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Kaufberatung Porsche 911, S, Carrera 2.7, 3.0 SC: 1973 bis 1983

Das schnellste Serienauto von 1973

Porsche 911 Carrera RS 2.7 Foto: Rossen Gargolov 10 Bilder

Wer nach preiswerten 911 sucht, wird in den 70ern fündig. Frühe 2,7-Liter-G-Modelle mit schmaler Karosserie und nur 150 bis 175 PS Leistung gehören nicht zu Top-Exemplaren. In den Kindertagen der Verzinkung ist Rost noch ein Thema. Die Technik gibt sich robust, aber auch kapriziös.

15.04.2010 Powered by

Karosserie-Check

Vorsicht, Blender! Das stark gestiegene Preisniveau des 911 birgt große Gefahren bei vermeintlichen Schnäppchen. Vor allem preiswerte Autos von 15.000 bis 20.000 Euro leiden oft unter schlecht reparierten Unfallschäden, erkennbar an üppigen Spaltmaßen und Stauchungen vor allem im Bereich des Vorderwagens. Ernsthafte Interessenten sollten ihr Objekt unbedingt von einem Kfz-Gutachter untersuchen lassen. Das gilt vor allem für US-Import-Modelle, die oft im Verdacht vertuschter Spachtelreparaturen stehen. Magnet und Taschenlampe gehören deshalb zum Grundbesteck des Inspektors, besser noch ein Messgerät für die Dicke der Lackschicht.

Ein Klassiker sind auch Beulen in den Schwellern, hervorgerufen durch unsachgemäßes Ansetzen der Hebebühne. Der Elfer birgt neben dem Karosseriebereich viele tückische Fallen. Seit Modelljahr 1976 hat die ausgeprägte Rostanfälligkeit der mit zahlreichen Hohlräumen operierenden Karosserie zwar deutlich abgenommen, doch gibt es immer noch kritische Zonen wie die Stehbleche und Radhäuser des Vorderwagens, die Schweller in Höhe der B-Säule, der Längsträger im Heckbereich sowie Hauben und Türböden. Die mikrodünne Zinkschicht hält zudem nicht ewig, Kapillarwirkung schwächt sie vor allem im Bereich der Schweller und des Unterbodens.

US-Autos und Italien-Importe leiden oft unter einem von UV-Strahlen ausgebleichten und versprödeten Interieur. Ersatz wird hier wegen der hohen Teilepreise oft unerwartet teuer. Originalität ist natürlich bei einem Sportwagen vom Schlage des Elfers ein großes Thema. Vorsicht deshalb bei Flügelmonstern und Flachschnauzern.

Technik-Check

Die Elfer-Technik ist weit robuster als ihr Ruf. Aber Reparaturen und Überholungen sind grundsätzlich sehr teuer. Vor allem die spezifisch niedrig belasteten 2.7- und 3.0-Liter- Motoren ab 1973 beziehungsweise 1975 (Dreiliter-Carrera mit 200 PS) halten sehr lange . Die Dreiliter-Motoren mit einem Block aus einer Alu-Legierung statt aus Magnesium erreichen vereinzelt Laufleistungen bis zu 300.000 Kilometern. Regelmäßige Wartung und pflegliche Behandlung ist vor allem beim Porsche 911 ein wichtiges Thema. Ein vollgestempeltes Wartungsheft mindert das Risiko von Folgekosten erheblich.

Die zentralen Themen beim Elfer-Motor heißen Ölundichtigkeit, Steuerkette und Stehbolzen. Die 2,7- Liter neigen eher zum Ölverlust und zu gebrochenen oder abgerissenen Stehbolzen. Letzteres hören Porsche- Kenner beim Motorlauf. Der teilhydraulische Kettenspanner samt Gummigleitschienen ist ebenfalls ein typisches Sorgenkind. Lautes Rasseln im Leerlauf deutet auf einen Defekt hin. Die K-Jetronic neigt zu Standschäden. Gelegentliches Bläuen beim Schalten oder beim Start des warmen Motors ist normal. Die Getriebe haben Synchronisationsschwächen (2. Gang) und schalten sich oft schwer.

Preise

Die Preisentwicklung verlief in den letzten zehn Jahren rasant – vor allem bei den 911 S-Modellen der frühen Baureihen bis zur sogenannten G-Serie ab August 1973. Selbst wenig gefragte Typen wie die zahmen 150- bis 175 PS-Versionen bis 1975 oder der frühe 911 SC mit 180/188 PS-Dreiliter-Motor kosten in gutem Zustand und mit Laufleistungen um die 150.000 km immer 25.000 Euro.

Ein gepflegter Originalzustand mit belegbarer Historie wird bei gängigen Elfern wichtiger als die leistungsfähigste Variante. Dennoch rangiert der Carrera 3.0 preislich über dem SC, der ein wenig das Stigma des Sparmodells hat. US-Modelle müssen keine zweite Wahl sein, oft sind sie die günstigeren 911er bei einer besserer Karosseriesubstanz. Allerdings darf ihre Technik nicht unter einem Wartungsstau leiden. Lack und Interieur sind bei US-Autos oft ein Problem.

Bei Einführung 1977 (Porsche 911 SC Coupé)
39.900 Mark
Bei Produktionsende 1983 (Porsche 911 SC)
57.875 Mark

Ersatzteile

Ein großes Handicap des 911er-Investments sind die hohen Ersatzteilpreise, die Porsche für die Original-Parts verlangt. Selbst Profanes wie Dichtungen, Faltenbälge der Stoßstangen oder die Nadelfilzauskleidung des Gepäckraums sind außergewöhnlich teuer. Die enorm hohe Vielfalt an 911-Varianten von 1973 bis 1989 bedingt auch Lieferengpässe bei Ausstattungs- und Zierteilen. Das gilt vor allem für die früheren Modelle von 1973 bis 1980.

Spezialisten wie Freisinger Motorsport, Karlsruhe (www.m-freisinger.de), Sportwagen Eckert (www.sportwagen-eckert.de) oder MST-Mechanik, Abensberg bei Regensburg (www.mst-mechanik.de) bieten preiswertere Alternativen. Schlacht-911er gibt es kaum, Autos unter 10 000 Euro sind meist Restaurierungsexemplare. Bis 15.000 gibt es Hoffnung.

Schwachpunkte

  1. Stehbleche und Radhäuser
  2. Spaltmaße (Türen und Hauben)
  3. Verdeckte Unfallschäden
  4. Schweller in Höhe B-Säule
  5. Heckscheibenrahmen (Targa)
  6. Tür- und Haubenkanten
  7. Kettenspanner, Gleitschienen
  8. Stehbolzen, Ölverbrauch
  9. Magnesium-Motorgehäuse
  10. Standschäden K-Jetronic
  11. Schaltführung, Synchronisation
  12. Auspuff anlage, Wärmetauscher
Porsche 911

Wertungen

Alltagstauglichkeit
Ersatzteillage
Reparaturfreundlichkeit
Unterhaltskosten
Verfügbarkeit
Nachfrage

Fazit

Wer nach preiswerten 911 sucht, wird in den 70ern fündig. Frühe 2,7-Liter-G-Modelle mit schmaler Karosserie und nur 150 bis 175 PS Leistung gehören nicht zu Top-Exemplaren. In den Kindertagen der Verzinkung ist Rost noch ein Thema. Die Technik gibt sich robust, aber auch kapriziös.

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