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VW Karmann-Ghia in der Kaufberatung

Der Karmann Ghia ist ein Fall für Enthusiasten

VW Karmann-Ghia Foto: Uli Jooß 15 Bilder

Einen Porsche 356 restaurieren - oder doch lieber einen Karmann-Ghia? Eine Frage des Aufwands ist das nicht, speziell dann, wenn es um eines der frühen Designerstücke aus Osnabrück geht. Ein Karmann-Ghia aus den Fünfzigern ist daher ein Fall für die Enthusiasten. Wenn sie einen finden.

17.02.2010 Powered by

Karosserie-Check

Zu den stärksten Argumenten des Käfer zählte seine Haltbarkeit. Er lebte meist länger als teurere Autos der oberen Mittelklasse. Der Karmann-Ghia dagegen hatte vor allem nett auszusehen: Dass er ein begabter Roster war, stand -seinem dauerhaften Erfolg nicht im Weg. Viele verwinkelte Hohlräume, keine Konservierung und eine voll verschweißte Karosserie machen die Sanierung zum Fall für Könner, dem sich zahlreiche Karmann-Besitzer mit Glasfasermatten und Plastikspachtel entzogen. Der berühmte erste Blick kann daher schon entscheidend sein: Er streift die Spaltmaße, das Vorhandensein der originalen Sicken (speziell am Schweller unter den Fahrertüren) und die Ebenmäßigkeit der Karosserie.
 
Vor allem im Bereich der Frontmaske wird gern gepfuscht: Ein Originalteil kommt auf mindestens 1.000 Euro, das Repro-Blech kostet ab 500 Euro, muss aber mit viel Sorgfalt aus Einzelteilen zusammengeschweißt werden. Nach dem Öffnen der vorderen Haube lohnt sich die genaue Sichtung der Reserveradwanne und Kotflügel-Ansätze entlang der Dichtungsgummis. Die Kotflügel rosten oft auch um die Scheinwerfer und Blinker, und Typen, die ab Herbst 1966 entstanden, weisen mit der Tankklappe im Kotflügel eine weitere Schwachstelle auf. Von den vorderen Radhäusern aus lässt sich der Zustand der empfindlichen Luftkästen und die Befindlichkeit der A-Säulen prüfen.
 
Makellose Schweller zählen zu den großen Raritäten des heutigen Angebots, hier empfiehlt sich der Wagenheber-Test - Knirschen gilt als Kaufabratung. Leichter zu erkennen sind häufige Kalamitäten wie aufquellende Türunterkanten, poröse Kotflügel-Endspitzen, verschlissene Fensterheber, verwohnte Innenausstattungen oder fehlende beziehungsweise ondulierte Stoßstangen - alles machbar, aber auch nicht ganz billig. Ein gutes Auto sollte daher nicht nur rostarm und unfallfrei sein, sondern auch so komplett wie irgend möglich.

Technik-Check

Im Heck des Karmann-Ghia hämmerte stets der stärkste Käfer-Motor - mit sanften 30 PS bis 1960, 34 PS bis 1965, 40 PS bis 1966, 44 PS bis 1969 und bis zum Produktionsstopp 1974 immerhin 50 PS Leistung. Alle haben sie (wie auch die Getriebe) Laufleistungen bis weit über 200.000 Kilometer zu verkraften.
 
Der berühmte dritte Zylinder ist allerdings auch hier thermisch heikel, im Alter stellt sich ebenfalls leichter Ölverlust ein. Gravierender sind - typisch Käfer - durchgegammelte Vorderachskörper, häufig (aber nicht dramatisch) verschlissene Heizbirnen oder Lenkgetriebe mit viel zu viel Spiel. Günstige Ersatzteilpreise machen den Kauf eines im Blech gesunden Karmann-Ghia mit Standschäden jedenfalls nicht zum Problem.

Preise

Nahezu perfekte Karmann-Ghia Cabriolets stellen leicht die 20.000-Euro-Frage, makellose Coupés wechseln ihre Garage für 15.000 oder darüber - Restaurieren mit hohem Qualitätsmaßstab ist meist deutlich teurer. Besonders gesucht, aber überaus rar sind frühe Exemplare mit 30-PS-Motor und den kleinen Lufteinlass-Nasenlöchern im Frontblech: Speziell sie wecken die Begehrlichkeit solventer Karmaniacs aus Amerika und England, die weder vor einer Extrem-Restaurierung noch drastischen Preisofferten zurückschrecken.
 
Das Gros im heutigen Angebot stellen Karmann-Typen der späteren Jahre ab 1965: Brauchbare Restaurierungsobjekte gibt es ab etwa 2.000 Euro (Coupé) respektive 4.000 Euro (Cabriolet). Im mittleren Preissegment zwischen etwa 6.000 und 10.000 Euro sind überproportional viele lebende Leichen vertreten: Zahlreiche Karmänner wurden in den achtziger Jahren hastig aufgehübscht und sind unter ihrem Verkaufslack nicht mehr wert als eine ehrliche Ruine.

Bei Einführung 1955 (VW Karmann Ghia)
7.500 Mark
Bei Produktionsende 1974 (VW Karmann Ghia)
9.785 Mark

Ersatzteile

Die Suche nach Blech-, Chrom- und Interieurteilen für frühe Karmann-Typen ist mühsam - und den Erfolg krönt fast immer eine deftige Rechnung. Selbst Kleinteile wie Türgriffe oder Blinker werden fast mit Gold aufgewogen. Einfacher lässt sich Ersatz für spätere Jahrgänge des Glamour-Volkswagen beschaffen, aber dennoch kostet eine rostfreie Gebraucht-Tür um die 300 Euro und eine neue Export-Stoßstange rund 1.000 Euro. Selbst der ungeliebte späte Kasten-Stoßfänger ist neu kaum unter 500 Euro zu haben - pro Stück.

Schwachpunkte

  1. Frontmaske
  2. Reserveradwanne
  3. Vordere Kotflügel
  4. Luftkästen
  5. A-Säulen
  6. Innen- und Außenschweller
  7. Türunterkanten
  8. Endspitzen
  9. Stoßstangen
  10. Fensterheber-Mechanik
  11. Vorderachse
  12. Heizbirnen
VW Karmann-Ghia

Wertungen

Alltagstauglichkeit
Ersatzteillage
Reparaturfreundlichkeit
Unterhaltskosten
Verfügbarkeit
Nachfrage

Fazit

Einen Porsche 356 restaurieren - oder doch lieber einen Karmann-Ghia? Eine Frage des Aufwands ist das nicht, speziell dann, wenn es um eines der frühen Designerstücke aus Osnabrück geht. Ein Karmann-Ghia aus den Fünfzigern ist daher ein Fall für die Enthusiasten. Wenn sie einen finden.

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