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Mercedes SLC (C107) ab 12.000 Euro im Check

Schönling mit tückischer Karosserie

Mercedes-Benz 350 SLC , Frontansicht Foto: Hardy Mutschler 15 Bilder

Der Mercedes SLC wurde gebaut, bevor sich die Rostvorsorge beim 107er besserte. Seine Karosserie ist tückisch, die aufwendige Technik will Pflege. Dank der großen Szene gibt es viele Ansprechpartner.

26.02.2016 Alf Cremers 1 Kommentar Powered by

Der SLC polarisiert die Mercedes-Fans

Die Form schien mutig. Mercedes verabschiedete sich bei den Coupés von der klassischen Kühlerära. Der Mercedes SLC polarisierte anfangs, zu viele Design-Gags, Lamellen und Riffelungen rundum. Erst jetzt begreift man die subtile Schönheit seiner Linien.

Wenn ein Mercedes SLC vorfährt, dann entbrennt selbst unter Mercedes-Fans stets eine Design-Diskussion. Diese seltsamen Lamellen-Seitenscheiben, das runde Glaskuppel-Heckfenster, die zu breiten Hüften über den Hinterrädern und der etwas zu lange Radstand werden gerne kritisiert. Auch der Vergleich mit seinem talentierteren und erfolgreicheren Bruder SL macht ihm zu schaffen. Reicht es nicht, dass er nur halb so begehrt, halb so teuer ist wie der offene Zweisitzer?

Geheimnisvolle Spannung durch Glaskuppel und Lamellen

Es ist endlich an der Zeit, ihn schön zu finden. Auch dafür gibt es gute Gründe. Ästheten sprechen von wahrer Schönheit, wenn idealen Proportionen und vollkommenen Details ein paar kleine Ungereimtheiten beigemischt sind. Lamellen und Glaskuppel erzeugen diese geheimnisvolle Spannung. Wer jetzt immer noch nicht von der Attraktivität des Mercedes SLC überzeugt ist, sehe ihn bitte in natura aus wechselnden Perspektiven an. Auch der erste Prospekt von 1972 inszeniert das Coupé verführerisch.

Damals repräsentierte er stilistisch wie technisch den radikalen Fortschritt der 70er und ließ seinen klassizistisch gestylten Vorgänger 280 SE 3.5 Coupé über Nacht alt aussehen. Heute liegt das Handicap des Mercedes SLC auch im Stilbruch von Palisander auf Plastik und von Kunsthandwerk auf Großserie. Das wird in vielen Karosseriedetails sichtbar. Beim Fahren vergisst man dieses Handicap rasch.

Im Grenzbereich neutral

Der Mercedes SLC ist unerhört komfortabel und fahrsicher. Er fährt sich mit dem lässigen Leistungsüberschuss des Achtzylinders so souverän und gediegen, wie es sich für ein S-Klasse-Coupé gehört. Vergessen ist die lange mitgeschleppte Pendelachse der Vorgänger. Im Grenzbereich verhält sich der SLC neutral bis leicht übersteuernd, während der Roadster wegen seines kurzen Radstands mehr Können erfordert.

Fahrwerksseitig entspricht der Mercedes SLC dem Strich-Acht. Die Motoren kommen ebenfalls aus dem Mercedes-Baukasten: Ein aufwendiger Doppelnockenwellen-Sechszylinder und ein konventioneller V8-Grundtyp, der in Hubraum und Leistung variiert, später Hydrostößel bekommt und zuletzt auf einen Alublock ohne Laufbuchsen umgestellt wird.

Gran Turismo statt Sportwagen

Es wäre sicher falsch, im Mercedes SLC einen Sportwagen zu sehen. Trotz seiner imposanten Leistung von 240 PS im Fünfliter-Topmodell und trotz der Erfolge bei Langstrecken-Rallyes in Afrika und Südamerika sprechen das hohe Gewicht und die üppigen Maße dagegen. Ambitionierte Fahrer würden einen handgeschalteten 280 SLC wählen - eine seltene Variante, die, nur von Kennern nachgefragt, auch noch besonders günstig ist.

