Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Kaufberatung Mercedes-Benz 500 E (W124)

"Feuer und Seide" - der stärkste W124

Mercedes-Benz 500 E (W124), Baujahr 1991 Foto: Hardy Mutschler 16 Bilder

Der 500 E wandelte sich vom Wertverlust-Champion zum begehrten Sondermodell. Die Preise steigen, aber das Gros des Angebots ist zwiespältig. Rost ist kaum ein Thema, aber dafür Wartungsstaus, verbrauchte Technik und kaschierte Unfallschäden. Die Unterhaltskosten sind hoch.

15.10.2009 Powered by

Karosserie-Check

Der Beobachtung nach sind die manufakturgefertigten 500 E-Modelle weit weniger rostanfällig als ihre profanen Brüder. Allenfalls unter den Abdeckkappen der Wagenheberaufnahmen blüht bisweilen der Rost, man sollte sie deshalb vor dem Kauf mit einem Schraubendreher öffnen. Die Kotflügel rosten gern vorn in den Winkeln neben Blinker und Stoßfänger und die Unterseite des Heckscheibenrahmens ist ebenfalls in den Ecken der Seitenteile manchmal von Korrosion befallen. Es empfiehlt sich, diese Schwachstellen bei geöffnetem Kofferraumdeckel und beiseite geschobenen Dichtungsgummi zu prüfen. Die Verbundglasscheiben verlieren im Laufe der Jahrzehnte ihr Vakuum und laufen milchig an. Ein so engagiert bewegter Wagen wie der 500 E scheint empfänglich für Unfallschäden zu sein. Deshalb gilt es vor dem Kauf genau Spaltmaße und Lackflächen zu kontrollieren sowie die vorderen Längsträger und die Feder- respektive Stoßdämpferdome auf Stauchungen zu untersuchen. Das gilt auch für den Kofferraumboden im Bereich der Reserveradwanne. Steinschläge in der Scheinwerferstreuscheibe oder gar Bruchspinnen lassen sich durch Tausch leicht beheben. Originalität wird von Liebhabern gerade beim 500 E hoch bewertet. Weiße Blinker und geschwärzte Rückleuchten sind dabei Geschmackssache und lassen sich leicht tauschen. Extreme Breitreifen belasten Spurstangen und Traggelenke noch mehr. Der wertvoll ausstaffierte Innenraum zeigt insbesondere beim seltenen serienmäßigen Sportline-Karo-Stoff massive Verschleißerscheinungen, das Wurzelnussfurnier ist häufig gerissen.

Technik-Check

Der fortschrittlich konstruierte M119-Vierventil-Alu-Motor mit hydraulischen Tassenstößeln erreicht mühelos Laufleistungen von mehr als 300.000 Kilometern. Sensibel ist er allenfalls im Bereich der Steuerketten-Führungsschienen und der Ventilschaftdichtungen. Auch wird die Stirnseite des Motors (Steuerkettengehäuse) leicht ölundicht. 500 E gibt es nur mit Viergang-Automatikgetriebe, ein problemloses und haltbares Aggregat, auf regelmäßigen ATF-Ölwechsel besteht. schwere Mittelklasse-Mercedes mit Oberklasse- strapaziert Traggelenke, Spurstangenköpfe Fahrwerksbuchsen über Gebühr, vor allem, artgerecht bewegt wird. Tausende feiner Steinschläge auf der Frontpartie sind ein Indiz für verschleißfördernden Volllastbetrieb des bei 250 km/h abriegelnden Wagens. Problematisch sind im Alter auch die vielen elektrisch betätigten Komfortextras und die zahlreichen Steuergeräte für den V8-Motor und seine Peripherie. Trotzdem ist der 500 E noch ein Stück von der Komplexität eines W 140 entfernt. Leider lassen sich Lebensdauer und reibungslose Funktion der Elektronikkomponenten etwa für ABS, ASD oder die Bosch LH-Jetronic durch regelmäßige Wartung kaum beeinflussen.

Preise

Der Mythos des Mercedes 500 vom bei Porsche gebauten High Performace Car treibt die Preise langsam in die Höhe. Obwohl kein Homologationsauto, ist er der begehrteste aller W 124 und mit einer Stückzahl von nur 10.479 Exemplaren auch einer der seltensten. Trotzdem ist ihm ein 320 CE-Cabriolet inzwischen preislich dicht auf den Fersen. Rund 18.000 Euro kostet ein Top-Auto vom Typ 500 E, welches schwer zu finden sein dürfte, weil er kein gehätscheltes Freizeit-Mobil war, sondern als Vielfahrer-Auto diente. Puristen bevorzugen den frühen 500 E. Vorsicht jedoch bei Wartungsstau, der sich wegen des einst hohen Wertverlusts oft einstellt. Der 500 E genießt ein Alleinstellungsmerkmal wie einst der 300 SEL 6.3 - das bedeutet sicheren Wertzuwachs. Der nur halb so teure 400 E gilt als Geheimtipp für Kenner. Der E 500 Limited Edition (500 Stück) wird zusammen mit dem E 60 AMG am höchsten gehandelt.

Bei Einführung 1990 (Mercedes-Benz 500 E)
134.520 Mark
Bei Produktionsende 1993 (Mercedes-Benz E 500)
145.590 Mark

Ersatzteile

Obwohl der 500 E die Krönung der Baureihe W 124 darstellt, wir er von Kennern gern als eigene Baureihe verstanden. Es ist ein quasi ein R 129 mit einem Limousinenkleid. Trotzdem gibt es keinen Teile-Engpass. Das Meiste ist, wie bei Mercedes-Benz üblich, innerhalb von 24 Stunden lieferbar. Die Preise sind günstig, nur 500 E-spezifische Ersatzteile kommen in der Regel teuer. Generell ist der Wartungs- und Reparturaufwand beim 500 E nicht zu unterschätzen. Das einst rund 140.000 Mark teure Auto bietet eine Fülle komplexer Ausstattungsmerkmale und ist mit einem zivilen 300 E keinesfalls zu vergleichen. Doch die Talsohle der Preisentwicklung ist seit etwa fünf Jahren überschritten. Dennoch ist der 500 E immer noch ein Geheimtipp, weil sein distinguierter Auftritt nicht alle anspricht.

Schwachpunkte

  1. Kotflügel vorn, Stehbleche
  2. Wagenheberaufnahmen
  3. Heckscheibenrahmen unten
  4. Dämpferbeinaufnahme
  5. Front- und Heckscheibe
  6. Kofferraumklappe undicht
  7. Lenkungsspiel
  8. Ölverlust/Ölverbrauch
  9. Traggelenke, Buchsen
  10. Bosch LH-Jetronic
  11. Kraftstoffpumpe (Standsch.)
  12. Wurzelnussfurnier (Risse)
Mercedes-Benz 300 E

Wertungen

Alltagstauglichkeit
Ersatzteillage
Reparaturfreundlichkeit
Unterhaltskosten
Verfügbarkeit
Nachfrage

Fazit

Der 500 E wandelte sich vom Wertverlust-Champion zum begehrten Sondermodell. Die Preise steigen, aber das Gros des Angebots ist zwiespältig. Rost ist kaum ein Thema, aber dafür Wartungsstaus, verbrauchte Technik und kaschierte Unfallschäden. Die Unterhaltskosten sind hoch.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk