 Sekunden. 71 Mal müssen die Fahrer im Verlauf einer Runde schalten. 23 Prozent von der Rundenzeit stehen die Fahrer auf der Bremse. Auf 52 Prozent der Strecke kann im Training DRS eingesetzt werden. Im Rennen ist die DRS-Zone auf die Gerade zwischen den Kurven 5 und 7 begrenzt. Das sind ungefähr 600 Meter Wegstrecke bis zum Bremspunkt. "Könnte ein bisschen zu kurz sein", fürchtet Button. "Zum Überholen wird KERS hilfreicher sein als DRS." Hamilton widerspricht: "In Singapur kannst du im Gegensatz zu Monaco ein Rennen fahren. Überholen ist hier möglich."

Safety-Car und Regen in Singapur

Das Safety-Car ein fester Bestandteil des Nachtrennens. Fünf Mal in drei Rennen rückte es aus. Nach Alonso und Hamilton hat Safety-Car-Fahrer Bernd Mayländer die meisten Führungsrunden auf dem Marina Bay Circuit. 20 an der Zahl. 2008, bei der Premiere, rückte Mayländer nach einem absichtlich inszenierten Unfall aus. Nelsinho Piquet crashte, damit Teamkollege Fernando Alonso vom Safety-Car profitieren konnte. Ein Jahr später flog das Komplott auf. Teamchef Flavio Briatore und Technikdirektor Pat Symonds wurden für fünf Jahre gesperrt.

Von Regen blieben die Piloten bislang verschont. Nur einmal war die Strecke in einem freien Training nass. Da aber noch bei Tageslicht. Man hat damals gelernt, dass es in der hohen Luftfeuchtigkeit ewig dauert, bis sich eine trockene Fahrspur bildet. An ein Regenrennen mag gar keiner denken. Es könnte in dem Kunstlicht Probleme mit der Sicht geben. In diesem Jahr muss man sich vielleicht darauf einstellen. Der Wetterbericht sagt für alle Tage die Möglichkeit von Regen voraus. Zum Glück ist er ziemlich unzuverlässig. Button hofft, dass es auch diesmal trocken bleibt: "Das ist der letzte Platz, an dem du dir ein Regenrennen wünschst."

Zur Einstimmung auf das Rennwochenende zeigen wir Ihnen noch einmal die besten Szenen von 2010.

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