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Gerhard Berger exklusiv

"Viele Rennserien ohne Berechtigung"

Gerhard Berger Formel 3 Hockenheim 2013 Foto: Formel 3 45 Bilder

Gerhard Berger renoviert im Auftrag von FIA-Präsident Jean Todt die Nachwuchsklassen unterhalb der Formel 1. Mit der Formel 3 ist er schon ziemlich weit. Der Österreicher spricht mit auto motor und sport über künftige Vettels, seinen Plan mit der Formel 4 und mit welchen Probleme bei seinem Job zu kämpfen hat.

31.05.2013 Michael Schmidt
Sie sind im Auftrag der FIA verantwortlich für die Renovierung der Nachwuchsserien. Sehen Sie im Augenblick irgendwo einen neuen Vettel oder Alonso?

Berger: Nein, weil die Nachwuchsklassen nicht gut genug dafür sind. Wenn ich mit GP2-Leuten rede, dann haben die eine noch schwierigere Reifensituation als die Formel 1. Das heißt, es wird reifenschonend gefahren. In einer Nachwuchsklasse will ich aber nicht den Fahrer sehen, der am cleversten langsam fährt, sondern den, der am meisten Gas gibt. Dann gibt es neben der GP2 auch noch die Renault Weltserie 3,5 Liter. Damit teilen sich die Talente schon mal in zwei Meisterschaften auf. Damit ist es schwer zu sagen, wer wirklich ein neuer Superstar werden könnte. Ich sehe da im Moment höchstens den Red Bull-Mann Felix da Costa.

Wer gefällt Ihnen in der Formel 3 am besten? Ist da vielleicht ein künftiger Weltmeister dabei?

Berger: Da schon eher. Das ist im Moment die beste Vorstufe zur Formel 1, weil die Reifen nicht so heikel sind, die Autos dafür aber fast ein bisschen komplexer als in den beiden höheren Klassen. Da gibt es zehn starke Fahrer, und auch zwei, drei die herausstechen. Zum Beispiel Rafaelle Marciello, ein junger Ferrari-Mann. Auch in der Renault Zweiliter-Serie sehe ich vielversprechende Talente. Ich denke da an Nyck de Vries, der ein McLaren-Nachwuchsfahrer ist. Die beiden sind es. Nicht nur, weil sie auf der Strecke einen guten Job machen, sondern weil sie bereits in Teams wie Ferrari und McLaren eingebettet sind.

Wie viel Zeit wenden Sie für Ihre Aufgabe bei der FIA auf?

Berger: Zu viel. Ich bin täglich beschäftigt.

Wie sieht Ihr Idealbild aus, und wie weit sind Sie noch davon weg?

Berger: Das Idealbild sieht ganz einfach aus: Formel 4, Formel 3, Formel 2, Formel 1. Die Formel 3 ist jetzt zu 80 Prozent gut aufgestellt. Es wird noch zwei Jahre dauern, bis die fehlenden 20 Prozent geschafft sind. Der nächste Schritt muss die Formel 4 sein. Das muss weltweit auf nationaler Ebene passieren. In Europa fangen wir damit an. In drei Jahren will ich eine Formel 4- und eine Formel 3-Welt haben, die Rennfahrer aus dem Kartsport an die größeren Rennkategorien heranführt. Dann wäre es schön, wenn sich in der Zwischenzeit aus der GP2 und der Renault-Weltserie eine Klasse formieren würde, die unter der Formel 1 steht. Es wird ja in Zukunft in den Formeln 3 und 4 schon genügend ausgesiebt, dass dann eine Klasse reicht, die wirklich besten Nachwuchsleute gegeneinander fahren zu lassen. Da kann man ruhig von einem Feld mit 30 Autos sprechen.

Wie muss eine Formel 4 aussehen?

Berger: Das wichtigste ist, dass die Autos einfach zu handhaben sind, ein sicheres und modernes Monocoque haben, und dass die Aerodynamik eine Rolle spielt, aber nur in beschränktem Ausmaß. Sie sollte auf Front- und Heckflügel beschränkt sein. So lernen die Fahrer, die aus dem Kartsport kommen, dass es bei einem Rennauto nicht nur mechanischen Grip gibt. Die Motoren sollten so ungefähr 150 PS haben, 1.600 Kubikzentimeter Hubraum und seriennah sein. Das ganze muss auf einem harten Reifen stattfinden, damit die Jungs zum fahren kommen, gleichzeitig aber nicht die Kosten explodieren. Ziel sind so geringe Betriebskosten wie möglich. Heute gehen die jungen Fahrer in Simulatoren, weil sie auf der Rennstrecke nicht genügend Runden drehen können. Das ist doch verrückt. Die Jungs müssen fahren, fahren, fahren. In der GP2 haben sie nicht mehr die Möglichkeit dazu. Und in der Formel 1 auch nicht mit ihren Testbeschränkungen.

Was darf eine Formel 4-Saison maximal kosten?

Berger: Rund 100.000 Euro.

Und die Formel 3?

Berger: Idealerweise zwischen 300.000 und 400.000 Euro. Im Augenblick reden wir von 480.000 bis 580.000 Euro. Das ist zu teuer.

Und die letzte Klasse unter der Formel 1, wie immer sie auch heißt?

Berger: Unterhalb einer Million.

Auf welchem Niveau müsste eine Formel 2 technisch liegen?

Berger: Schon auf dem der aktuellen GP2 oder Renault-Weltserie 3,5 Liter. Also gut 500 PS.

Wann haben Sie diese Titanenaufgabe abgeschlossen?

Berger: Das dauert Jahre. Da ist so ein Filz vorhanden, durch den man erst einmal durch muss. Es gibt viele Rennserien drumherum, die im Prinzip keine Berechtigung haben. Es stecken aber Leute dahinter, die damit Geld verdienen und deshalb ihre Interessen haben, die sie auch verteidigen. Ich stoße da auf irre Widerstände. Das kannst du nur mit Geduld und mit einer klaren Linie lösen. Bis das zu einer sinnhaften FIA-Karriereleiter zurückgeführt ist, vergehen sechs bis sieben Jahre.

Kann man mit dem aktuellen System als Talent überhaupt noch durchmarschieren, oder braucht man reiche Eltern beziehungsweise Beziehungen zu Teams oder Sponsoren?

Berger: Die Talente marschieren immer durch. Es kann aber heute passieren, dass sich Talente mit Bezahlfahrern vermischen, und das verfälscht das Bild.

Wer heute in die Formel 1 will, muss unabhängig vom Talent ein paar Millionen mitbringen. Das kann doch nicht richtig sein?

Berger: Das war immer schon so. Bei Minardi oder Osella oder ATS hast du fürs Fahren auch bezahlen müssen.

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