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Zwischenbilanz Teamduelle

Vettel und Kimi unter Druck

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP China - Shanghai - 19. April 2014 Foto: xpb 22 Bilder

Zwei der elf Teamduelle stehen unentschieden. Bei Lotus und Caterham steht es 4:0. Doch die Schlagzeilen schreiben die Trainingsduelle der drei Topteams. Lewis Hamilton kocht Nico Rosberg ab, Daniel Ricciardo Weltmeister Sebastian Vettel und Fernando Alonso Ferrari-Heimkehrer Kimi Räikkönen. Das Wetter und die Technik spielen eine Rolle.

02.05.2014 Michael Schmidt

Für Startplätze gibt es keine Punkte. Und trotzdem sind die Trainingsduelle das ultimative Barometer im teaminternen Vergleich. Mehr als WM-Punkte. Das Abschlusstraining zählt das ultimativer Kampf Mann gegen Mann. Weil es von weniger Einflüssen beherrscht wird als das Rennen. Alle haben die gleichen Reifen, den gleichen Erwartungsdruck, die gleiche Trainingszeit und meistens auch die gleichen Streckenbedingungen. Es ist die eine Runde, die zählt. Und für die gibt es viel weniger Ausreden als über eine lange Renndistanz. Wir haben uns die ersten vier Trainingsergebnisse der elf Teams angeschaut und ziehen Bilanz.

Lewis Hamilton gegen Nico Rosberg 3:1

Es hat drei Mal geregnet, und alle drei Mal hatte Hamilton die Nase vorn. Teilweise ziemlich deutlich. Rosberg gibt zu: "Lewis macht im Regen eine bessere Figur. Daran muss ich arbeiten." Im einzigen Trockenvergleich siegte Rosberg. Der Deutsche nahm seinem Teamkollegen in Bahrain knapp drei Zehntel ab. Muss man daraus schließen, dass Rosberg auf trockener Piste der schnellere Mann ist? Hamilton wiegelt ab: "Bahrain zählt zu Nicos Spezialstrecken. Da gibt es noch ein paar andere. Dort muss ich Schadensbegrenzung betreiben." Ein Rückblick auf 2013 hilft um zu sehen, wo Rosberg besonders schnell ist und Hamilton aufpassen muss: Monte Carlo, Monza. Singapur, Interlagos.

Daniel Ricciardo gegen Sebastian Vettel 3:1

Das Red Bull-Duell ist die Überraschung des Jahres. Alles hätte man erwartet, nur das nicht. Trainingsweltmeister Vettel kam drei Mal gegen Ricciardo unter die Räder. In allen drei Fällen stellte sich heraus, dass Ricciardo in den Stop-and-Go Passagen gewinnt. Auf dem flüssigen Streckenlayout von Sepang schlug der Titelverteidiger zurück. Vettel hat noch Mühe das Auto auf seinen Fahrstil anzupassen. Hemmschuh sind dabei vor allem die Eigenheiten des Motors und die sich daraus ergebenden Konsequenzen. Vettel vermisst beim Bremsen und Beschleunigen die Konstanz in den Reaktionen des Autos. "Das Verhalten ändert sich von Kurve zu Kurve, von Runde zu Runde. Mir fehlt noch das absolute Vertrauen." Ricciardo geht unbedarfter an die Aufgabe heran, weil er nichts Besseres gewohnt ist. Vielleicht grübelt Vettel auch zu viel. Barcelona ist vom Charakter her ähnlich wie Sepang. Es sollte also wieder eine Vettel-Strecke sein. Einschränkung: "Wenn ich den letzten Sektor hinbekomme."

