Kindersitz-Crashtest: Dreimal "bedingt empfehlenswert"

Recaro Monza Seatfix und Storchenmühle Ipai werden, trotz höherer Verletzungsrisiken für Kopf und Hals, ebenfalls als "bedingt empfehlenswert" eingestuft. Sie sehen sich nicht nur auf den ersten Blick sehr ähnlich, sie sind sogar in weiten Teilen baugleich. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass der Recaro - wie der Römer Kidfix - mit Isofix am Auto befestigt wird, der Storchenmühle jedoch mit dem Autogurt.

Es fällt auf, dass die Belastungen im Monza in allen Bereichen unter denen im Ipai liegen. Offenbar bringt Isofix auch in der Gruppe II-III Vorteile bei der Sicherheit. Gegen Aufpreis ist der Storchenmühle Ipai übrigens in der Variante Seatfix mit Isofix-Befestigung zu bekommen. Nach dem Crash ist kaum einem Sitz anzusehen, welchen Belastungen er ausgesetzt war, kaputt gegangen ist wenig.

Vor einigen Jahren sah es noch anders aus. Regelmäßig brachen Teile aus der Struktur oder gaben Gurte nach. Solche Mängel dürfen aber unter keinen Umständen auftreten, denn das Risiko für die Kinder wächst dann enorm.

Dennoch sind Beschädigungen nach einem Unfall am Sitz akzeptabel, ja sogar wünschenswert. Helle Verfärbungen im Kunststoff, angebrochene Styropor- oder leicht verbogene Metallteile sind nämlich ein guter Hinweis drauf, dass ein Sitz schon einen Crash hinter sich hat und nicht mehr verwendet werden darf.

Marginale Schäden: Sitz gehört auf den Müll!

Selbst wenn die Schäden marginal sind, gehört der Sitz in den Müll. Denn wie ein Auto haben auch Sitze ihre Knautschzone. Die Materialien können zwischen Metall und Kunststoff variieren, die Funktion ist immer gleich. Bei der Verformung des Sitzes wird Energie abgebaut, die dann dem Kind nicht mehr schaden kann. Beispiel Recaro Monza Seatfix: Hier sind nach dem Anprall die Isofix-Befestigungshaken abgebrochen, stabile Stahlseile bilden aber immer noch eine Verbindung zwischen Sitz und Auto, also kein System-Versagen.

Bei diesem Sitz ist völlig klar, dass er nicht wiederverwendet werden kann. Die Isofix-Befestigung des Römer Kidfix ist ebenfalls beschädigt, wenn auch nicht so offensichtlich. Der Fangtisch des Kiddy Infinity Pro weist Brüche auf, behält aber seine Form. Der Cybex muss schon fast mit der Lupe inspiziert werden, damit man die kleinen Abschürfungen durch den Gurt feststellen kann.

Kleinigkeiten, die über richtig oder falsch entscheiden

Am Concord Lift Evo PT dagegen ist der Crash völlig spurlos vorübergegangen. Ein Nachteil, denn der Sitz sieht zwar aus wie neu, ist aber trotzdem ein Fall für den Recycling-Hof. Manche Einbau-Anleitungen gehörten in der Vergangenheit ebenfalls in den Müll. Obwohl einige in dieser Testserie knapp gehalten sind, gibt keine Rätsel auf. Beim Römer Kidfix ist allerdings die richtige Gurtführung an der Kinderschulter in der Anleitung nicht optimal dargestellt. Ein Mangel, den Römer schnell ändern sollte, denn nur korrekt montierte Sitze schützen mit ihrem ganzen Potenzial.

Und oft sind es Kleinigkeiten, die über richtig oder falsch entscheiden, vor allem, wenn es um die Größenverstellung geht. Recaro und Storchenmühle haben deshalb eine Zentimeter-Skala an der Kopfstütze, die bei der richtigen Höheneinstellung ungemein hilft. Die Preisunterschiede in diesem Test sind gewaltig. Teuer muss aber nicht unbedingt besonders sicher bedeuten, denn die preisgünstigen Sitze von Kiddy schlagen sich in dieser Hinsicht wacker. Nur bei der Verarbeitungsqualität können sie nicht ganz mithalten.

Vor allem der Contour weist Schwächen auf, denn seine Polsterung ist nicht dauerhaft mit der Sitzstruktur verbunden. Ein durch regen Gebrauch verschobenes Polster kann jedoch die Schutzfunktion einschränken. Es gibt also für die Kindersitz-Hersteller im Detail immer noch einiges zu verbessern. Genau wie für die Autobauer, denn auf Kinder abgestimmte Gurtsysteme im Auto gibt es bislang nicht. Warum eigentlich?

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Christian Bangemann

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