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Kaufberatung Borgward (Lloyd) Arabella

Die Kleine Schwester

Foto: Frank Herzog, Archiv Kurt Vogel 10 Bilder

Ob in 38-PS-Ausführung, als de-Luxe-Modell oder in abgespeckter 34-PS-Variante – die Arabella ist schrauberfreundlicher als so mancher Ex-Konkurrent. Der reizvolle, selbst nach heutigen Gesichtspunkten alltagstaugliche Kleinwagen ist eine Rarität, das Angebot entsprechend dünn.

17.04.2009 Powered by

Karosserie-Check

Ende 1959 sorgten massive Undichtigkeiten im Fuß- und Kofferraum für Aufruhr unter den ersten Arabella-Kunden. Die Bremer Techniker konnten die Probleme zwar schnell orten – der Blick unter die Fußmatten zeigt, ob und wie viel Wasser dort eingedrungen ist. Karosserie-Insiderwissen ist für Restauratoren in spe aber nicht vonnöten, denn verborgene Hohlräume und versteckte Rostnester besitzt die Arabella dank ihres Zentralrohrrahmens nicht. Die gute Nachricht: Kotflügel und Dach sind verschraubt, die Flex kann zum Zerlegen also im Regal bleiben. Leider ist oft die gesamte Unterkante der Karosserie morsch, die allermeisten Kotflügel sind an der Unterseite radlaufseitig durchgefault - außen sichtbare Blasen verraten, wo der Rost langläuft. Häufig ist auch die A-Säule hinter den vorderen Kotflügeln bis zur Radlaufoberkante böse perforiert, an den hinteren Exemplaren bröselt es in der Regel an den Endspitzen.

Die Schwachstelle der Türen sind der untere Falz, zwischen Dreiecksfenster und Verkleidung reißt das Blech gern ein. Im Motorraum outen sich neben der Batteriehalteplatte häufig Blechpartien an der Heizung als Rostopfer. Genau zu checken sind zudem die hinteren Stoßdämpferdome, Löcher und morsche Stellen am Kofferraumboden und an den Sitzmulden sind ebenfalls die Regel. Wer aber tatsächlich auf einen morschen Querholm oder handfesten Rostfraß am Zentralrohr stoßen sollte, kann Rettungsaktionen getrost abhaken - eine derartig marode Baustelle taugt nur noch zum Ausschlachten.

Technik-Check

"Das Auto hat das schlechte Image nicht verdient", erklärt Typenreferent Joachim Krah, der vor Novotex-Stirnrädern warnt, die, wohl falsch gelagert, ruckzuck schrottreif sind - in der Regel hält das Kunststoffrad 80.000 Kilometer. "Ein Bekannter war kaum gefahren, als das typische Zahnflankentackern wieder da war." Eine knackende Lenkung, schlimmstensfalls fiese Klappergeräusche deuten auf ausgeschlagene Antriebsgelenke. Neuteile von Joachim Wolfsgruber, der homokinetische Antriebswellen auch für den Lloyd 600 fertigt, schaffen Abhilfe.

Bastlerfreaks montierten gern eine VW-Käfer Kupplung, erkennbar am erhöht stehenden Pedal; der rasche Verschleiß am Ausrücklager sprach sich erst später herum. Bei dem am Lenkrad geschalteten Getriebe, im ersten Fertigungsjahr Grund fürs ruinöse Image, achten Insider auf die später verwendete Kennzeichnung B bzw. D am Flansch - die hakelige Schaltung samt mangelhafter Synchronisation, gerade beim Runterschalten vom dritten in die zweite Stufe, ist normal. Der Boxermotor mit seitlich angebautem Kühler gilt als ingesamt standfest, den senkrecht eingebauten Ölfilter, der im Stillstand leerläuft, gibt es nicht mehr. Manche Besitzer modifizieren einen Champion X 307-Filter, andere verschließen den Flansch und wechseln öfter.

Preise

Die Borgward Arabella ist eine klassische Außenseiterin. Erst seit ein paar Jahren ist die Szene sich der Bedeutung dieses Borgward-Meilensteines bewusst, was sich in deutlich gestiegenen Preisen ausdrückt. Die Arabella nahm das fortschrittliche Alfasud-Konzept (Frontantrieb, Vierzylinder-Boxermotor) mehr als zehn Jahre vorweg. Das Topmodell in Leistung und Begehrlichkeit ist natürlich die seltene Arabella de Luxe mit 45 PS und behaglicher Innenausstattung. Gute Exemplare kosten laut Classic Data inzwischen 8.000 Euro. Einfache Modelle mit 34 oder 38 PS gibt es bereit um 5.000 Euro. Insgesamt wurden 47.042 Arabella gebaut, die weitaus meisten von ihnen unter der Marke Lloyd.

Bei Einführung 1959 (Borgward (Lloyd) Arabella de Luxe)
5.250 Mark
Bei Produktionsende 1963 (Borgward (Lloyd) Arabella de Luxe)
4.700 Mark

Ersatzteile

Die Ersatzteilsituation ist äußerst schlecht. Neues ist in der Regel nirgends mehr aufzutreiben, für Gebrauchtes sind Glück und die richtigen Adressen notwendig. Entsprechend empfiehlt es sich, dem Borgward- respektive Lloyd-Club beizutreten und bei Treffen vor Ort zu sein. Ganz düster sieht es mit Chromzierrat wie Stoßstangen oder Radkappen aus, eine gebrauchte Tür ist etwa für 100 Euro, ein Kotflügel für 150 Euro aufzutreiben. Manches wie die Kupplung wird von Zeit zu Zeit nachgefertigt und ist über Spezialisten wie Horst Koch erhältlich. Auch die Auspuffanlage soll wieder gebaut werden. Dazu sucht Dr. Mihály Györy-Kiss (Telefon 02 11/4 08 02 69, Email autodus@gmx.de) einen nackten Motorblock, um Krümmer und Winkel anzupassen. Der Sammler Dieter Schmiedel (Tel. 0 23 74/50 68 48) hat noch jede Menge Teile.

Schwachpunkte

  1. Kotflügel
  2. Schweller
  3. Spritzwand
  4. Fußraum
  5. A-Säule
  6. Türen-/Türscharniere
  7. Kofferraumboden
  8. Vordere Sitzmulden
  9. Getriebe
  10. Kupplung
  11. Stirnrad
  12. Antriebsgelenke

Wertungen

Alltagstauglichkeit
Ersatzteillage
Reparaturfreundlichkeit
Unterhaltskosten
Verfügbarkeit
Nachfrage

Fazit

Ob in 38-PS-Ausführung, als de-Luxe-Modell oder in abgespeckter 34-PS-Variante – die Arabella ist schrauberfreundlicher als so mancher Ex-Konkurrent. Der reizvolle, selbst nach heutigen Gesichtspunkten alltagstaugliche Kleinwagen ist eine Rarität, das Angebot entsprechend dünn.

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