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Zweckehe von Maranello

Alonso und Ferrari brauchen sich

Fernando Alonso - Ferrari - Formel 1 - GP Belgien - Spa Francorchamps - 23. August 2013 Foto: xpb 94 Bilder

Fernando Alonso macht keinen glücklichen Eindruck. In der Ehe zu Ferrari kriselt es. Der Titel ist erneut in weiter Ferne. Doch dem komplettesten Fahrer der Formel 1 sind die Hände gebunden. Er kann nirgendwo hin. Und auch Ferrari hat keine Alternative.

29.08.2013 Michael Schmidt

Es ist eine kuriose Situation. Fernando Alonso ist der kompletteste Fahrer der Formel 1. Doch er ist schwer vermittelbar. Zu McLaren kann er nicht mehr zurück nach dem, was 2007 dort passiert ist. Bei Mercedes ist bis 2015 kein Platz frei. Red Bull wird Sebastian Vettel nicht mit Alonso zusammenspannen. Da würde vom ersten Tag an Krieg herrschen.

Lotus kann sich den Spanier nicht leisten. Die Gerüchte, Alonso würde mit Santander zu Lotus wechseln, sind Teil des üblichen Formel 1-Sommertheaters. Glaubt irgendjemand, dass Santander und Alonso einfach so bei Ferrari kündigen können, nur weil es ihnen dort nicht mehr gefällt? Alonso ist WM-Zweiter. Ist das eine Voraussetzung für eine Ausstiegsklausel?

Alonso wie Schumacher - Aber nicht in der Krise

Alonsos Schicksal steht und fällt mit Ferrari. Umgekehrt genauso. Ferrari würde Alonso nur ziehen lassen, wenn Sebastian Vettel oder Lewis Hamilton frei wären. Sind sie aber nicht. Kimi Räikkönen ist kein Ersatz für den Spanier. Er ist vielleicht genauso schnell, genauso konstant und genauso abgekocht wie Ferraris Nummer eins, doch er ist keiner, der ein Auto mit den Ingenieuren weiterentwickelt und das Team durch seine Präsenz antreibt.

Als man Kimi Ende 2009 in Maranello vom Hof gejagt hat, da wurde das unter anderem auch damit begründet, dass er zu wenig mit den Ingenieuren kommuniziert und die Mannschaft nicht motiviert.

Ferrari war froh, mit Alonso wieder einen zu haben wie Michael Schumacher. Einziger Unterschied: Schumacher trieb in Krisenzeiten keine Spielchen. Kritik äußerte er intern. Wenn es schlecht lief, stand er hinter seiner Truppe. Er hat damit Rennleiter Jean Todt mehr als einmal den Kopf gerettet.

Alonso zur falschen Zeit am falschen Ort

Alonso ist ein anderer Typ. Eher wie Alain Prost. Auch der hat gerne Druck über die Medien auf das Team ausgeübt. Alonso macht das ziemlich subtil und nicht mit dem Holzhammer. Die öffentliche Kritik an der schleppenden Entwicklung des Autos war immer sachlich. Aber sie traf die Italiener ins Herz.

Und als sich Manager Luis Garcia bei Red Bull blicken ließ, da wurden aufkommende Gerüchte nicht energisch genug dementiert. Deshalb kriselt es seit der Sommerpause zwischen dem Fahrer und dem Team. Weil Alonso nach den Pleiterennen in Silverstone, am Nürburgring und in Budapest gemerkt hat, dass der WM-Titel auch in diesem Jahr wahrscheinlich an Sebastian Vettel geht. Dann hätte der Deutsche vier und Alonso nur zwei.

Auch nach Siegen hat Vettel seinen großen Gegner fast eingeholt. Es steht 32:31 für Alonso. Da kann einen Fahrer von der Klasse eines Alonso schon der Frust packen. Er ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Schlimmer noch: Er hätte 2009 bereits bei Red Bull unterschreiben können. Es scheiterte an den überzogenen Forderungen des zweifachen Weltmeisters.

Alle Wege zur Konkurrenz verbaut

Inzwischen hat Alonso gemerkt, dass ihm die Wege zu anderen Teams verbaut sind. Er muss sich mit der Situation arrangieren. Ferrari wiederum weiß ganz genau, dass man Alonso braucht. Das Rennen in Spa hat es gezeigt. Von Platz 9 auf Rang 2. Das machen Alonso nur ganz wenige nach.

Trotzdem machte der 32-fache GP-Sieger bei der Siegerehrung ein ernstes Gesicht. Weil er gemerkt hat, dass die Kombination Vettel und Red Bull zur Zeit schneller ist. Zumindest, wenn beide freie Fahrt haben. Im Verkehr mag das anders aussehen. Da leidet der Red Bull mehr als der Ferrari.

Das Problem ist nur, dass Vettel selten im Verkehr steckt und Alonso beim Start meistens durch einige Plätze von seinem Erzrivalen getrennt ist. Diesmal aus eigener Schuld. Hätte Alonso im Q3 nicht die Strecke verlassen, hätte auch er am Ende des Top Ten-Finales eine extra Runde bekommen.

Räikkönen wäre ein Spiel mit dem Feuer

Angeblich hat Alonso auf Twitter verbreitet, dass sein Ferrari gar nicht genug Benzin für eine weitere Quali-Runde im Tank gehabt hätte. Und angeblich hat ihn Ferrari gebeten, die Nachricht zu löschen. Wenn es stimmt, wäre es ein weiteres Indiz dafür, dass Alonso und Ferrari im Augenblick keine glückliche Familie sind. Eher eine Art Zweckehe auf Zeit.

Es ist deshalb auch nicht zu erwarten, dass Ferrari seinen Star-Piloten mit der Wahl des zweiten Fahrers für 2013 weiter verärgert. Das schränkt die Chancen von Räikkönen ein. Eine Verpflichtung des Finnen wäre ein Spiel mit dem Feuer.

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