Vorab:
Mir sind Up und Twingo völlig egal, genauso wie VW oder Renault.
Ich gehe daher unbefangen an diesen Test heran, ohne dass ich befürchte, dass mein Lieblingsauto oder Hersteller nicht gewinnene könnte.
Leider ist die Grenze meine Humors aber nun erreicht.
Wir erinnnern uns, kein anderes Auto wird in der VDA-Ausweichgasse (Elchtest) so brutal vom ESP zusammengestaucht wie der Up. In vorigen Tests fährt der Up mit 70 km/h rein und mit lächerlichen 38 km/h wieder raus, was zeigt, dass das ESP hier alle Bremsen voll zu tun hat, um ein Schleudern zu verhindern. Dementsprechend fällt auf, dass die ESP-Warnlampe nach "Ausschalten" des ESP nach kurzer Zeit wieder erlischt (d.h. das ESP schaltet sich gleich wieder ein). VW teilt die Bedenken in Sachen Fahrsicherheit also.
In diesem Vergleichstest des Up mit dem Twingo liegt die Ausfahrtgeschwindigkeit des Up zwar mit 41 km/h um 3 km/h höher, aber immer noch 10 km/h unter dem braven Twingo, der ja alle Nachteile wie kurzen Radstand mit dem Up teilt.
Ich persönlich finde es schon inakzeptabel, dass ams das Thema ignoriert.
Vollends lächerlich wird es dann aber, wenn der Up auch noch jede Menge Bonuspunkten für dieses Manko bekommt:
- Fahrdynamik: Der VW bekommt sogar einen Punkt mehr als der Twingo, obwohl er in keinem einzigen Fahrwert besser ist als der Twingo, im VDA-Ausweichtest um Welten schlechter.
- Für Fahrsicherheit leer bekommt der Up 3 Punkte mehr als der Twingo
- Für Fahrsicherheit beladen bekommt der Up 2 Punkte mehr als der Twingo
- Für aktive Fahrsicherheit bekommt der Up 3 Punkte mehr als der Twingo.
Das sind zusammen 9 Punkte, nicht mit eingerechnet, dass der Up eigentlich für sein Fahrwerksproblem Punktabzug gegenüber dem Twingo bekommen müsste.
Der Gipfel ist dann aber, dass der Twingo laut kritisiert wird, weil das ESP nicht bei allen Variante serienmäßig sei (dann 300 Euro Aufpreis), während der Up laut gelobt wird für ein serienmäßiges ESP, obwohl er es ja wohl auch dringend braucht um das Fahrwerksschwäche zu übertünchen. HALLO?? Alles klar in der Redaktion??
Wie gesagt, beide Autos sind mir herzlich egal.
Aber mir ist nicht egal, ob ich mein Geld für Testberichte ausgebe, die so offensichtlich das Interesse von gewissen Werbekunden vertreten, dass sie für Leser das gedruckte Papier nicht wert sind.
Ich bin als sehr langjähriger Abonnent jedenfalls mal wieder kurz davor, mein Abo zu kündigen.
Grüße
ChrisH
Willkommen, Gast. Einloggen oder registrieren.
+ Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 49
-
05.02.2012 17:23 #1
Vergleichstest VW UP / Renault Twingo
Geändert von ChrisH (05.02.2012 um 22:48 Uhr)
-
05.02.2012 21:03 #2Aktivposten
- Registriert seit
- 05.08.2008
- Beiträge
- 122
So ein Test ist für die oberflächlichen Schnell-Leser gesmacht - und nicht für den gründlichen Mitdenker.
Einfach mal die selektierte Aufpreisliste anschauen, dann weiss man, was hier dargestellt werden soll. Da werden genau die Posten aufgelistet, die der Up dem Twingo voraus hat. Die zigmal bessere Twingo-Ausstattung sieht dann auf den ersten Blick wie ein Sieg für den Up aus.
Lustig fand ich auch das Kapitel Klimatisierung. Der Up hat keine Klimaanlage, keine Mitteldüsen und Fensterheber nur zum Öffnen an der eigenen Türe - und kriegt damit genauso viele Punkte wie der Twingo, der das alles bietet.
Der Test soll wohl aussagen: Der Twingo ist gar nicht mal so schlecht, aber auch teurer wie der Up!
Für mich sagt er eher aus: Der Up! bietet nichts Neues - ausser seinem I-Phone-Look.
-
05.02.2012 23:01 #3
Ja, der Ausstattungsvergleich war auch mal wieder klasse....
Bei den fehlenden elektrischen Fensterhebern im Up dachte ich auch gleich: Ist zumindest konsequent, durch die Sparwut beim Schalter für die Beifahrerseite ist der eh überflüssig wie ein Kropf.
Und natürlich stehen wieder mal keine Testwagenpreise drin....
