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Kaufberatung Mercedes S-Klasse - W 116

Stützen unserer Gesellschaft

Mercedes-Benz 350 SE, Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 Foto: Hardy Mutschler 10 Bilder

Die Autorität des eindrucksvollsten S-Klasse-Mercedes aller Zeiten ist ungebrochen. Das gilt für den 6.9 sowieso, aber selbst ein 350 SE bietet das Vollmaterial-Ambiente und die souveräne Motorisierung eines Flaggschiffs.

28.04.2009 Powered by

Karosserie-Check

Mit dem Karosseriezustand steht und fällt die Kaufentscheidung für den großen Mercedes der S-Klasse. Mangelnde Hohlraumkonservierung (außer bei in die Schweiz ausgelieferten Autos) und eine bis 1976 schlechte Blechqualität machen den 116ern im Alter schwer zu schaffen. Meist treten die Korrosionsmängel mehr oder weniger offen zu Tage, aber das Gros des 116er-Marktes dominieren reparierte und teilrestaurierte Exemplare. Bei ihnen ist besonders genau zu prüfen, ob preiswert mit Überzugsblechen gearbeitet oder ob der Rost von Grund auf saniert wurde. Allein im Frontbereich gilt es, auf etliche kritische Punkte zu achten. Dazu zählen die Traverse vor dem Kühler, die Frontschürze oder der Bereich um die vorderen Blinker.

Nach dem Öffnen der Motorhaube verdienen die Stehbleche und die Spritzwand einen Blick. Als besonders heikel gelten die Befestigungspunkte von Querstabilisator und Querlenker, die sogar durchrosten können. Die Innen- und Außenschweller samt Wagenheberaufnahmen sind die Achillesferse auch gepflegter 116er, meist werden nur die Außenschweller ersetzt und die Innenschweller notdürftig vom Innenraum aus repariert. Die Türböden gammeln über der Gummidichtung auf der Innenseite regelmäßig durch, Radläufe und Endspitzen gehören ebenso zum umfangreichen W116-Rostrepertoire wie Teile der Hinterachsaufnahme. Feuchte Kofferräume sind fast normal, schwerwiegender sind dagegen Verschleißerscheinungen des Interieurs wie Risse in der Instrumentenbrettauflage und durchgewetzte oder ausgeblichene Velours- oder Stoffpolster.

Technik-Check

Die V8-Motoren mit Graugussblock vom Typ M 116 (350 SE), M 117 (450 SE) und M 100 (6.9) zeichnen sich dank ihrer geringen Literleistung durch Robustheit und Langlebigkeit aus, doch sollten sie regelmäßige Wartung genießen. Der Öldruck sollte bei den warmgefahrenen Achtzylindern im Leerlauf oder N-Stellung bei mindestens 1,5 bar liegen, der Ölverbrauch sollte maximal 1,5 Liter auf 1.000 km betragen. Hydrostößel erhielten M 116 und M 117 erst ab 1976, der 6.9 war von Anfang an damit ausgerüstet. Die Peripherie-Aggregate bereiten mehr Probleme.

Lange Standzeiten machen der K-Jetronic zu schaffen, bei der älteren D-Jetronic (bis Anfang 1976) kommen im Fall eines Defekts auch noch Ersatzteilprobleme hinzu. Probleme in der Gemischaufbereitung machen sich durch unrunden Leerlauf, schlechte Gasannahme und hohen Verbrauch bemerkbar. Die Dreigang-Automatikgetriebe sind robust und halten bei umsichtiger Behandlung so lange wie die Motoren, verschobene Schaltpunkte lassen sich durch Einstellung der Bremsbänder korrigieren. Beim 6,9-Liter hat die hydropneumatische Federung erheblichen Mehraufwand bei Wartung und Reparatur zur Folge. Ein Überholen des M 100 verschlingt bis zu 20.000 Euro.

Preise

Die Preise steigen kontinuierlich. Das gilt jedoch nur für gute Autos ab Zustand drei mit mäßiger Kilometerleistung, attraktiven Farben und beliebten Extras wie Automatik, Schiebedach, Velours- oder Lederpolsterung. Die schlechteren dümpeln um die 2.000-Euro-Grenze, sind oft zusammengeschweißt und haben eine verbrauchte Technik - nur etwas für Einsteiger und um auf den Geschmack zu kommen, was die Faszination W 116 ausmacht. Der 350 SE ist im Schnitt billiger als ein 280 SE, das macht ihn zum Geheimtipp. Gerade 350 SE mit sogenannter Buchhalterausstattung finden sich sogar vereinzelt in Bestzustand mit wenig Kilometern. Sie kosten dann 8.000 bis 10.000 Euro. Beliebt und relativ teuer ist der 450 SEL. Der Typ 6.9 ist ein rarer Sonderfall mit rasanter Preisentwicklung. Erst spät erkannte man sein enormes Potenzial.

Bei Einführung 1972 (Mercedes-Benz 350 SE)
28.900 Mark
Bei Produktionsende 1980
40.700 Mark

Ersatzteile

Zum Prinzip Mercedes gehört im Ersatzteilverkauf der Satz: „Morgen können Sie es abholen.“ Das gilt wie selbstverständlich für den W 116 – ein Modell, das seit fast 30 Jahren aus der Produktion ist. Für allen technischen Ersatz und für die meisten Ausstattungs- und Zierteile gilt dieses Versprechen. Bei der Vielfalt der Farben und Materialien, die auch im Zuge der Modellpflege geändert wurden, kommt es vor, dass bestimmte Polsterstoffe nicht mehr lieferbar sind. Die Preise steigen seit einiger Zeit deutlich an, so dass Gleichteile vom freien Markt unter Bosch-, Hella-, Varta- oder LuK-Label die günstigere Alternative sein können. Auch spezialisierte Teilehändler wie etwa Heinrich E. Niemöller Ing. in Mannheim, www.niemöller.de, treten beim W 116 mittlerweile auf den Plan. Bei 473 035 produzierten Autos (mit 300 SD) sind Schlachtfahrzeuge übrigens keine Seltenheit.

Schwachpunkte

  1. Kühlertraverse
  2. Stehbleche im Motorraum
  3. Außen- und Innenschweller
  4. Türböden
  5. Radläufe und Endspitzen
  6. Schiebedachrahmen
  7. Interieurmängel
  8. Ölverbrauch/Ölverlust
  9. Schaltpunkte (Automatik)
  10. Diff erenzialgeräusche
  11. Lenkspiel zu groß
  12. Ausgeschlagene Vorderachse
Mercedes-Benz 350 SE

Wertungen

Alltagstauglichkeit
Ersatzteillage
Reparaturfreundlichkeit
Unterhaltskosten
Verfügbarkeit
Nachfrage

Fazit

Der 350 SE hat in der 116er-Szene Geheimtippcharakter. Er ist neben dem 280 S die preiswerteste Möglichkeit, S-Klasse zu fahren. Der 450 SEL 6.9 gilt inzwischen als begehrte Hochpreis-Ikone. Beide leiden unter einer rostanfälligen Karosserie und hohen Wartungs- und Reparaturkosten.

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