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Kaufberatung Mercedes 170V, 170D, S-V, S-D

Volks-Mercedes

Foto: Dieter Raith 13 Bilder

Der W 136 gilt als robusteste und dauerhafteste Mercedes-Konstruktion überhaupt. Niedrige Leistung, hohe Blechstärken und ein steifer Rahmen trotzen den Jahrzehnten. Doch die Spontan- Restaurierungen der Siebziger und heimliche Kilometer-Millionäre brauchen bald eine Kur.

17.04.2009 Powered by

Karosserie-Check

Die Vorkriegsmodelle des 170 V wurden noch teilweise in der sogenannten Gemischtbauweise hergestellt, das heißt ein Holzgerippe aus Eschen- oder Buchenholz für Dach, Spitzwand, Kofferraumboden oder A- und B-Säulen wurde mit Blech verkleidet. Diese Bauart macht die Substanz anfällig für Fäulnis, die sich erst beim Zerlegen offenbart – und die kostspielige Stellmacherarbeiten bei der Restaurierung erfordert. Die Ganzstahlmodelle der Nachkriegszeit sind deutlich problemloser zu restaurieren.

Grundsätzlich zeigt sich der massive X-Form-Ovalrohrrahmen, typisch für viele Mercedes- Vollschwingachser der dreißiger und fünfziger Jahre, als unzerstörbar. Das gilt aber nicht für die Anbauteile wie Türen, Hauben und Kotflügel. Trotz einer Blechstärke von bis zu 1,5 Millimeter neigen sie zum Rostbefall. Ebenso sind die kastenförmigen Türschweller, die Wagenheberaufnahmen und der Kofferraumboden betroffen. Der 170 wurde bereits in den späten 60er und in den 70er Jahren als typisches Auto im Vorkriegsstil entdeckt und restauriert. Die Arbeiten erreichen längst nicht das aktuell perfektionistische Niveau und orientierten sich oft am damals noch bescheidenen Marktwert.

Der potenzielle Käufer sollte also besonders auf genietete Bleche oder improvisierte Reparaturen mit Glasfasermatten achten. Originalität spielt inzwischen auch eine große Rolle. Bezüge, Türverkleidungen, Dachhimmel und Anbauteile wie Spiegel, Scheinwerfer und Rückleuchten sind genau zu untersuchen. Bei Scheunenfunden gilt es die erheblichen Restaurierungskosten trotz des scheinbar simplen Aufbaus zu beachten.

Technik-Check

Die Technik der 170 V-Modelle ist simpel und robust, jedoch ohne die Mercedestypische Brillanz konstruiert. Ihre Haltbarkeit ist legendär. Die Motoren (zunächst 38 PS beim Benziner und beim Diesel, bei niedertourigen 3.600 respektive 3.200 Touren) haben bei schonender Behandlung und regelmäßiger Wartung das ewige Leben gepachtet.

Lagerschäden sind selten, kommen aber beim Diesel häufiger vor – der Öldruck sollte bei warmen Motor nicht unter 1,5 bar fallen. Wichtig ist generell, dass die Kompression des OM 636 stimmt, kein Ölbläuen erkennbar ist und keine unnatürlichen Klappergeräusche zu hören sind. Das fällt jedoch beim laut nagelnden Diesel nicht leicht. Dessen Einspritzpumpe ist im Überholungsfall ein recht kostspieliger Posten.

Wichtig ist auch, dass bei Kolben und Zylindern das letzte Übermaß für eine Revision noch nicht erreicht ist. Das Fahrwerk ist wegen der zahlreichen Schmiernippel wartungsintensiv. Dies wird zwar von der Zentralschmierung per Knopfdruck des Fahrers regelmäßig erledigt, oft wurde sie jedoch wegen ihrer Störanfälligkeit stillgelegt. Die Getriebe sind laufruhig und langlebig, mitunter wurde auf die Vollsynchronboxen der Nachkriegsmodelle umgerüstet.

Preise

Abgesehen von den Cabriolets A (104.000 Euro) und B (70.000 Euro) und diversen Sonderaufbauten wie Pritsche, Kastenwagen oder Kombiwagen ist die Mercedes 170 S-Limousine als Benziner das gesuchteste Modell der W 136-/W 191-Baureihe. Rund 27.000 Euro werden in gutem Zustand dafür gefordert. Die urtümlichen Vorkriegs-V-Modelle liegen mit 28.000 bis 30.000 Euro noch leicht darüber. Bezeichnend ist laut Classic Data ein stetiger, deutlicher Wertzuwachs seit 2000. Wichtig für den erzielbaren Preis sind heutzutage die Qualität der Restaurierung, eine gute Historie und eine hohe Originalität im Detail. Geringe Unterhaltskosten machen den 170 für viele Vorkriegsfans noch attraktiver.

Bei Einführung 1936 (170 V Viertürer)
3.850 Reichsmark
Bei Produktionsende 1955 (170 S-V)
8.300 D-Mark

Ersatzteile

Die Ersatzteilsituation für den W 136 zeigt sich Mercedes-typisch für alle Technik-Parts recht entspannt, wobei Vorkriegsmodelle noch die meisten Probleme machen. Denn bis 1955 wurde der Evergreen 170 in vielen Varianten auf den Markt gebracht, die sich in kleinen Details unterscheiden. Das erschwert heutzutage die Lagerhaltung beim Mercedes- Benz Classic Center, das bemüht ist, alle Baugruppen schnell zu liefern. Außerdem sind die 170er nicht solche Publikumslieblinge wie etwa ein 190 SL – Nachfertigungen lohnen daher kaum.

Karosserie, Ausstattungs- und Zierteile bereiten Probleme, doch bieten spezialisierte Händler wie Werner Karasch in Gelsenkirchen oder Heinrich E. Niemöller Ing. in Mannheim Abhilfe. Auch Wolfgang Westphal in Pattensen, Kirschinger & Sohn sowie Schulz und Mix kümmern sich um den Typ 170. Adressen und Telefonnummern der genannten Firmen finden sich im Anzeigenteil Motor Klassik-Markt.

Schwachpunkte

  1. Kotflügel vorn und hinten
  2. Türen und Hauben
  3. Holzgerippe( Vorkriegsautos)
  4. Schweller, B-Säule
  5. Kofferraumboden
  6. Kurbelwellenlager
  7. Einspritzpumpe (Diesel)
  8. Lenkgetriebe
  9. Vorderachse, Zentralschmierung
  10. Hinterachse (Differenzial)
  11. Polsterstoffe (Originalität)
  12. Restaurierungsmängel

Wertungen

Alltagstauglichkeit
Ersatzteillage
Reparaturfreundlichkeit
Unterhaltskosten
Verfügbarkeit
Nachfrage

Fazit

Der W 136 gilt als robusteste und dauerhafteste Mercedes-Konstruktion überhaupt. Niedrige Leistung, hohe Blechstärken und ein steifer Rahmen trotzen den Jahrzehnten. Doch die Spontan- Restaurierungen der Siebziger und heimliche Kilometer-Millionäre brauchen bald eine Kur.

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