Aber auf Seite 4 und 5 hat VW den Test ja schließlich über eine doppelseitige Werbeanzeige bezahlt, da können die Wolfsburger dann schon Parteilichkeit erwarten für ihr vieles Geld....
-
06.02.2012 09:07 #4
Das nicht mehr dauerhaft abschaltbare ESP ist eine Seuche. Wenn ich den Blinker ausmache, dann bleibt der genauso aus wie er soll, wenn ich das ESP ausschalte geht es von allein wieder an? Darüber hab ich mich im Fiat 500 (Abarth esse esse, wohlgemerkt!) schon maßlos geärgert - es ist ja nicht so, dass man das ESP "aus Versehen" ausschaltet, sondern ganz bewusst. Wobei man bei 500 sagen muss, dass er ohne ESP wohl kaum fahrbar wäre...
Inwiefern der UP tatsächlich ein so schlechtes Fahrwerk hat lässt sich ja nachprüfen, indem man bei einem Test mal die Sicherung zieht, sofern da nicht noch jede Menge anderer Systeme mit dranhängt. Das wäre in der Tat etwas, worauf die AMS mehr Wert legen müsste - ein gutes Fahrwerk muss auch ohne ESP gut sein.....size matters
-
06.02.2012 15:25 #5Aktivposten
- Registriert seit
- 08.12.2008
- Alter
- 3
- Beiträge
- 128
Elch
Liebe Gurus!
Erstens: Das ESP beim up lässt sich nicht ausschalten.
Zweitens: Auf was kommt es beim "Elchtest" an? Das man dem Elch ausweicht, genau. Und nicht wie schnell ich danach meines Weges ziehen kann. Wenn überhaupt ist interessant, wie hoch die Eingangsgeschwindigkeit ist. Denn bis zu diesem Tempo kann man den Wagen problemlos um das Hindernis herumlenken, ohne dass er Probleme bereitet. Die Ausfahrtgeschwindigkeit ist egal. Es sei denn, man möchte danach noch irgendwelche Bestzeiten aufstellen. Wer zuvor auf letzter Rille um einen Elch herumgeschlingert ist, wird aber vermutlich erstmal eine rauchen wollen. Oder so.
-
06.02.2012 16:38 #6
Leute ... jetzt akzeptiert doch mal, dass das hier eine "führende" Autozeitschrift ist, welche in jeder Ausgabe vollgepfropft mit den Anzeigen deutscher Werbekunden ist ... und wohin führt das wohl ...
Das Jubelpersertum für deutsche Produkte ist nicht die schlechteste Wahl, bleibt das Geld des zahlenden Publikums so doch bei inländischen Firmen hängen ... und die Leute sind es zufrieden und freuen sich an den tollen Bildern ...
... und wenn ihr wirklich informiert sein wollt ... zwischen den Zeilen stehts doch (noch) ... soviel Intelligenz müssen wir schon aufbringen...
Gruß
Ulrich
-
06.02.2012 16:39 #7
Du hast nicht ganz Unrecht, da aber viele Wildunfälle auf Landstrassen passieren kann es zB bei Gegenverkehr schon ein Rolle spielen, schnell weg zu kommen. Aber natürlich geht es nicht um Bestzeiten, und es stört mich auch bei normalen Autos wenig, wenn das ESP nicht deaktivierbar ist, aber wenn du ein Auto wie einen esse esse oder einen Golf R mal abseits von Landstrassen auf abgesperrter Strecke bewegen willst, oder letzteren mal im Schnee ein wenig fahren willst, dann ist es eben mehr als nur ärgerlich, dass das System dir da ständig zwschenfunkt.
size matters
-
06.02.2012 21:23 #8
Lass es mich mal erklären:
Die VDA-Ausweichgasse ist das Umfahren eines Hindernisses: Dem Hindernis ausweichen und hinterher in deine Fahrspur wieder einscheren. Ggf. vorhandene Systeme wie ESP sind dabei an.
Das Auto wird dabei erst zur einen Seite, dann ganz schnell zur anderen bewegt, dann wieder zurück. Es kann dabei eher untersteuern oder sehr heftig übersteuern. Das Auto kann sich bei diesen drei Richtungswechseln auch aufschaukeln. Wie heftig sich das Auto aufschaukelt hängt von verschiedenen Faktoren ab, z.B. Radstand, Höhe des Schwerpunktes, Auslegung von Federn und Stabis.
Insgesamt musst Du nicht nur den Elch umfahren, sondern Du musst es schaffen, das Auto danach unter Kontrolle und auf der Straße zu halten. Um den Elch kommst Du schon herum, der Rest ist nicht mehr so klar.
Der Tempoverlust zeigt eben auch, wie stark das ESP bremsen musste, um die Sache noch zu retten und wie viel Tempo z.B. nebenbei durch Untersteuern abgebaut wurde.
Wenn Du 1 km/h mehr Eingangstempo hast kann das ESP es nicht mehr retten und du machst einen mehr oder weniger heftigen Abflug - der aber sehr verschieden aussehen kann.
Du kannst davon ausgehen, dass ein erheblicher Teil des Abbremsens beim Up nach dem Elch passiert ist, bei dem Versuch, auf der Strasse zu bleiben. Ich vermute, der Up hätte hier einen sehr starken Lastwechselschwung gezeigt, wenn ESP nicht eingegriffen hätte. Auf gut deutsch: Schleudern! Risiko bei zu hohem Eingangtempo: seitlcher Crash oder seitlicher Überschlag in den Graben.
Ein anderer Fronttriebler wäre vielleicht stärker über die Vorderachse gerutscht, bremst sich dabei schon durch das Untersteuern selbst ab, was dann bei zu hohem Eingangstempo ein Frontalaufprall bedeutet, der ungefährlicher ist. Wieder ein anderer kommt zwar mit dem Heck, aber in einer langsamen, gut beherrschbaren Art, was sich auch ohne ESP mit Gegenlenken gut abfangen lässt.
So blöd es klingt, gerade bei den ach so sicheren Fronttrieblern gibt es eine sehr hässliche Tendenz, aus Markting-Gründen viel Agilität zu schaffen, was über ein Mitlenkeffekt der Hinterachse gemacht wird. Einfacher ausgedrückt reagiert der Wagen dann sehr empfindlich auf Lastwechsel. (Bei Rennwagen mit Frontantrieb ist das normal, aber nun sind wir halt keine Rennfahrer...).
Dieser Lastwechselschwung ist in gewissen Grenzen nett, wenn man aber zu schnell ist wird es je nach Auslegung ggf. schwer zu beherrschen. Mir wird immer sehr unwohl, wenn Hersteller Fahrwerke bauen, die sie selbst für so unsicher halten, dass sie das Auto nicht ohne zwangsaktives ESP aus der Hand geben wollen.
Das Paradebeispiel dafür war der ersten Audi TT. Das war nüchtern betrachtet nur ein umgebauter Golf, der aber Sportwagen spielen sollte. Also wird etwas getrickst, z.B. hinten mit leichter Vorspur und einem harten Stabilisator. Schöne Lastwechsel für schöne Agilität. Dummerweise ist ein Anbremsen in der Querspange der Hockenheimrings (dort fiel bei "Sport auto" das Fahrwerksproblem das erste Mal auf) eben auch ein Lastwechsel. Damals hätte es fast böse gekracht.
Bei der Mercedes A-Klasse war die Sache etwas anders, ein kurzes, schmales Auto, aber durch den Sandwich-Boden sehr hoch und mit hohem Schwerpunkt. Ganz schlechte Voraussetzungen - was ein Ingenieur aber eigentlich wissen sollte.
Das gleich in grün kurz danach beim Smart.
Alles drei waren konstruktive Probleme, alle drei wurden zumindest teilweise durch ein nicht abschaltbares ESP "gelöst", anstatt die Ursache zu beseitigen.
Zwei fragen sollte man sich stellen:
Was passiert wenn ich 2 km/h zu schnell bin?
Was passiert, wenn das ESP ausfällt?
Beim Up will ich aus der Ferne keine Diagnose aufstellen. Aber da keiner seiner bisher 4 Testgegner (alle von ganz ähnlicher Größe) das Problem hatte kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass hier irgendwas nicht koscher ist. Es hängt sicher nicht einfach an dem kurzen Radstand.
Um Missverständisse zu vermeiden: Ich befürworte keine sturen Untersteuerer. Ich fahre selbst Hecktriebler, und der Bereich jenseits der Haftgrenze der Hinterachse ist mir bestimmt nicht fremd.
Ich befürworte lediglich eine "gute Fahrbarkeit", die immer vom Fahrwerk kommen sollte, nie vom ESP.
ESP ist ein Redundanz-System für Notfälle, kein Kostenbremse für die Abteilung Fahrwerksentwicklung!
Grüße
ChrisH
P.S.:
Ich will noch kurz anfügen: Wenn die AMS-Redaktion glaubt, dass aus irgend einem Grund das ganze harmlos sei, dann gehört das bei so auffälligen Testwerten in dem Artikel eben diskutiert.
Die rigide Haltung von VW in Sachen ESP-Abschaltbarkeit spricht aber eindeutig gegen die harmlose Variante!Geändert von ChrisH (06.02.2012 um 21:52 Uhr)
-
07.02.2012 19:00 #9
Über die Hälfte meiner automobilen Zeit habe ich mit Autos aus dem VW-Konzern durchlebt. Von den Hecktrieblern über den ersten Polo und diverse Golfs.
