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Formel 3-Saison für 600.000 Euro

Warum ist die Formel 3 so teuer?

Formel 3 Macau 2012 Foto: xpb

Wer sich in der Formel 3 auf Top-Level engagieren will, muss mit mehr als einer halben Million Euro pro Saison rechnen. Rennsport war noch nie billig. Wir erklären, warum die Formel 3 so teuer ist.

25.02.2013 Gregor Messer

Man muss schon ein sehr nüchtern denkender Mensch sein, gleichzeitig aber auch überproportional enthusiastisch, um für eine Rennsaison den Gegenwert eines großen Einfamilienhauses aus dem Portemonnaie zu holen - nur um einem Teenager das Streben in die Formel 1 zu finanzieren.

Zwischen 500.000 und 600.000 Euro kostet eine Saison in der neuen Formel 3-Europameisterschaft 2013 - ungefähr der gleiche Tarif wie zuletzt in der Formel 3-Euroserie. "Mit einer solchen Summe ist man aber top dabei", betont der Berliner Teamchef Peter Mücke, der in dieser Saison mit Nachwuchspilot Pascal Wehrlein den Vizetitel errungen hat. "Wir sind die Ausbildungsteams , wir sollen einen jungen Fahrer zum Profi ausbilden. Der Aufwand ist einfach so groß", sagt Mücke.

Formel 3 wird immer teurer

Er erinnert sich noch, als er mit seinem Sohn Stefan Ende der Neunziger in die Formel 3-DM eingestiegen war: "Zwischen damals und heute liegen Welten." Damals kostete eine Saison das Vater-Sohn-Team rund 450.000 Mark. Im Deutschen Formel 3-Cup auf nationalem Level, in dem mit deutlich älteren, gebrauchten Chassis und vorwiegend mit einem Einheitsmotor von Volkswagen gefahren wird, weist das Preisschild Kosten aus, die bei rund der Hälfte liegen.

Hier wie dort wird versucht, Kosten zu sparen. Für ein komplettes Rennwochenende mit Freien Trainings, Qualifyings und drei Rennen wurden in der Euroserie bislang drei Satz Reifen ausgegeben. Preis pro Satz: rund 800 Euro. Im Cup darf indes noch ein alter Satz der vorherigen Veranstaltung in den Freien Trainings verwendet werden.

Abgesehen von zwölf Testtagen herrscht in der Formel 3-EM Testverbot. Doch was die Serie teuer macht, ist der Wettbewerb. Teams, die sich gerade als Frontrunner etabliert haben, können es sich nicht leisten, im Folgejahr wieder abzusacken.

Dallara hält Chassis-Monopol

Der italienische Chassis-Hersteller Dallara hält eine Monopolstellung. Andere Fahrgestelle wie früher von Reynard und Ralt oder zuletzt von Lola und Mygale konnten nicht Schritt halten - oder sich von Beginn ihrer Markteinführung nicht durchsetzen. Damit haben alle Piloten das gleiche Auto zur Verfügung. Daraus folgt, dass in jede noch so kleine Entwicklungen viel investiert wird, besonders was die Aerodynamik betrifft. Aufwändige Studien im Windkanal sind die Folge.

Aber auch vor der Mechanik macht die Entwicklung nie halt. Spezielle Gelenkwellen oder extra-schmale Gangräder mit einer Laufzeit von unter 100 Kilometern gehören per Reglement Gottseidank der Vergangenheit an. Aber selbst wenn eine Chassis-Generation mehrere Saisons lang im Bestand bleibt, legt Dallara jedes Jahr mit einem neuen Aerodynamik-Kit nach. Dieser kostet dann jeweils um die 10.000 Euro.

Im Vergleich zur EM ist der Deutsche Formel 3 Cup vor allem in Sachen Motoren günstiger. Hier kommt ein Einheitsmotor zum Einsatz: "Volkswagen Power-Engine" heißt das Aggregat. Es kostet 32.500 Euro pro Jahr an Leasinggebühr. Nach drei Jahren gehört das Triebwerk dem Team.

"Das ist aber auch nicht der Weisheit letzter Schluss", kritisiert Teamchef Peter Mücke. "Das Teil ist mehr als 15 Kilogramm schwerer als die Motoren, die in der EM verwendet werden. Das Auto rollt damit vielmehr um die Längsachse. Und man will ja den Piloten so viel wie möglich das optimale Feeling eines Monoposto vermitteln."

Formel 3-Kilometer kostet 60 Euro

Die in der Formel 3 Europameisterschaft verwendeten Aggregate zwar leichter aber auch ein gutes Stück teurer. Sie alleine verschlingen einen Großteil des Material-Budgets. Vor zwei, drei Jahren noch kosteten die Triebwerke von Mercedes und Volkswagen rund 90.000 Euro an Leasinggebühren - pro Jahr. Der Preis für ein Auto indes, ohne Motor, aber mit Getriebe, liegt bei 100.000 Euro. Als Volkswagen 2007 in den Wettbewerb einstieg, etablierten die Wolfsburger erst mal ein eigenes Testteam.

Die Anzahl der Testtage sind ein weiteres Kriterium. Davon gibt es zwölf Stück in der EM (deren Einhaltung zu überwachen durchaus als schwierig gilt). Im Formel 3-Cup indes gibt es keine Testbeschränkungen: In der Regel wird donnerstags vor der Veranstaltung für das Wochenende geprobt.

Den höchsten Kostenaufwand stellt das Personal dar: Früher war ein gewiefter Mechaniker gleichzeitig auch meist ein guter Ingenieur. Heutzutage bilden studierte Ingenieure das Kernpersonal, ohne das nichts mehr geht. Rechnet man alle Faktoren zusammen, dann kostet ein Kilometer in der Formel 3-EM zwischen 50 und 60 Euro. Das ist schon ein kleiner Unterschied zur üblichen Pendlerpauschale von 30 Cent.

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