Fernando Alonso gegen Kimi Räikkönen 3:1

Vom Zweikampf der Ferrari-Stars hatte man sich das große Prestigeduell des Jahres versprochen. Zwei Ex-Weltmeister mit jeder Menge Erfahrung treffen aufeinander. Wenn es so weiter geht, dann fährt Alonso seinen Teamkollegen an die Wand. Der Zwischenstand von 3:1 für den Spanier schmeichelt Räikkönen. Alonso wäre auch in Bahrain vor dem Finnen gestartet, hätte seinen Motor nicht im entscheidenden Moment Leistung verlassen. Räikkönen hat im Prinzip die gleichen Probleme wie Vettel. Kein Vertrauen in sein Auto beim Bremsen und Beschleunigen. Dazu kommt noch, dass er die härteren Gummimischungen von Pirelli nicht auf Temperatur bringt. Das Sammelsurium an Problemen straft ihn im Regen gleich doppelt. Vor Alonso muss man den Hut ziehen. Der Vize-Weltmeister von 2013 kam in seiner Karriere bislang mit jedem Auto, jeder Technik und allen Bedingungen zurecht.

Romain Grosjean gegen Pastor Maldonado 4:0

Das 4:0 ist vielleicht etwas unfair. Zwei Mal trat Maldonado zur Qualifikation gar nicht an. Weil sich die großen Pannen immer auf seinen Lotus konzentrieren. Trotzdem wird deutlich, dass Grosjean der schnellere Mann ist. Der Franzose geht mit mehr Feingefühl und Köpfchen an die Sache heran. Das zeigt, dass er zu einem Spitzenfahrer gereift ist. Grosjean kam bislang mit den Defiziten seines Autos besser zurecht. Es wird interessant sein zu beobachten, ob sich Maldonado heranrobbt, wenn der Lotus seine Kinderkrankheiten abstreift. Von seinen Aussetzern mal abgesehen: Der Venezolaner ist ein schneller Mann. Wenn alles passt.

Jenson Button gegen Kevin Magnussen 2:2

Zuerst sah alles nach einer Wachablösung aus. Magnussen erwischte GP-Oldie Button auf dem falschen Fuß und gewann die ersten zwei Trainingsduelle. Allerdings auch deshalb, weil sich Button im Timing seiner schnellen Runden und in der Reifenwahl bei den beiden Regentrainings von Melbourne und Sepang verzockt hatte. Das darf einem Routinier wie ihm eigentlich nicht passieren. In Bahrain und China besann sich Button auf seine Qualitäten und drehte den Spieß um. Wenn bei ihm alles nach Plan verläuft, hat er Rookie Magnussen noch im Griff.

Nico Hülkenberg gegen Sergio Perez 3:1

Es hätte schon 4:0 stehen können, hätte Hülkenberg im Abschlusstraining in Bahrain in der entscheidenden Runde nicht den entscheidenden Fehler gemacht. Der warf ihn aus dem Q2. Hülkenberg bezahlte dafür am Renntag. Perez machte alles richtig, stellte seinen Force India auf den vierten Startplatz und fuhr aufs Podium. Trotzdem ist der Mexikaner klar der langsamere Mann. Bei den drei Regentrainings trennte die Force India-Piloten jeweils ein Klassenunterschied. Auf trockener Piste haben wir einen echten Vergleich mit einem fehlerlosen Hülkenberg noch nicht gesehen. Es sieht aber so aus, als könnte Perez seinen Teamkollegen auf den Strecken herausfordern, wo der Reifen kritisch ist. Also auch in Barcelona.

Felipe Massa gegen Valtteri Bottas 3:1

Bei Williams wird das engste Duell ausgefochten, auch wenn es 3:1 für Massa steht. Nach Punkten führt Bottas, obwohl er in der Startaufstellung bereits zwei Mal strafversetzt wurde. Die Abstände sind durchweg minimal. In Melbourne trennten 0,068 Sekunden die beiden Williams-Piloten, in Sepang waren es 0,298 Sekunden, in Bahrain 0,264 Sekunden und in Shanghai 0,135 Sekunden. Bottas zählt zu den Stars der Zukunft. Für Massa ist es ein Kompliment, dass er auf seine alten Tage noch mithalten kann. Kaum ist er aus dem Schatten von Alonso herausgetreten, fährt er wieder befreit auf. Selbst Frank Williams sagt: "In Felipe habe ich mich getäuscht. Ich dachte, Alonso habe ihn zerstört und zum Nummer zwei-Fahrer gemacht. Er hat uns das Gegenteil gezeigt."

