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24h Le Mans 2016 - LM GTE Pro

Neue GT-Einstufungen einen Tag vor Rennstart

Ford GT - 24h-Rennen Le Mans 2016 Foto: xpb 37 Bilder

Es ist ein einmaliger Vorgang in der Geschichte des 24h-Rennens von Le Mans: Nur einen Tag vor dem Rennstart des wichtigsten Langstreckenrennens der Welt änderten die Veranstalter noch einmal die Einstufungen in der GTE-Pro-Klasse für Werkswagen.

17.06.2016 Marcus Schurig Powered by

Nur einen Tag vor dem 24h-Rennen in le Mans änderten die Veranstalter ACO und FIA noch einmal die Einstufungen für die GTE-Pro-Klasse für Werkswagen, in der 14 Fahrzeuge von fünf Herstellern am Start stehen: Polesitter Ford muss bei seinen vier GT-Wagen 10 Kilo zuladen und eine leichte Reduzierung beim Ladedruck verkraften, Ferrari muss 15 Kilo zulegen. Corvette und Aston Martin bekamen jeweils um 0,2 mm vergrößerte Luftmengenbegrenzer zugestanden, während die Porsche-Einstufung für die 911 RSR gleich blieb.

Porsche weit hinter Ford und Ferrari

Seit dem ersten Qualifying zum 24h-Rennen am Mittwochabend herrschte Frust, Unfrieden und Empörung im GT-Fahrerlager: Neueinsteiger Ford holte in der GTE-Pro-Klasse für Werkswagen die Pole-Position, mit einer Fabelzeit von 3.51 Minuten – vier Sekunden schneller als letztes Jahr. Auf den Positionen eins bis sieben lagen vier Ford GT und drei ebenfalls neu entwickelte Ferrari 488 GTE. Der beste Nicht-Ferrari-Nicht-Ford-Nicht-Turbo-Nicht-Mittelmotor-Wagen landete auf Platz acht – es war ein Porsche 911 RSR, und der hatte einen Rückstand von 3,733 Sekunden auf die Pole Position von Ford.

Weil das zweite und dritte Qualifying im Regen versanken, hatten die Rundenzeiten auch Bestand für die Startaufstellung. Die Emotionen kochten hoch, denn de facto etablierte das Resultat eine Zweiklassengesellschaft: Vorne die neuen GT-Werkswagen von Ford und Ferrari, die in einer anderen Liga fuhren, dahinter die im Vergleich zum Vorjahr nur leicht modifizierten Altwagen von Aston Martin, Corvette und Porsche.

Wie konnte das passieren? Aus Sicht der Verlierer waren die Fahrzeugeinstufungen (Balance of Performance oder BOP) schuld: Die Turbos hatten eine zu gute Einstufung bei Gewicht und Ladedruck, deswegen standen sie vorne. Außerdem hätten beide Marken beim Vortest drei Wochen vor dem Rennen an gleicher Stätte nicht ihre wahre Performance gezeigt. Zusammengenommen entstand so ein krasses Rundenzeiten-Delta von der Größe des Andreas-Grabens. Ford und Ferrari sahen es völlig anders: Neue GT-Autos seien eben immer schneller als alte, die Turbos seien besser als die alten Saugmotoren und ein Mittelmotorauto sei eben immer schneller als ein Heckmotor- oder Frontmittelmotorauto.

Ford und Ferrari bleiben Favoriten

Das Problem an der Diskussion: Weil Ford und Ferrari im Zeittraining so fürchterlich schnell fuhren, sahen plötzlich auch die Veranstalter (ACO und FIA) furchtbar alt aus, denn der Vorwurf, die BOP sei falsch, traf direkt sie. Obendrein steht damit der böse Verdacht im Raum, dass die Rückkehr von Ford 50 Jahre nach dem ersten Sieg im Jahr 1966 ein wohl orchestriertes Marketing-Spektakel für die Amis ist, nach dem Motto: Wer den größten Scheck ausstellt, bekommt auch eine gute BOP. Und weil Ford 1966 gegen Ferrari siegte, bekamen eben auch die Italiener eine gute Ausgangsposition über die BOP spendiert.

Die Veranstalter reagierten mit der neuen BOP – ein Novum in der Geschichte des 24h-Rennens von Le Mans, denn in den letzten 15 Jahren hatte es eine Leistungsanpassung in der laufenden Rennwoche nie gegeben. Die Neueinstufung ist auch ein Eingeständnis der Veranstalter, dass die bisherige BOP offensichtlich falsch war. Ob die Änderung etwas bewirkt, ist nicht klar: Die Änderungen sind zu marginal und kosmetisch, um die Unterschiede zu nivellieren – wir reden hier eher von Zehntelsekunden denn von Sekunden.

Damit bleiben Ford und Ferrari die Favoriten für das Rennen, wenn es um den reinen Speed geht. Ob die beiden neu entwickelten GT-Renner von Ford und Ferrari auch die Standfestigkeit haben, um ihren guten Speed über 24 volle Stunden zu gehen, wird erst das Rennen zeigen.

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