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Kaufberatung Rolls-Royce Silver Shadow

Harte Entscheidung: VW Golf oder edler Rolls-Royce

Foto: Frank Herzog 13 Bilder

Es klingt so verlockend – ein Rolls-Royce zum Preis eines neuen Basis-Golf. Doch für den Alltagsbetrieb sind Verbrauch und Wartungskosten zu exorbitant. Tipp: Den besten Shadow kaufen, den man sich leisten kann, und noch 50 Prozent des Kaufpreises für Reparaturen in Reserve haben.

17.04.2009 Powered by

Karosserie-Check

Wie auch ein Landsitz mit den Jahren zu bröckelt beginnt, wenn er nicht genügend Pflege bekommt, so verlangt auch der Shadow viel Aufmerksamkeit. Bei weniger gut gepflegten Exemplaren tritt Rost auf. Die Korrosion beginnt oft an den Kotflügeln vorn und hinten – dort, wo Spritzwasser auftrifft. Hinten kann der Rost nicht nur ebenfalls die Radläufe befallen, sondern sich auch bis zur Stoßstangenaufnahme durchfressen.

Am Heck sollten Interessenten unbedingt die Aufnahmepunkte des hinteren Hilfsrahmens überprüfen. Hier hält sich auch die Hinterradaufhängung fest: Rosten die Aufnahmepunkte weg, droht der Verlust des gesamten Fahrschemels. Der schwere Dachaufbau überfordert die A-Säulen. An ihren Ansätzen am Übergang zur Motorhaube entstehen deshalb häufig Risse.

Ein weiterer Mangel in diesem Bereich sind spröde Windschutzscheibendichtungen. So kann Wasser ins Auto eindringen und sorgt im vorderen Fußraum für Korrosion. Die tritt auch oft auch im Batteriekasten auf – wegen auslaufender Batteriesäure. Interessenten sollten alle Elemente der Komfortausstattung überprüfen. Das gilt sowohl für die Klimaanlage, die oft nicht mehr kühlt oder Quietschgeräusche von sich gibt, als auch für die Fensterheber. Außerdem checken, ob das Interieur vollständig ist. Zierteile sind – wie alle Ersatzteile – sehr teuer.

Technik-Check

500.000 Kilometer soll der 6,75-Liter-Motor schaffen – bei guter Pflege. Und die darf gern ein wenig umfangreicher ausfallen: Alle 10.000 Kilometer verlangt der Motor frisches Öl, alle 80.000 Kilometer eine sehr große Inspektion. Probleme machen oft die Hydrostößel. Bei kaltem Triebwerk muss Klappern nicht unbedingt auf einen Schaden hinweisen. Spätestens bei Betriebstemperatur sollte es aber aufhören. Wenn Maschinen ein vorzeitiger Tod ereilt, dann meist wegen Überhitzung. Frühe Shadow haben keine Kühlwasseranzeige, sondern nur eine Warnleuchte und einen Warnsummer. Beide melden sich oft erst, wenn es zu spät ist.

Speziell bei Autos der unteren Preisregion sorgt die Hydraulik für großen Ärger. Mögliche Mängel: poröse Schläuche, klappernde Pumpen und eine gerissene Membran im mit Stickstoff gefüllten Druckspeicher. Da auch der Bremsdruck über die Hydraulik aufgebaut wird, sollte sie genau geprüft werden. Die Reparatur ist nichts für Hobbyschrauber, sondern muss in einer Fachwerkstatt durchgeführt werden. Eingeschränkt gilt das auch für den Wechsel der verschleißfreudigen Stoßdämpfer, da für ihren Austausch Spezialwerkzeug nötig ist. Ein weiteres Problem ist der weit verzweigte Kabelbaum. Viele Leitungen sind nicht oder nur mangelhaft beschriftet, die weiträumig verteilten Relais nicht immer leicht zu lokalisieren.

Preise

Die günstigsten Shadow liegen noch ein Drittel unter dem Preis eines neuen Dacia Sandero. Doch solche – oft nicht mal fahrbereite – 5.000-Euro-Exemplare taugen höchstens als Schlachtfahrzeuge oder als Basis für eine ungeheuer ambitionierte Restaurierung. Ab 10.000 Euro finden sich fahrbereite Shadow, jedoch meist in traurigem Zustand.

Wer 15.000 Euro ausgibt, findet Autos, die im Kern gesund sein können, was aber nicht bedeutet, dass sie nicht einige ausgewachsene Macken neben dem gesunden Kern aufweisen. Für einen alltagstauglichen Shadow sind 20.000 Euro zu kalkulieren, die Preise für scheckheftgepflegte Exemplare in sorgenfreierem Zustand beginnen bei 30.000 Euro.

Bei Einführung 1966 (Rolls-Royce Shadow 6.2)
88.000 Mark
Bei Produktionsende 1977 ((Rolls-Royce Shadow 6.75)
129.900 Mark

Ersatzteile

Zwei positive Dinge sind über die Ersatzteillage zu berichten: Erstens gibt es fast alles, was man braucht – sowohl bei Technik als auch bei Karosserieteilen. Dafür sorgt einerseits die umfangreiche Teileversorgung durch Rolls-Royce selbst – schließlich gibt es noch genügend Shadow, die in berühmtem Erstbesitz laufen – und andererseits haben sich einige freie Teilehändler auf Rolls-Royce spezialisiert. Zweitens sind viele Technikkomponenten so konstruiert, dass sie nicht nur ersetzt, sondern durchaus repariert werden können. Das hilft mitunter, die enormen Ersatzteilkosten zu mindern. Aber man sollte sich keinesfalls der Hoffnung hingeben, bei einer Reparatur günstig wegzukommen.

Obwohl der meiste Ersatz aus Großbritannien kommt, verringert auch das schwächer gewordene britische Pfund die Preise kaum. Auch Reparaturkosten fallen sehr hoch aus. Eine Motorrevision liegt selten unter 9.000 Euro, für den Austausch der Wasserpumpe ist ein Tausender zu veranschlagen. Für den Wechsel der anfälligen Stoßdämpfer müssen rund 1.800 Euro kalkuliert werden.

Schwachpunkte

  1. Kotflügel-Enden vorn/hinten
  2. Radläufe vorn und hinten
  3. A-Säulenansatz
  4. Dichtungen Windschutzscheibe
  5. Aufnahmepunkt Hilfsrahmen
  6. Komfortelektronik
  7. Hydrauliksystem: Bremsen, Niveauregulierung
  8. Stoßdämpfer
  9. Elektrik
  10. Motor (Undichtigkeiten)

Wertungen

Alltagstauglichkeit
Ersatzteillage
Reparaturfreundlichkeit
Unterhaltskosten
Verfügbarkeit
Nachfrage

Fazit

Es klingt so verlockend – ein Rolls-Royce zum Preis eines neuen Basis-Golf. Doch für den Alltagsbetrieb sind Verbrauch und Wartungskosten zu exorbitant. Tipp: Den besten Shadow kaufen, den man sich leisten kann, und noch 50 Prozent des Kaufpreises für Reparaturen in Reserve haben.

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