Bei Polo/Golf gab es keine Situation, die ich ohne ESP nicht gemeistert hätte, die Fahrwerke waren ohne Fehl und Tadel und schon auf Grund des Gewichtes leichtfüßiger als heute. Mit meinem damaligen Golf 2 GT, der noch nicht mal ABS hatte, habe ich bei einem Fahrsicherheitstraining Anfang der Neunziger im ÖAMTC-Sicherheitszentrum in Saalfelden gegen teilweise wesentlich stärkere Konkurrenz mal gezeigt, was fahrtechnisch machbar ist. Eine damalige Bekannte meinte, mein Fahrstil sei der langweiligste, weil ich stets in der Spur blieb bzw das Auto leicht in diese dirigieren konnte. Dies toppte ich an gleicher Stelle 2001 noch einmal mit meinem Audi 90 Quattro 2.3 20V.
Wenn ich dann damals von gravierenden Fahrwerksproblemen des ersten Audi TT lesen musste oder heute feststellen muss, dass ein ESP gar nicht mehr abschaltbar ist oder ein nagelneuer Up von seinen ESP so zusammengestaucht wird, dass er nur noch eine Ausfahrgeschwindigkeit knapp oberhalb eines Pedelecs aufweist, dann komme ich gedanklich ausgesprochen ins Schleudern.
Irgend was läuft doch verkehrt - und es nutzt da nicht das Geringste, wenn ams zu all dem den heimtückisch schweigenden Jubelperser abgibt.
Solche Ergebnisse umgemodelt zur real existierenden Surreal-Wirklichkeit - diese 180°-Umdrehung der Wahrheit - ist das, was mir und Vielen in Sichtweise auf die Politik zum Verdruss zum Hals heraus hängt!
Nebenbei: der Twingo wäre mir um ein Vielfaches lieber als der missgestaltete Zwerg von VW..
-
08.02.2012 06:38 #10Meinungsmacher
- Registriert seit
- 17.09.2008
- Beiträge
- 1.160
Es scheint der Fluch der Jetztzeit zu sein, dass die Unzulänglichkeiten bzw. Fehlentwicklungen der Hersteller bei Design und Entwicklung von Neuerscheinungen mittels elektronischer "Gehhilfen" kompensiert werden müssen oder aber ins praxisuntaugliche und manchmal sogar absurde abgleiten:
1) untaugliche Fahrwerke müssen per ESP "fahrbar" gemacht werden
2) unübersichtliche Karosserien müssen mit Sensoren und Kameras ringsum bestückt werden, damit man wenigstens die Basics des Autofahrens einigermassen hinbekommt
3) grössere und schwerere Autos müssen mit stärkeren Motoren bestückt werden, damit wenigstens die
Fahrleistungen der Vorgänger erreicht werden
4) durch die momentan so angesagten coupéhaften abfallenden Dachlinien verringern sich die Platzverhältnisse für die Fondpassagiere und die Volumina bei Kombis
5) extrem grosse Frontscheiben (die bei manchen Modellen bis weit ins Dachgezogen sind - warum auch immer??) bedingen leistungsstarke Klimaanlagen, damit man es bei Sonne überhaupt aushält
6) durch die immer grösseren Reifendimensionen würde der Platz im Kofferraum erheblich eingeschränkt - also werden Noträder im Wurstscheibenformat mitgeliefert oder gleich ganz darauf verzichtet (Tirefit-System). Mit beidem ist man stark eingeschränkt (Tempo, Reichweite). Und komme mir bitte keiner mit dem Argument der Gewichtseinsparung. Jeder Multikontur-Massage-Belüftungssitz mit 18-facher elektrischer Verstellung ist schwerer als ein normales Reserverad.
Zu all dem liest man keine wirkliche Kritik der Herren Redakteure, ganz im Gegenteil: jeder noch so bescheuerte Sch...dreck wird bejubelt. Hauptsache es ist chic/hip/trendy und man kann die Farben der Instrumentenbeleuchtung individuell einstellen. Und (Pseudo-)Sportlichkeit ist natürlich das Gebot der Stunde, jede noch so biedere Familienlimousine soll gefälligst nordschleifentauglich sein, muss mindestens 200 rennen und die 100er-Marke in weniger als 8 sec erreichen... Damit Mutti die lieben Kleinen standesgemäss in die Kita bringen kann und zum Supermarkt oder ins Büro fährt.
Ach ja, fast hätte ich es vergessen: der Spassfaktor muss auch gegeben sein (Überschrift: "Wie hoch ist der Spassfaktor im 60-PS-Up! ?"
Wie irre ist eigentlich die Generation Playstation in Stuttgart?Navigation ist, wenn man trotzdem ankommt...



Zitieren

Lesezeichen