Für alle sechs Mercedes SLC-Versionen gilt jedoch: jetzt zugreifen. Der sanfte Preisanstieg wird sich fortsetzen. Die begehrten Fünfliter-Modelle mit Türen und Hauben aus Aluminium haben schon 20.000 Euro überschritten. Velours oder Leder sollte ein SLC haben, Karo passt nicht zu Luxus. Und noch etwas: So viel Glas am Auto sollte schon getönt sein. Erst dann ist ein SLC wirklich schön.

Karosserie-Check

Der Mercedes 107er gibt – ob als Roadster oder als Coupé – mit frischer Verkaufslackierung oft den klassischen Blender. Selbst Grotten können noch passabel aussehen. Bläschen im Lack entlarven solche Autos, sie nisten über den Scheinwerfern in den Riffelblechpartien seitlich, in den hinteren Radläufen sowie im Bereich der hinteren Seitenteile unter der Heckscheibe.

Ein typischer Schwachpunkt beim Mercedes 107er sind auch die Schweller bei den Wagenheberaufnahmen und an den Spitzen, wo sie in die Radhäuser münden.

Technik-Check

Mercedes-Technik sei unkaputtbar, heißt es, und sie hält auch bei Wartungsnotstand lange durch. Gerade die Mercedes 107er mit Achtzylinder und Graugussblock erreichen bei guter Pflege extrem hohe Laufleistungen. Probleme gibt es eher bei dem DOHC-Sechszylinder M 110. Dessen aufwendiger Zylinderkopf muss oft ab 200.000 km überholt werden, was schon mal 4.000 Euro verschlingen kann. Ausgeschlagene Lenkgetriebe mit zu großem Spiel kommen häufig vor.

Preise

Ein Mercedes 350 SLC im Zustand 2 kostet laut Classic-Analytics rund 20.000 Euro. Für mäßig erhaltene Exemplare im Zustand 4 sind etwa 5.200 Euro fällig.

Bei Einführung 1972 (Mercedes 350 SLC)
33.700 Mark

Ersatzteile

Es gibt beim Mercedes 107er bis auf die Ausstattungsteile seltener Varianten fast alles, aber zu ständig steigenden Preisen. Manchmal sind auch Kleinigkeiten wie spezielle Dichtungen schwer zu bekommen. Trotzdem ist die Lage entspannt. Man könnte einen Mercedes SLC beinahe aus Neuteilen restaurieren. 107er-Club und vdh (www.mercedesclub.de) halten seltene Ersatzteile vor und treiben Nachfertigungen voran.

Schwachpunkte

  1. Kotflügel und Stehbleche
  2. A-Säule und Schweller
  3. Radläufe und Endspitzen
  4. Windschutzscheibenrahmen
  5. Wagenheberaufnahmen
  6. Schiebedachrahmen
  7. Kofferraumboden
  8. D-Jetronic/K-Jetronic
  9. Zylinderkopf (Sechszylinder)
  10. Steuerkette (380, 500 SLC)
  11. Lenkgetriebe
  12. Getriebeautomatik
Mercedes SLC (C107), Schwachpunkte, Igelbild

Wertungen

Alltagstauglichkeit
Ersatzteillage
Reparaturfreundlichkeit
Unterhaltskosten
Verfügbarkeit
Nachfrage

Fazit

Das Angebot an Mercedes SLC der Baureihe 107 ist groß, Interessenten können ihre Wunschmotorisierung frei wählen. Schon der 3,5-Liter-V8 sorgt für viel Freude am Fahren, der schwere Fünfliter muss nicht unbedingt sein. Gute Exemplare müssen mittlerweile mit Preisen jenseits der 20.000 Euro bezahlt werden. Dann sollte man sich aber auch seiner Sache sicher sein. Am besten einen erfahrenen 107er-Experten mit zur Besichtigung nehmen.

Neuester Kommentar

Sie schrieben: ausgeschlagene Lenkgetriebe mit zu großem Spiel kommen häufig vor.
Oft liegt es aber nur an der ausgeschlagenen Lenkkupplung die für wenig Geld und leicht zu tauschen ist!
Das Lenkgetriebe hält gut und gerne ein paarhundert Tausend km.

ticktack51 15. Oktober 2016, 22:26 Uhr
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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