Adrian Sutil gegen Esteban Gutierrez 2:2

Auch im Sauber-Lager hagelte es Strafversetzungen. Ein Mal musste Sutil wegen Behinderung eines anderen Fahrers zurück, ein Mal Gutierrez wegen eines Getriebwechsels. Beides blieb ohne Auswirkung auf das Trainingsduell, das unentschieden steht. Zur Ehrenrettung von Sutil muss gesagt werden, dass er zwölf Kilogramm schwerer als Gutierrez ist und schon einmal ein Handikap von einer knappen halben Sekunde mit sich herumschleppt. Der Gewichtsnachteil wird sich erst nivellieren, wenn Sauber ein Auto am Gewichtslimit an den Start bringt. Das soll ab dem GP Spanien der Fall sein. Dann hat Gutierrez nur noch den Vorteil, mehr Ballast verschieben zu können. Auf Stop-and-Go-Kursen wiegt das höhere Gewicht besonders schwer. Das ist ein Grund, warum Sutil in Bahrain gegen seinen Teamkollegen ziemlich alt aussah. In Shanghai hatte Gutierrez eine Entschuldigung. Das Brake-by-wire-System funktionierte nicht.

Jean-Eric Vergne gegen Daniil Kvyat 3:1

Die Rennen stellen das Trainingsduell auf den Kopf. Neuling Kvyat landete schon drei Mal in den Punkterängen, Vergne trotz zwei Jahren Erfahrung erst ein Mal. Dafür hat sich der Franzose in der Qualifikation gesteigert. Vergne startete drei Mal aus den Top Ten. Die schnelle Runde war in den Jahren zuvor immer sein Schwachpunkt. Er ging oft zu wild ans Werk und überforderte die Reifen. Da kommt es ihm entgegen, dass die neuen Pirelli-Sohlen weniger empfindlich sind. Kvyat scheiterte drei Mal knapp an der Q3-Hürde. Deshalb sieht er im Rundenvergleich schlecht aus. In Bahrain kamen beide ToroRosso-Piloten nicht über das Q2 hinaus. Da betrug der Unterschied nur 0,141 Sekunden. Unser Fazit: Das wird eine enge Kiste.

Kamui Kobayashi gegen Marcus Ericsson 4:0

Kobayashi ist trotz einem Jahr Formel 1-Pause kein bisschen eingerostet. Im Gegenteil: Der Japaner fährt besser denn je und hat im Rennen auch schon mal die Sauber geärgert. Teamkollege Ericsson hat nicht den Hauch einer Chance. Es ist nicht nur wegen dem Stand 4:0 das eindeutigste Teamduell. Kobayashi fährt im Schnitt eine Sekunde pro Runde schneller. Je schwieriger die Bedingungen, umso größer der Abstand. Für einen Neuling wie Ericsson ist diese neue Formel schon schwer genug. Die Autos reagieren auf der Bremse nicht immer gleich, und im Gasfuß braucht man viel Gefühl.

Jules Bianchi gegen Max Chilton 3:1

Im Prinzip gilt das gleiche wie bei Caterham. Bianchi fährt im Training in einer anderen Liga als Chilton. Mit dem Unterschied, dass Chilton kein Neuling ist. Er bestreitet wie Bianchi seine zweite Saison. Hätte Bianchi in Melbourne nicht technische Probleme gehabt, würde es auch bei Marussia 4:0 stehen. Die Abstände sind teilweise erschreckend groß. Im einzigen trockenen Abschlusstraining in Bahrain trennten Bianchi und Chilton 0,613 Sekunden. In den Regentrainings gab Bianchi dem Engländer jeweils 1,6 Sekunden mit. Das ist mehr als ein Klassenunterschied. Chilton hilft Marussia dadurch, dass er immer ins Ziel kommt. Doch auf Dauer reicht das nicht aus.

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